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Ullrich will den offenen Dialog

Interview mit dem Regierungspräsident Ullrich will den offenen Dialog

Am Dienstag gibt es eine Bürger-Informationsveranstaltung der Stadt über die Landespläne für die Hessen-Kaserne, dort sollen im Laufe des nächsten Jahres bis zu 1200 Flüchtlinge Platz finden. Die Oberhessische Presse sprach vorab mit dem Gießener Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich über die Entwicklung in Stadtallendorf.

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Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich im Gespräch mit OP-Redakteuren.

Quelle: Tobias Hirsch

OP: Wann sind die ersten Gebäude in der Hessen-Kaserne soweit, dass die rund 500 Flüchtlinge aus den Zelten dorthin umziehen können?

Christoph Ullrich : Die Planungen sehen derzeit vor, dass das in der 50. Kalenderwoche passieren kann, also in der Zeit vom 7. bis 13. Dezember, wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht.

OP: Der Winter wird sich definitiv in diesen Tagen bemerkbar machen. Lässt sich in der Übergangszeit etwas unternehmen, um die Situation dieser Flüchtlinge in Katastrophenschutz-Zelten zu verbessern?

Ullrich: Auch diese Katastrophenschutz-Zelte sind von Anfang an beheizt. Ich gehe davon aus, dass die Unterbringung der Menschen dort bis zum Umzug möglich bleiben wird. Sollte sich zeigen, dass  sich die Wetterbedingung zuspitzen, dann steht eine Verlegung in andere Unterkünfte an.

OP : Es gäbe also eine Übergangslösung für den Fall der Fälle?

Ullrich: Ja, das ist denkbar.

OP: Wie viel investiert das Land zunächst in den Umbau?

Ullrich: Nach den Planungen des hessischen Baumanagements werden ungefähr 2,5 bis 3 Millionen Euro verbaut werden.

OP: Im Ostkreis des Kreises Marburg-Biedenkopf entsteht eine besondere Situation. Nach der Außenstelle in Neustadt mit 1100 Plätzen gibt es eine weitere in Stadtallendorf für 1200 Flüchtlinge. Hinzu kommen die Pläne des Kreises, in Kirchhain 400 Menschen in Notunterkünften unterzubringen. Gehört das angesichts der Zahl der in Hessen ankommenden Flüchtlinge inzwischen zur Normalität?

Ullrich: Die Zahl der vielen Menschen, die zu uns kommen, stellt alle Ebenen, Land, Regierungspräsidium, Kommunen und die dort lebenden Bürger vor große Herausforderungen. Zunächst ist es naheliegend, auf Gebäude zurückzugreifen, die vorhanden sind, sei es in Neustadt oder jetzt in Stadtallendorf. Es geht um Gebäude, die sich so herrichten lassen, dass dort Flüchtlinge untergebracht werden können. Das geht allemal schneller als jeder Neubau. Um mal eine Zahl zu nennen: Wir haben derzeit 25 000 Flüchtlinge in Hessen, die in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht sind. Diese Unterkünfte sind über das ganze Land verteilt, also nicht nur im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Aber ich verstehe die Gefühle der Menschen im Ostkreis sehr gut.

OP:  Und wie begegnen Sie diesen Ängsten?

Ullrich: Es ist wichtig, einen offenen Dialog zu führen. Bürgerinformationsveranstaltungen wie am Dienstagabend in Stadtallendorf sind der direkte Weg, ich bin bereits auf etlichen gewesen. Auch in Stadtallendorf werde ich den Menschen Rede und Antwort stehen.

OP: Wo kann das Regierungspräsidium eine Stadt wie Stadtallendorf bei aller schon vorhandenen Belastung überhaupt noch unterstützen?

Ullrich: Die Kosten des Betriebes der Einrichtung werden komplett vom Land übernommen. Daneben verweise ich auf den Aktionsplan Asyl, den die Landesregierung in diesen Tagen vorgestellt hat. Finanziell wird sich das Engagement der Stadt auch bemerkbar machen, etwa beim kommunalen Finanzausgleich, wo die Flüchtlinge den Einwohnern hinzugerechnet werden. Das wird finanzielle Spielräume eröffnen.

  • Die Bürger-Informationsveranstaltung findet am Dienstag, 24. November, ab 19 Uhr in der Stadthalle Stadtallendorf statt.

von Michael Rinde

Hintergrund

Aktuell leben 480 Flüchtlinge in dem vom DRK im Auftrag des Landes betriebenen Zeltcamp auf Stadtallendorfer Bundeswehrgelände. Das sind derzeit etwa 100 Menschen weniger als im Durchschnitt der vergangenen Wochen. Hessenweit sind nach Angaben des Sozialministeriums zurzeit noch etwa 5000 Menschen in Zelten untergebracht.

In Stadtallendorf baut das Land zunächst fünf Gebäude der Hessen-Kaserne für die Unterbringung und Betreuung um. Dafür wird die Kaserne zweigeteilt, da die Bundeswehr nach wie vor dort Platz benötigt. In weiteren Bauabschnitten werden zehn Gebäude für die künftige „Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Stadtallendorf“ hergerichtet. Das Land plant für 2016, dort Platz für insgesamt rund 1200 Menschen zu schaffen.

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