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Umstrittene Anlage ist nun in Betrieb

Zankapfel Umstrittene Anlage ist nun in Betrieb

Seit einigen Wochen gibt es heiße Diskussionen um eine Lackieranlage in der Siedlung. Eine Abkühlung der Gemüter ist nicht in Sicht - und das, obwohl eine fehlende Baugenehmigung jetzt vorliegt.

Amöneburg. Christian Graser ist erleichtert: Das Kreisbauamt erteilte dem 28-Jährigen nun nachträglich die Baugenehmigung für seine Lackier- und Karosseriewerkstatt und zog so den Schlussstrich unter eine viele Wochen dauernde Diskussion. Das hofft der junge Amöneburger zumindest: „Die Kritik wird sich legen, wenn die Anwohner sehen, dass in meinem Betrieb alles in Ordnung ist.“

Er hofft auf Akzeptanz und versucht, diese durch Transparenz zu erlangen. „Ich wurde falsch beraten“, erinnert er sich an den Auslöser der Proteste zurück und berichtet, dass ihm gesagt worden sei, er könne eine Lackier- und Karosseriewerkstatt ebenso genehmigungsfrei in dem Mischgebiet errichten wie eine Kfz-Werkstatt.

Dem war allerdings nicht so - und was folgte waren einige Monate der Unsicherheit. Die Anwohner machten ihrem Unmut Luft und äußerten Bedenken zu Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung, während sich Graser nachträglich um die Baugenehmigung bemühte. Bürger brachten das Thema im Bauausschuss aufs Tableau und sprachen es im Vorfeld einer Stadtverordnetenversammlung an, bis Stadtverordnetenvorsteher Dr. Stefan Heck letztendlich gar eine Bürgerversammlung einberief (die OP berichtete ausführlich).

Für diese öffnete Graser seine Akten, gab einen Einblick in Unterlagen und engagierte gar einen Sachverständigen vom TÜV, der mit seinen Fachkenntnissen die Bedenken bei den Bürgern verringern sollte: „Das hätte ich nicht machen müssen, aber ich hoffte auf Aufklärung und wollte, dass er alle offenen Fragen beantwortet“, betont Graser. Der Fachmann vom TÜV äußerte sich ebenso wie der Leiter des Kreisbauamtes gleichermaßen zu Vorschriften wie auch den Bedenken der Anwohner und sah keinen Grund, der gegen eine Erteilung der Baugenehmigung sprechen würde.

„Die Bürgerversammlung hat sich gelohnt, denn es wurde ein gewisses Informationsdefizit beseitigt“, kommentiert Ortsvorsteher Herbert Fischer und betont: „Das Misstrauen ist aber nach wie vor da.“

Graser habe versucht, die Amöneburger zu täuschen: „Er hätte von Anfang an mit offenen Karten spielen müssen - man muss eben auf sein Umfeld Rücksicht nehmen. So hat er versucht, an den Vorschriften vorbei einen Gewerbebetrieb zu installieren. Ich glaube auch nicht, dass er falsch informiert wurde: Er hat genau gewusst, was er macht“, sagt Fischer.

Der Polizist im Ruhestand zweifelt sogar daran, dass der Kfz-Betrieb alle Auflagen erfülle: „Das sagt mir meine Lebenserfahrung. Irgendwann kommt die Zeit und dann stehen die Fahrzeuge nicht mehr auf den ausgewiesenen Flächen. Im Sommer werden dann die Hallentore geöffnet und der Lärm des geräuschintensiven Betriebes zieht sich den Hang hoch.“

„Ich kann die Bedenken der Bürger verstehen, bin aber ein bisschen enttäuscht von der Art und Weise, wie sie Kritik äußerten“, sagt Graser. Selbst nachdem er seine Unterlagen offengelegt habe, hätte es noch „unsachliche Kritik“ gegeben: „Die ganze Geschichte hat mich geistig und körperlich stark beansprucht.“

Ans Aufgeben scheint er jedoch nie gedacht zu haben: Seit 1964 befindete sich das Grundstück in Familienbesitz. „Meinem Großvater hat sehr daran gelegen, dass es hier weitergeht“, erinnert sich Graser und betont: „Ich habe ihm kurz vor seinem Tod versprochen, alles dafür zu geben. Ich bin hier schließlich aufgewachsen und fühle mich hier zu Hause.“ Nun bemüht er sich, aus der Rolle des unerwünschten Störenfriedes herauszukommen: Nachdem er den Abluftschornstein auf die vorschriftsmäßige Höhe hatte bringen lassen, entschloss er sich, einen leistungsstärkeren Schalldämpfer als gefordert obendrauf zu setzen: „Ich nehme den Anwohnern ihre Kritik nicht krumm, aber ich fand ihr Auftreten teilweise übertrieben.“

Die Lackieranlage ist jedenfalls seit Dienstag in Betrieb - für Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg keine Überraschung: „Die Experten waren während der Bürgerversammlung sehr überzeugend und ließen keine Fragen mehr offen. Auch im Magistrat sahen wir keine Probleme.“ Entsprechend habe er dem Kreisbauamt das Einvernehmen der Stadt zur Baugenehmigung erteilt. „Im Ergebnis wäre es mir natürlich auch lieber gewesen, die Lackieranlage wäre im neuen Gewerbegebiet in Roßdorf entstanden. Es ist aber nicht unser Punkt, jemanden auf einen Standort für seinen Betrieb zu verweisen.“ Die Stadt habe weder Ermessensspielraum noch einen Grund gehabt, der Erteilung der Baugenehmigung durch das Kreisbauamt das Einvernehmen zu verweigern.

von Florian Lerchbacher

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