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Tierschützer sind vom Tod einer Ziege entsetzt

Tierquälerei? Tierschützer sind vom Tod einer Ziege entsetzt

Zum wiederholten Male beklagen Tierschützer die Zustände auf einem Hof im Amöneburger Stadtgebiet. Das Veterinäramt beziehungsweise der Kreis will nun prüfen, ob dem Besitzer die Tierhaltung verboten werden soll.

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Ziegen gelten bei der Haltung als relativ anspruchslos und pflegeleicht. Am liebsten leben sie aber natürlich auf Weiden.

Quelle: Archiv

Amöneburg. Rinder, Kaninchen, Katzen - immer wieder üben Tierschützer Kritik an der Tierhaltung auf einem Hof in der Großgemeinde Amöneburg. Diesmal beklagen sie den Tod einer Ziege, die in einem zugemüllten ehemaligen Hühnerstall verendet sein soll. Die Tierschutzorganisation Peta hat daher nun Strafanzeige gestellt und führt in dem Schriftsatz unter anderem Tierquälerei durch unzureichende Pflege und Unterbringung sowie mangelhafte Hygiene und Ernährung an. Zudem will sie erreichen, dass der Mann keine Tiere mehr halten darf.

Hanne Meier-Tasch und Bettina Duven hatten in einem Stall eine „offensichtlich schwer kranke“ Ziege entdeckt und neben Peta-Mitglied Wolfgang Penzler das Veterinäramt informiert. Ein Mitarbeiter machte sich ein Bild von der Situation - und die Frauen suchten den Stall abends ebenfalls noch einmal auf. Die Ziege habe immer noch an derselben Stelle gelegen, woraus sie schließen, dass niemand in der Zwischenzeit vor Ort gewesen sei: „Dieser Zustand des Tieres konnte unmöglich übersehen worden sein“, monieren sie und berichten, dass sie die Polizei alarmiert hätten - und der Halter den Beamten eine Bescheinigung des Veterinäramtes vorgewiesen habe, dass alles in Ordnung sei.

Tags darauf nahmen die Frauen daher Kontakt zum diensthabenden Tierarzt auf, der noch einmal einen Mitarbeiter auf den Hof geschickt habe. Sie selbst gingen abends noch einmal vorbei - und fanden eine „elendig verreckte“ Ziege vor. Der Stall sei zugekotet gewesen, es hätten alte Geräte und Draht herumgelegen und es habe „so gut wie kein“ frisches Wasser und sauberes Heu gegeben. „Wie können Mitarbeiter eines Veterinäramtes einen solchen Dreckstall, in dem permanente Verletzungs- und Infektionsgefahr besteht, als in Ordnung befinden?“, fragen die Tierschützer.

Landkreis bestätigt, dass Mitarbeiter vor Ort war

Der Landkreis bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass „ein Mitarbeiter des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz“ vor Ort gewesen sei. Dieser habe durch das Fenster des verschlossenen Stalls zwei Ziegen gesehen - eine, die stand und eine, die lag und Heu fraß beziehungsweise wiederkäute. „Nach fachlicher Einschätzung lag hier also keine unmittelbare Gefährdungssituation vor“, teilt Pressesprecher Stephan Schienbein mit und betont: „Nach fachtierärztlicher Einschätzung ist eine in Bauchlage liegende und fressende oder wiederkäuende Ziege nicht akut lebensbedrohlich erkrankt.“

Der Mitarbeiter habe noch die Haltung von Kaninchen überprüft - ohne Beanstandung - und anschließend tatsächlich eine „Niederschrift“ hinterlassen, dass er bei der Inaugenscheinnahme der Ziegen- und Kaninchenhaltung keine Auffälligkeiten festgestellt habe.

