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Und das Prinzenpaar sucht immer noch

Rathauserstürmung Und das Prinzenpaar sucht immer noch

Nach der eher mauen Gegenwehr der vergangenen zwei Jahre gaben Bürgergarde und Bürgermeister den Narren bei der Rathauserstürmung diesmal wieder Contra.

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Nach der Unterzeichnung des Mitgliedsantrages für die Bürgergarde ließ Prinz Volker „seine“ Garde tanzen. Eine Auszeichnung für elf Jahre als Sitzungspräsident nahm Michael Launer (kleines Bild) entgegen.Fotos: Florian Lerchbacher

Neustadt. Die Zeit der rationierten Munition und des Mottos „Rosen statt Schüsse“ war endlich zu Ende, und es gab wieder Widerstand an Neustadts Historischem Rathaus. Der Magistrat hatte extra noch schnell Hauptmann Andreas Gnau von seinen Aufgaben entbunden – zu groß war die Gefahr, dass der Kolping-Sitzungspräsident als Maulwurf die geheime Abwehrstrategie der Bürgergarde verrät.

Und so bekamen es die Narren mit Michael Schmittdiel und seinen Mannen zu tun, der die von Bürgermeister Thomas Groll ausgegebene Strategie befolgte und versuchte, die Narren durch Reden zu ermüden. Als dieser Versuch fehlschlug, hielt die Bürgergarde Prinz Volker (Keßler) das OP-Porträt über das Prinzenpaar und gleich noch einen Mitgliedsantrag unter die Nase – schließlich hatte der närrische Herrscher erklärt, er sei in nahezu allen Vereinen Mitglied. Die Bürgergarde fehlte da noch.

Prinzessin Ilona und Prinz Volker herrschen in Neustadt und erstürmten am Rosenmontag zusammen mit ihrem Gefolge das Rathaus.

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Nun ist dies anders. Prinz Volker versuchte zwar noch, einen Posten herauszuhandeln, sämtliche Nachfragen beantworteten die Gardisten jedoch mit Schweigen. „Nun gut, sei‘s drum“, gab der Prinz auf und unterzeichnete den Antrag.

Damit war die Gegenwehr der Bürgergarde gebrochen. Auch Groll nahm seinen Hut und ersetzte ihn durch die Narrenkappe – allerdings nicht ohne die Karnevalisten vor den knappen Kassen und den vielfältigen Anforderungen zu warnen. Und so ganz wollte er sich auch nicht aus dem Chefsessel schubsen lassen, daher regte er eine große Koalition an.

Die kommt für Prinz Volker wohl nur in Frage, wenn Groll sein Lachen wiederfindet – was ein Seitenhieb auf des Bürgermeisters Verhalten während der VfL-Prunksitzung war. Er solle zeigen Selbstironie, „dann gewinnt er bestimmt noch Sympathie“, lautete die Botschaft der Rede, die er mit Prinzessin Ilona (Lohse) hielt.

Dann kam die Zeit der Sitzungspräsidenten und der Garden der karnevalstreibenden Vereine. Michael Launer wies Birgit Amstätter und Otto Müller noch schnell den Weg nach Stadtallendorf. Diesen scheint Neustadts Zweit-Prinzenpaar scheinbar seit der VfL-Prunksitzung vergeblich zu suchen. Der Erfolg bleibt den beiden jedoch verwehrt: Sie dürften wahrscheinlich auch die ersten närrischen Herrscher sein, die bei einer Rathauserstürmung versagt haben: In der vergangenen Woche habe er sie in die Flucht geschlagen, verkündete Groll stolz.

Doch zurück zum VfL, denn da gab es eine Besonderheit: Der sonst so launige Launer war kurzzeitig ungewohnt melancholisch, als er vor einigen Hundert Zuschauern eine kleine Anerkennung für 11 Jahre als Sitzungspräsident entgegennahm.

Eine „Lachmark“ erhielt er jedoch nicht. Dies ist die Währung, die Andreas Rhiel (eingeklinkt) einführen will – den neuen Pfarrer würde Santa-Maria-Präsidenten Felicitias Trebes-Börner gerne in der Bütt sehen.

Michaela Gies (Frauenverein) freute sich derweil über die gute Stimmung der Narren. Andreas Gnau (Kolping) lobte den Bürgermeister für die Kapitulation: Aufgeben sei billiger als Kämpfen. Noch dazu könne er sich schon einmal daran gewöhnen – spätestens wenn die Tochter in die Pubertät komme, gehöre dies zum Alltag eines Vaters.

Apropos Vater: Der Kinderprinzenpaar Luis I. (Ebel) und Lea I. (Trelenberg) witzelte über das Verhalten erwachsener Menschen in der Karnevalszeit – und machten eine überraschende Entdeckung, wie Prinz Luis berichtete: „Ich dachte immer, Fasching macht krank, denn nach einer Sitzung liegt Papa stets lang.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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