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Trauer, Betroffenheit und Ohnmacht

Terroropfer Trauer, Betroffenheit und Ohnmacht

Ab Freitag, 10 Uhr, liegt im Rathaus ein Kondolenzbuch aus, in dem Bürger ihre Anteilnahme ausdrücken können.

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Menschen legten gestern am Ort des Selbstmordattentats in Istanbul weitere Blumen im Gedenken an die Opfer nieder. Foto: Peter Kneffel/dpa

Quelle: Peter Kneffel

Stadtallendorf. Die Anteilnahme von Bürgern am Tod des 67-jährigen Stadtallendorfers beim Istanbuler Terroranschlag ist groß, sichtbar vor allem im sozialen Netzwerk Facebook.

Allein in der Facebook-Gruppe „Du bist aus Stadtallendorf, wenn Du...“ gab es seit Mittwoch zahllose Beileidsbekundungen und persönliche Worte für den 67-Jährigen und Genesungswünsche für seine bei dem Selbstmordattentat schwer verletzte 50 Jahre alte Frau.

Ab diesem Freitag will die Stadt Bürgern eine Möglichkeit geben, ihre Trauer zu formulieren und ihre Anteilannahme auszudrücken. Gegen 10 Uhr liegt an einem eigens gestalteten Ort im Foyer des Rathauses ein Kondolenzbuch aus, in das sich Menschen eintragen können. Das Kondolenzbuch wird während der Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich sein, am Freitag also bis 13 Uhr. „Die Anteilnahme und Betroffenheit bei den Bürgern unserer Stadt ist riesig“, sagte Somogyi.

Eine gute Nachricht in all dem Unglück: Somogyis Kenntnis nach befindet sich die verletzte Ehefrau nicht mehr in Lebensgefahr. Sie wird auf der Station eines Krankenhauses nahe Istanbul derzeit weiter behandelt.

Bei vielen Bürgern gibt es den Wunsch nach einer öffentlichen Trauerkundgebung oder einem Gedenkgottesdienst. Diese Rückmeldungen hat es auch bei der Stadt gegeben. Somogyi möchte das auf Wunsch des Sohnes des Ermordeten zunächst mit den Angehörigen abstimmen. Diesen Wunsch habe auch der Sohn bei ihm geäußert, so der Stadtallendorfer Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung. Einen ersten Kontakt gab es bereits zum evangelischen Pfarrer Thomas Peters, der gerne für einen konfessionsübergreifenden Gottesdienst bereitstünde.

„Türen öffnen und begleiten“

Auch an Peters sind bereits Gemeindemitglieder mit diesem Wunsch herangetreten. Der Pfarrer selbst möchte, dass Kirche in dieser Situation Trauernden „einen Raum bietet, um Trauer, Ohnmacht und Zorn einen Rahmen zu geben“. Bereits am Mittwoch hat er das Thema während der Allianz-Gebetswoche aufgegriffen. Auch dort war die Ermordung des Stadtallendorfers in Istanbul in dem Moment ein beherrschendes Thema. Seelsorger könnten in dieser Situation vielleicht „Türen öffnen und begleiten“, sagt Peters.

Serdar Özsoy ist der Dialogbeauftragte der muslimischen Gemeinde der Fatih-Moschee im Wupperweg. Die Bestürzung über den Istanbuler Terroranschlag, die Opfer und die direkte Stadtallendorfer Betroffenheit ist auch in der muslimischen Gemeinde riesengroß. „Als ich die Nachricht las, habe ich meinen Augen nicht getraut“, formuliert es Özsoy. Seine Gemeinde habe ein sehr großes Interesse daran, an einer Gedenkveranstaltung oder einem Gottesdienst für den Verstorbenen teilzunehmen.

Abschied von einem Mitbürger

„Wir wollen es nicht bei Worten belassen, sondern auch nach außen Zeichen setzen“, sagt Özsoy. Das hatte die Stadtallendorfer Ditib-Gemeinde in der jüngsten Vergangenheit mehrfach sehr deutlich getan, zum Beispiel nach den Anschlägen in Paris. Dabei sähen sich die Muslime nicht nur als Vertreter ihres Glaubens, sondern auch als Stadtallendorfer. „Wir möchten uns von einem Mitbürger verabschieden“, sagt Özsoy. Er kennt Istanbul und den Sultanahmed-Platz, den Ort des Anschlags gut, wie unzählige Touristen, die dort bereits waren. Ein guter Freund von Özsoy fliegt heute nach Istanbul. Er habe keinen Moment überlegt, ob er die Reise absagt. „Für ihn ist das auch ein eigenes Zeichen, dass er gegen den Terror setzen möchte“, berichtet Özsoy aus einem Telefonat. Einen Imageschaden für die Türkei will er dabei nicht ausschließen. „Doch der Terror ist längst ein globales Problem, dessen müssen wir uns bewusst sein“, sagt der Stadtallendorfer.

von Michael Rinde

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