Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Traum-Oldtimer landet im Graben

Unfall Traum-Oldtimer landet im Graben

In der vergangenen Woche verunglückte ein Werkstattfahrer in Pleidesheim mit dem Oldtimer des Stadtallendorfers Michael Deuker. An dem Fahrzeug aus dem Jahr 1956 entstand ein Schaden von 650000 Euro.

Voriger Artikel
Engagiert, erfolgreich, eindrucksvoll
Nächster Artikel
Der große erste Schock ist überwunden

Michael Deuker steht im Jahr 2011 neben seinem Mercedes 300 SL Coupé, Baujahr 1956. Der Wagen mit einem 215-PS-Motor wurde bei einem Unfall (kleines Foto) am 26. März bei Pleidelsheim schwer beschädigt.Fotos: Archiv/dpa

Stadtallendorf. Mit dem 300 SL Coupe hat der Stadtallendorfer in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich an zahlreichen Oldtimer-Rennen teilgenommen. Im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet Deuker über den Unfall am vergangenen Dienstag und die Folgen.

OP: Herr Deuker, wie haben Sie von dem Unfall Ihres 300 SL Coupé erfahren?

Michael Deuker: Die Werkstatt hat mich nach dem Unfall angerufen und mir mitgeteilt, dass sie das Fahrzeug nicht schon am Mittwoch bringen können. Eigentlich sollte ich den Wagen vor Ostern bekommen, da habe ich dann gescherzt, dass sie ja nur die vier Tage noch ausnutzen wollen. Dann allerdings wurde das Gespräch etwas ernster...

OP: Wie war Ihre erste Reaktion auf die Nachricht aus Pleidelsheim, wo der Oldtimer in der Werkstatt war?

Deuker: Ich hab erst einmal gefragt, ob den beiden Fahrern etwas passiert ist. Ich denke, dass sie nicht verletzt wurden, ist doch das Allerwichtigste. Ob sie zu schnell waren, steht noch nicht fest, die Polizei ermittelt noch, was genau passiert ist. Aber das Auto ist tückisch. Auch ich war schon in brenzligen Situationen. Das Falscheste, was man dann machen kann, ist zu bremsen. Bei neuen Wagen springen ABS und ESP an - hier nicht.

Oldtimer solltezur TÜV-Abnahme

OP: Aus welchem Grund war der „Gullwing“ in Württemberg in der Werkstatt?

Deuker: Der Wagen ist dort öfters, das sind Vollprofis für alte Mercedes. Es stand die reguläre TÜV-Abnahme an, auch für die Rennen. Aber das ist anders als heute: Der Wagen muss vor dem Messen der Abgaswerte eingefahren werden, damit er die richtigen Ergebnisse liefert. Darum waren die beiden wohl unterwegs. Man kann den 300 SL natürlich mit 80 oder 90 Kilometer in der Stunde einfahren, oder aber mit 150.

OP: Sie haben die Rennen angesprochen: Eigentlich wollten Sie ab April mit dem Fahrzeug an diversen Oldtimer-Rallyes teilnehmen. Fällt das jetzt aus oder haben Sie Ersatz in der Hinterhand?

Deuker: Wir waren mit dem 300 SL Coupé immer gern gesehene Gäste auf Rennen in der Region und darüber hinaus. Der Wagen fällt einfach auf - für jeden Mercedes-Liebhaber ist das etwas ganz Besonderes. Jetzt nehmen wir mit einem 280 SL Pagode an den Rallyes teil. Das ist auch ein schönes Auto, aber es ist eben nicht dasselbe.

OP: Hatten Sie bereits die Möglichkeit, den Wagen anzusehen? Wie schätzen Sie den Schaden ein?

Deuker: Eigentlich sollte das Fahrzeug am Mittwoch nach Gemünden gebracht werden. Also hatte ich an dem Tag ohnehin nichts vor, denn meist mache ich dann eine kurze Abnahme, ein Techniker schaut noch mal drüber. Stattdessen bin ich vergangene Woche nach Pleidelsheim, um mir den Schaden anzuschauen: Da blutet einem schon das Herz. Der Wagen ist jetzt fast 25 Jahre in meinem Besitz. Ich habe ihn selbst als Restaurations-Objekt gekauft und viel Zeit und Arbeit hinein investiert. Seit zwölf Jahren ist er voll restauriert und mit einer eins bewertet.

OP: Was wiegt schwerer: der materielle oder der ideelle Verlust?

Deuker: Richtig wertvoll ist der 300 SL erst in den vergangenen zehn Jahren geworden. Da haben viele Leute Oldtimer als Geldanlage entdeckt - auch wegen der Probleme an den Börsen, mit Immobilien und so weiter. So habe ich das allerdings nie gesehen.

OP: Werden Sie den Wagen reparieren lassen - und wenn: in derselben Werkstatt?

Deuker: Jaja, natürlich (lacht). Die Werkstatt ist spezialisiert auf derartige Fahrzeuge. Natürlich braucht so eine Restauration Zeit, aber es war sofort klar, dass sie mir den Wagen wieder herstellen werden. Ich gehe davon aus, dass er etwa in zwei Jahren wieder fahrbar ist. Die Versicherung wird den Prozess natürlich mit Gutachten begleiten.

OP: Der Wagen wird also wieder auf der Straße zu sehen sein und an Rennen teilnehmen?

Deuker: Aber sicher.

von Malte Glotz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr