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"Treibende Kraft" bleibt lange in Haft

Serieneinbrecher "Treibende Kraft" bleibt lange in Haft

Für zwei von drei wegen einer Einbruchserie vor Gericht stehende Männern sieht die 1. Strafkammer des Landgerichts Marburg die Chance, in naher Zukunft ein geregeltes Leben zu führen.

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Eine Einbruchserie ist juristisch aufgearbeitet worden, die Einbrecher hatten wie auf diesem Themenfoto angedeutet, unter anderem Türen aufgehebelt.

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. 18 Einbrüche in der Zeit von November 2012 bis April 2013 sind aus Sicht des Landgerichts Marburg aufgeklärt (die OP berichtete in ihrer vorigen Ausgabe). Am Ende des zweiten Verhandlungstags gab die Kammer unter Vorsitz von Richter Gernot Christ zunächst einen „rechtlichen Hinweis“: Für den angeklagten Tatbestand des Bandendiebstahls sah das Gericht keinen hinreichenden Beweis.

Dies hätte zu deutlich höheren Strafen bei einer Verurteilung führen können. Die Strafkammer ging nach zwei Verhandlungstagen davon aus, dass die Angeklagten ihre Taten im Raum Stadtallendorf spontan und ohne professionelle Planungen begangen haben. Am Ende ging es um Einbruchdiebstähle, elf der ursprünglich angeklagten Taten in Stadtallendorf, Neustadt, Kirchhain und Marburg flossen in das Urteil des Gerichts ein.

Bei den anderen sieben Fällen machte das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft von der Möglichkeit einer „vorläufigen Einstellung“ nach Paragraph 154 der Strafprozessordnung Gebrauch. Angesichts der ohnehin zu erwartenden Strafmaße wären sie nicht besonders ins Gewicht gefallen.

Angeklagt waren drei Männer im Alter zwischen 23 und 28 Jahren. Bei zwei von ihnen, einem 28-jährigen Intensivtäter und einem 23-Jährigen, der gerade noch eine Jugendstrafe wegen Raubes verbüßt, standen am Dienstag zunächst die Stellungnahmen von Gutachtern zu ihren Problemen mit Alkohol und Drogen an.

Gutachterin stellt keine gute Prognose

Im Falle des 23-Jährigen würdigte der Gutachter dessen großes Bemühen, während der Jugendhaft in Wiesbaden mit seinen Problemen ins Reine zu kommen. Er nutzt Therapieangebote, es besteht aus Gutachter-Sicht bei ihm auch noch keine Abhängigkeit. „Bei ihm sehe ich die Chance, dass es in eine positive Richtung geht“, erklärte der Gutachter.

Ganz anders fiel die Beurteilung des 28-Jährigen aus. Er wurde erst vor kurzem wegen Raubes zu sechs Jahren Haft verurteilt, wobei das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Deshalb konnte das Gericht bei ihm noch keine Gesamtstrafe aus beiden Urteilen bilden. „Seine Kriminalprognose ist nicht gut“, testierte die Gutachterin. Sie verwies auf eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“, auch wenn sie positiv beurteilte, dass der 28-Jährige erstmals zu einer Drogentherapie bereit sei. Er sei abhängig von Amphetaminen.

Alle drei Angeklagten hatten ihre Taten gestanden und dadurch erst die Aufklärung der Einbrüche in Kindergärten, eine Schule und Geschäfte ermöglicht. Das sollte das Gericht am Ende bei allen von ihnen positiv hervorheben. In seinem Plädoyer bewertete Staatsanwalt Georg Ungefuk den 28-Jährigen als „treibende Kraft“, eine Bewertung, die die Strafkammer bei ihrem Urteil teilen sollte. Er forderte für den Mann vier Jahre und zwei Monate Haft. Der 28-Jährige war an allen elf Fällen beteiligt, über die das Gericht am Ende urteilte.

Bei dem 23-jährigen, ebenfalls bereits wegen Raubes verurteilten Mann, forderte Ungefuk ein Jahr und sechs Monate Haft – ohne Aussetzung zur Bewährung. „ Er hat seine Drogenprobleme zwar angepackt, aber nicht abgearbeitet“, so die Einschätzung Ungefuks. Bleibt der dritte Angeklagte, bei dem erstmals in seinem Leben eine Freiheitsstrafe im Raum stand. Bei ihm beantragte die Staatsanwaltschaft ein Jahr und zehn Monate Haft, auf vier Jahre ausgesetzt zur Bewährung und diverse Auflagen wie einen Bewährungshelfer.

„Mir tut das sehr leid“

Im Falle des 28-Jährigen betonte seine Verteidigerin Olivia Ulbrich dessen erstmalige Therapiebereitschaft und das Anliegen, jetzt auch „reinen Tisch“ zu machen. Rechtsanwalt Peter Thiel zeichnete noch einmal das positive Bild nach, dass der Gutachter von seinem Mandanten skizziert hatte. Er hob dessen Schritte in der Jugendhaft hervor, das gute Verhältnis zu den Eltern. „Sollte er jetzt in eine Erwachsenen-Strafanstalt müssen, müsste er von vorne beginnen“, sagte Thiel unter anderem.

Anwalt Sven Friauf hob für seinen Mandanten, den dritten Angeklagten, hervor, dass er „mit allem aufgeräumt hat“. In einer Verhandlungspause hatte der Vater zweier Kinder auch gegenüber der OP betont, „dass ich mich bei allen, die ich geschädigt habe, entschuldige. Mir tut das sehr leid“.

Im Falle des 28-Jährigen bemerkte Richter Christ bei der Urteilsbegründung, dass die Kammer nur noch wenige Möglichkeiten sehe, auf ihn einzuwirken. Am komplexesten war für das Gericht offenbar der Fall des 23-Jährigen. Das Gericht entschied, die Strafe von einem Jahr und drei Monaten auf die Dauer von vier Jahren zur Bewährung auszusetzen. Das ist mit Auflagen verbunden: Er muss zu Drogentests, bekommt einen Bewährungshelfer beigeordnet und muss eine ambulante Therapie beginnen. Der dritte Angeklagte wurde zu einem Jahr und acht Monaten Haft, auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt, verurteilt. Auch er erhielt vom Gericht einige Auflagen.

von Michael Rinde

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Serieneinbrecher
Die Einbrecher drangen, wie auf diesem Themenfoto, durch Fenster und Türen in die verschiedenen Gebäude ein. Foto: Thorsten Richter

Zwischen November 2012 und April 2013 kam es vor allem in Stadtallendorf zu einer Einbruchserie, unter anderem in Kindergärten. Drei geständige Täter stehen deshalb seit Montag vor Gericht.

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