Beim zweiten Besuch von Mitarbeitern habe der Halter diesen den Wunsch verwehrt, die Tür zum verschlossenen Stall zu öffnen. Der Mitarbeiter habe diese dann gewaltsam geöffnet, so Schienbein: „Dort fanden sie wiederum zwei Ziegen vor, eine davon lag nunmehr in Seitenlage, nahm noch Futter auf und war jedoch augenscheinlich erkrankt. (...) Die andere Ziege zeigte keine Auffälligkeiten. Futter und Wasser waren in dem Stall vorhanden.“

Halter musste Tierarzt rufen, der Ziege erlöste

Auf Anweisung der Mitarbeiter des Fachdienstes Veterinärwesen musste der Ziegenhalter einen Tierarzt rufen, der die Ziege von ihrem Leiden erlöste. „Dem Tierhalter wurde zudem die Haltung von Ziegen in diesem Stall untersagt“, betont Schienbein. Die „Vorab-Untersuchung“ des Tierkadavers habe ergeben, dass die Ziege unter sogenannten Endoparasiten (zum Beispiel Würmer) und an einer bakteriellen Infektion litt. „Hinweise darauf, dass die Ziege längere Zeit krankheitsbedingt so gelegen hat und nicht aufstehen konnte, ergaben sich bei der Untersuchung nicht“, sagt Schienbein. Es habe sich aber gezeigt, dass einer der Mägen gut gefüllt gewesen sei: „Dies lässt den Schluss zu, dass die Ziege noch bis kurz vor ihrem Tod Nahrung aufgenommen hat.“

Auch dafür, dass die Wahrnehmung von Tierschützern und Mitarbeitern des Veterinäramtes bei dem Fall weit auseinandergeht, hat der Sprecher des Landkreises eine Erklärung: „Die Wahrnehmung und Meinung der Tierschützer ist die eine Seite. Die objektive und fachlich fundierte Feststellung von Tatsachen und die rechtlichen Möglichkeiten eines Eingriffs der Veterinärbehörde die andere Seite.“ Er ­bestätigt aber, dass es im Jahr 2016 Beanstandungen an der Kaninchenhaltung gegeben habe - die Mängel jedoch beseitigt worden seien. Zu festgestellten Mängeln bei der Rinderhaltung stünden aber noch Untersuchungsberichte aus, die Hinweise auf Erkrankungen oder Haltungsfehler geben können: „Erst dann ist eine rechtssichere Ahndung oder eine tierschutzrechtliche Anordnung möglich.“

2015 gab es Kritik an Hof wegen verlotterter Katzen

Im Jahr 2015 hatten Tierschützer kritisiert, auf dem Hof lebten zahlreiche verlotterte Katzen: „Hinweise auf Erkrankungen oder Vernachlässigung dieser Tiere ergaben sich dabei jedoch nicht, auch waren die Katzen ausreichend mit Futter und Wasser versorgt. Die Anzeige gegen den Tierhalter erwies sich letztlich als haltlos“, berichtet Schienbein und nimmt auch Stellung zum vorgeworfenen Versagen auf ganzer Linie: „Diese Art von mitunter undifferenzierten Vorwürfen, wie sie einige Tierschützer immer wieder gegen Veterinärbehörden erheben, sind nicht neu. Wir arbeiten jedoch nicht mit Vorwürfen, Vermutungen oder Spekulationen, sondern wir berufen uns auf Fakten und Tatsachen. Fest steht, dass die Veterinärbehörde Hinweisen immer nachgeht und sich selbst ein Bild von der Situation macht.“

Ob dem Bürger der Großgemeinde, der sich immer wieder mit Vorwürfen von Tierschützern konfrontiert sieht, in Zukunft verboten wird, Tiere zu halten, steht noch nicht fest: „Dies ist Bestandteil weiterer Untersuchungen“, resümiert Stephan Schienbein.

An Rosenmontag legte Peta nach und erstattete Strafanzeige gegen das Veterinäramt. Ihm werfen die Tierschützer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz „durch Unterlassen“ vor - Peta glaubt, die Mitarbeiter hätten das Leiden der Ziege durch ihre Eingreifen verhindern können.

von Florian Lerchbacher

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