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Überfallopfer: "Ich dachte, ich sterbe"

Prozess Überfallopfer: "Ich dachte, ich sterbe"

Einen von drei Tätern, die im November 2011 einen Stadtallendorfer Juwelier überfielen, hat die Polizei ermitteln können. Ihm wurde der Prozess gemacht.

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Stadtallendorf. Sechseinhalb Jahre muss ein 23-Jähriger für einen brutalen Raubüberfall, die er in Tateinheit mit einer schweren Körperverletzung begangen hat, ins Gefängnis. Damit ahndete das Marburger Landgericht am Dienstag eine Tat, die der Mann am 24. November 2011 zusammen mit zwei bisher nicht bekannten Komplizen in der Stadtallendorfer Niederkleiner Straße begangen hatte. Gemeinsam mit seinen beiden Mittätern, von denen er angeblich nur die Vornamen kannte und mit denen er seit Ende 2011 auch keinen Kontakt mehr hat, hatte der Mann ein alteingesessenes Juweliergeschäft in der Stadtallendorfer Einkaufsmeile überfallen.

Fordert Ohrringe und schlägt zu

Nachdem die drei Männer über längere Zeit das Juwelier- und Uhrengeschäft beobachtet und abgewartet hatten bis alle Personen außer dem Geschäftsinhaber den Laden verlassen hatten, betraten sie das Geschäft. Durch seine Gestik hatte der 23-Jährige, der kein Deutsch sprach, dem Inhaber zu verstehen gegeben, dass er Ohrringe kaufen wolle. Anschließend umklammerte er ihn, überrumpelte den 49-Jährigen mit einem heftigen Schlag ins Gesicht und brachte ihn dadurch hinter der Ladentheke zu Fall. Zusammen mit einem zweiten Täter traktierte der 23-jährige anschließend den hinter dem Verkaufstresen liegenden Mann mit Fußtritten und Schlägen ins Gesicht.

„Ich dachte ich sterbe“, schilderte der als Zeuge geladene 49-jährige seine Todesangst. Um den am Boden liegenden Inhaber gänzlich an Bewegungen zu hindern setzte der Litauer sogar einen Elektroschocker ein und versetzte dem Mann einen Stromschlag am Bein.

Währenddessen räumte der dritte Täter die Wertgegenstände, die nach Aussage des Geschädigten hauptsächlich aus Ringen, Ohrringen, Ketten, Armreifen und Uhren bestanden, aus den Vitrinen und Auslagen in eine mitgebrachte große Tragetasche. Die Beute an Gold- und Silberschmuck hatte einen geschätzten Gesamtwert von rund 115000 Euro. Beim Verlassen des Geschäftes hatte sich der Inhaber den Tätern in den Weg gestellt. Dabei wurde er erneut mit Schlägen und Fußtritten zu Fall gebracht. Bei dem Überfall hatte der Geschäftsinhaber erhebliche Verletzungen am Kopf und am Körper davongetragen. Diese mussten in einem einwöchigen Aufenthalt im Marburger Uni-Klinikum behandelt werden.

Täter zeigt keinerlei Reue

Ein während der Gerichtsverhandlung gezeigtes Überwachungsvideo aus dem Juweliergeschäft zeigte überdeutlich das brutale Vorgehen der Täter. Nach der Tat habe er bis heute 15 Kilo abgenommen und sei ein kranker Mann geworden, schilderte der Zeuge seine körperlichen und vor allem seelischen Ängste und Qualen. Auf die Erstattung seiner Auslagen vor Gericht verzichtete er. Mit den Worten „Ich möchte, dass er bestraft wird“ verließ der Juwelier weinend den Zeugenstand. Auf eine Geste des Mitgefühls oder ein Wort der Entschuldigung durch den Angeklagten wartete der Geschädigte allerdings vergebens.

Nach der Tat war das Trio zunächst zu Fuß und anschließend mit einem rund 400 Meter abseits des Tatortes abgestellten Auto geflüchtet. Von der Beute fehlt bisher jede Spur. Nach Angaben seines Verteidigers hat der Täter für die Mithilfe bei dem Raubüberfall von seinen Komplizen, die sich wahrscheinlich ins Ausland abgesetzt haben, lediglich 2000 Euro als Gehilfenlohn erhalten. Anfang Dezember 2011 hatte dann eine Zeugin über Kleidungsstücke und Vitrinenteile eines Juweliergeschäftes berichtet, die sie bei einem Spaziergang in einem Waldstück an der B 62 in der Nähe von Alsfeld gefunden hatte. Bei der polizeilichen Untersuchung dieser Beweisstücke war die Polizei dem Mann, der zu dieser Zeit bereits wegen eines anderen Deliktes in Augsburg in Haft saß, durch die Auswertung von DNA-Spuren auf die Schliche gekommen.

Täter legte vorher Geständnis ab

Der 23-Jährige hat den Raubüberfall in Stadtallendorf gestanden. Dies wurde ihm bei seiner Verurteilung ebenso wie die zum Tatzeitpunkt noch nicht vorhandene Vorstrafen zu seinen Gunsten gewertet. In sein Urteil schloss Richter Dr. Carsten Paul eine vorherige Bestrafung durch das Amtsgericht Augsburg ein. Dabei war der 23-jährige wegen versuchtem Bandendiebstahl und Urkundenfälschung bereits im Dezember 2012 zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.

von Alfons Wieber

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