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Übungsziel nach 24 Minuten erreicht

Feuerwehr Kirchhain probte Ernstfall Übungsziel nach 24 Minuten erreicht

Große Aufregung am Freitagmorgen in Kirchhain. Die Feuerwehr raste mit Martinshorn und Blaulicht durch die Stadt in Richtung Grundschule. Glücklicherweise handelte es sich nur um eine Alarmübung.

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Ein großer Held und drei kleine Helden im Rettungskorb. Mit der Drehleiter bringt die Kirchhainer Feuerwehr die ersten drei von insgesamt elf Kindern aus dem zweiten Obergeschoss in Sicherheit.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. 9.40 Uhr. Pause an der Grundschule. Die Kinder bringen dem Gott der Lautstärke ein fröhliches Opfer dar. Auf der Nestschaukel sind einige Mädchen dabei, die Grenzen der Physik auszuloten. Am Schultor gibt‘s eine kleine Schubserei. Ein Junge fliegt rückwärts auf den Bürgersteig. „Ich hab nix gemacht“, sagt der Schubser erschrocken. Es ist nichts passiert. 9.50 Uhr: Die Schulglocke ruft zur nächsten Stunde. Die Schüler strömen in die Schulgebäude. Wenige Augenblicke später gewinnt das Vogelgezwitscher wieder die akustische Hoheit in der Pestalozzi-Straße. Ein ganz normaler Schultag?

Die Feuerwehr Marburg-Ockershausen übt den Ernstfall: Auf dem Gelände der Praxis-GmbH an der Gisselberger Straße simulierten die Einsatzkräfte einen Brand im Lagerbreich.

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10 Uhr: Jaulend zerreißt die Schulsirene die Idylle. Feueralarm. In Minutenschnelle werden die Schulgebäude evakuiert. Fast alle Schüler und Lehrer kommen vor dem Betreuungsgebäude zusammen. Aus dem zweiten Obergeschoss des Gebäudes drei dringen Hilferufe nach draußen. Kinderfäuste trommeln gegen die Fensterscheibe. Das Übungsszenario sieht vor, dass die elf Schüler und ihre Lehrerin eingeschlossen sind. Ein im Keller ausgebrochenes Feuer hat das Treppenhaus verraucht und ihnen den einzigen Fluchtweg abgeschnitten.

20.11 Uhr: Das Dröhnen der Martinshörner signalisiert das Herannahen der Feuerwehr. 10.12 Uhr: Das Fahrzeug der Einsatzleitung mit Stadtbrandinspektor Reinhold Bonacker und Kirchhains Wehrführer Stephan Schmidt an der Spitze führt einen Konvoi von Feuerwehrautos auf den Schulhof. 10.13 Uhr: Die Mannschaften bleiben mit Ausnahme der Gruppenführer schulbuchmäßig zunächst in ihren Fahrzeugen sitzen, während Schulleiterin Elke Biebricher-Maus die Einsatzleitung über das Geschehen präzise informiert. Das spart wertvolle Zeit, die sonst für die mitunter aufwändige Erkundung der Einsatzstelle draufgegangen wäre.

Feuerwehrleute schaffen drei Rettungswege

10.15 Uhr: Die Gruppenführer haben ihre Direktiven erhalten und eilen zu ihren Teams zurück. Die Feuerwehrleute springen aus den Autos, einige haben schon die Atemschutzmasken übergezogen. Die Gruppenführer vergeben die Aufgaben. Zwei Einheiten übernehmen die Brandbekämpfung, legen Atemschutzgeräte an und bauen die Wasserversorgung auf. In kofferartigen Gestellen werden die Schläuche dorthin gebracht, wo sie benötigt werden.

Alle anderen Einheiten kümmern sich um die Personenrettung. Dazu bauen sie drei Rettungswege auf: Die Drehleiter und den Sprungretter an der Vorderseite des Gebäudes und die Steckleiter an der nur zu Fuß erreichbaren Rückseite. Das Ganze passiert in Windeseile, ohne dass groß gesprochen wird. Jeder weiß, was zu tun ist.

"Die ersten 20 Minuten sind entscheidend"

10.19 Uhr: Der Maschinist der Drehleiter hat den Rettungskorb zielgenau ans Fenster des Klassenzimmers gesteuert. Ein Feuerwehrmann steigt in den Raum, um den Schülern beizustehen. Der zweite bringt die ersten drei Kinder sicher auf den Schulhof zurück.

Derweil wird hinter dem Haus die Steckleiter in Position gebracht. Schwerstarbeit, denn es wirken erhebliche Hebelkräfte. Der frühere Kirchhainer Wehrführer Uli Grothe dirigiert die Arbeiten und erzählt nebenbei, dass die Steckleitern wegen ihrer flexiblen Einsatzmöglichkeiten noch immer unverzichtbar sind. Und kippelig sind sie auch. Lehrerin Sandy Hering lässt sich dennoch auf den Fluchtweg Steckleiter ein. „Die Feuerwehr hat mich sehr sicher und kompetent gerettet“ sagt sie, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hat.

12.36 Uhr: Nach nur 24 Minuten haben die Einheiten aus der Kernstadt und aus Stausebach alle Aufgaben abgearbeitet. „Wir zeigen den Kindern jetzt noch ein bisschen Feuerwehr, wenn wir schon mal hier sind“, sagt der sichtlich zufriedene Wehrführer Stephan Schmidt nach einem reibungslosen Übungsverlauf. Reinhold Bonacker hat ein Lob für die Einsatzkräfte und für den „gut funktionierenden organisatorischen Brandschutz der Grundschule“ parat. „Das kann Leben retten. Die ersten 20 Minuten sind entscheidend“, sagt der Stadtbrandinspektor.

Für die Feuerwehrleute, die sich teilweise Urlaub für die Übung genommen hatten, ist der Einsatz damit noch längst nicht beendet. Im Stützpunkt müssen Autos und Ausrüstung wieder so hergerichtet werden, dass sie für den nächsten Dienst am Menschen bereit sind. Und der kann jederzeit kommen.

von Matthias Mayer

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