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Trampen für Senioren

Bürger sind gefragt Trampen für Senioren

„Mobilität für alle“, gibt Amöneburgs Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg als Motto aus. Umsetzbar ist es aber nur, wenn die Bürger mitziehen und die Senioren ihre Scheu überwinden.

Amöneburg. Wer auf der neuen Bank im Steinweg an der Einfahrt zum Kindergarten sitzt, genießt nicht nur die Sonne sondern hat ein konkretes Ziel: mitgenommen werden in die Altstadt - und das, ohne den Daumen zum Trampen raushalten zu müssen.

„Auf dem Berg“ gebe es viele ältere Menschen, die keinen Führerschein oder kein Auto besitzen und in Sachen Mobilität auf Hilfe angewiesen seien, sagt Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und erklärt: „Wenn sie zum Einkaufen in die Siedlung müssen, gibt es ein großes Problem: Sie müssen den Berg rauf und runter kommen.“ Ziel sei, dass die Senioren möglichst unabhängig und nicht auf die Hilfe von Nachbarn, Freunden und Verwandten angewiesen sind.

Ideengeberin sei Margarete Michel gewesen, die ohne Auto jeden Tag von der Siedlung an den Friedhof kommen müsse, berichtet der Bürgermeister. Seniorenbeirat und Stadt machten sich an die Arbeit - und am Ende des Ausleuchtens der verschiedenen Möglichkeiten stand das Konzept der Anhalter-Haltestelle: Personen, die an den Haltestellen am Rathaus, nahe des Kindergartens oder im Bereich Steinweg/Kesselgasse (muss noch eingerichtet werden) warten, signalisieren, dass sie eine Mitfahrgelegenheit vom Berg runter oder eben wieder hinauf benötigen.

„Ich würde aber nicht bei jedem einsteigen“, gibt Seniorenbeirats-Mitglied Brigitte Krauskopf auf Nachfrage dieser Zeitung zu, woraufhin Richter-Plettenberg einwirft: „Das Projekt funktioniert nur mit Vertrauen.“ Allerdings nicht mit blindem Vertrauen: „Amöneburg hat etwa 1500 Einwohner - und die kennen einander eigentlich. Sie müssen nur die Hemmschwellen abbauen und ihre Mitmenschen mitnehmen - oder sich eben von ihnen mitnehmen lassen.“ „Wir müssen die Mitnehmer sensibilisieren, dass sie auch auf die Haltestellen achten“, sagt Hildegard Kräling, die Vorsitzende des Seniorenbeirats: „Sie müssen nachschauen, ob sie ein gutes Werk tun können.“

Drei dieser Haltestellen gibt es - am Kindergarten können es sich die Senioren sogar auf einer extra eingerichteten Bank gemütlich machen, die sogar über einen Stellplatz für Rollatoren verfügt und Dank einer besonderen Federung den Menschen beim Aufstehen hilft. Die Haftung übernimmt die Stadt nicht: „Wir sind nur Vermittler. Es läuft wie bei der Mitfahrzentrale: Das Mitnehmen ist eine Gefälligkeit - die Haftung liegt letztendlich beim Halter des Fahrzeuges beziehungsweise bei seiner Versicherung.“ Das Angebot ist zwar primär an Senioren gerichtet, aber auch andere Menschen, die eine Mitfahrgelegenheit benötigen, können die Haltestellen nutzen und von der Hilfsbereitschaft der anderen profitieren.

von Florian Lerchbacher

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