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Tiefer Blick in eine bewegte Geschichte

800 Jahre Schweinsberg Tiefer Blick in eine bewegte Geschichte

Es war ein Festakt mit Tiefgang, mit Informationen rund um Schweinsbergs Historie und das Mittelalter wie auch einem sehr lebendigen Bezug zur Gegenwart des Ortes mit seinen Stärken.

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In der Schweinsberger Stephanskirche verfolgten rund 300 Gäste den Festakt. Fotos: Florian Gaertner

Schweinsberg. Dass Schweinsberg vor 800 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist noch nicht lange wissenschaftlich bestätigt. Vieles deutet darauf hin, dass es zumindest das Geschlecht der „Svensberger“ noch länger gibt. Aber das ist eben nicht amtlich. Und am Mittwochabend, in der ehrwürdigen Stephanskirche, direkt zu Füßen des Kirchenfensters, das das Rosenwunder der heiligen Elisabeth zeigt, ging es auf den Tag genau um das gesicherte historische Datum. Ortsvorsteher Adolf Fleischhauer wies bei der Begrüßung der rund 300 Gäste in der Kirche auf die Verdienste von Archivdirektor Dr. Wilhelm Eckardt wie auch Dr. Irmgard Stamm hin. Sie hatten den amtlichen Nachweis geführt und Kontakte zum Staatsarchiv geknüpft.

Vor genau 800 Jahren wurde Schweinsbergs erstmals in einer Urkunde erwähnt. Bei einem Festakt in der Schweinsberger Stephanskirche wurde dieses historisches Datum gefeiert.

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In nur wenigen Monaten hatte der Arbeitskreis „800 Jahre Schweinsberg“ diesen Festakt und die weiteren Veranstaltungen in diesem Jahr organisiert. Der Festakt bildete am Mittwochabend zugleich Auftakt und einen Höhepunkt. Schirmherr war Regierungspräsident Dr. Lars Witteck. Er setzte denn in seinem Grußwort auch gleich einen wichtigen inhaltlichen Akzent. Er sprach von den Herausforderungen, vor denen Orte im ländlichen Raum stehen und denen sie sich stellen müssen. Geht es nach Lars Witteck, so ist Schweinsberg gut aufgestellt. Er zollte zahlreichen Initiativen und Entwicklungen Respekt, namentlich hob er dabei den Verein „Unser Schweinsberg“ heraus, nahm Bezug auf dessen Einsatz für die Identitätspflege, etwa durch die „Schweesborcher Daschebichelje“, einem aufwendig gestalteten Faltblatt voller Informationen, das inzwischen fünfmal erschienen ist.

Herausforderungen für den ländlichen Raum

Witteck mahnte aber auch, er mahnte dazu, den Kampf um „die Jungen“ im Blick zu halten, um so mehr in Zeiten der Digitalisierung, des schnellen Klicks im Internet im stillen Kellerlein. „Der ländliche Raum ist Ort der physischen Präsenz“, sagte Witteck.

Es war der Abend der Reden und Festvorträge. Fast drei Stunden harrten Besucher auf den Kirchenbänken aus. Allein acht Grußworte standen an, hinzu kamen die beiden Festredner. Herausgehoben war sicherlich das Grußwort von Landrätin Kirsten Fründt, die ein besonderes Geschenk im Gepäck hatte. Sie verlieh die Ehrenmedaille des Landkreises an Schweinsberg, Adolf Fleischhauer nahm sie entgegen. Es sprachen natürlich auch Bürgermeister, Kreistagsvorsitzender, die beiden Bundestagsabgeordneten oder die Stadtverordnetenvorsteherin. Lob bekam Schweinsberg dabei von allen, immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen. Es sprach auch Dr. Irmgard Stamm, eine gebürtige Schweinsbergerin, die für diesen Abend extra angereist war. Sie widmete sich humorvoll den vergangenen fünf Jahrzehnten aus eigenem Erleben heraus. So erinnerte sie beispielsweise an die Bedeutung der Ohmtalbahn für den Weg in die nähere Umgebung. Oder sie hielt einen historischen Kleiderbügel einer früheren Modemanufaktur aus Schweinsberg in die Höhe.

Dr. Jürgen Römer stand vor einer schweren Aufgabe. Er hatte die Ersterwähnung Schweinsbergs in den historischen Zusammenhang jener Zeit des 13. Jahrhunderts zu setzen. Dafür brauchte er Zeit, fast 45 Minuten. Denn Römer arbeitete den historischen Kontext sehr gründlich auf – aus verschiedenen Perspektiven gesehen. Er machte klar, in welcher spannenden Zeit Hermannus de Svensberg jene Urkunde vor genau 800 Jahren als Zeuge mitunterschrieb. Übrigens zusammen mit keinem Geringeren als dem Stauferkaiser Friedrich II. Römer musste ein Problem lösen. Er untermalte mit Bildern seinen Vortrag, bei der Planung war aber nicht klar, dass nur Fernseher in der Kirche stehen, keine Großleinwand. So mussten einige Gäste auf Karten oder Bilder verzichten, weil sie sie nicht sahen. Doch Römer will seinen Vortrag bei Interesse im Ort gerne wiederholen. Es gelang ihm in der Stephanskirche, ein Bild der Menschen im Mittelalter zu zeichnen, auch von ihrem Alltag in Zeiten von Bevölkerungswachstum.

Schenckenfamilie zeigt ihre Verbundheit

Einen ganz anderen Auftrag hatte Hauprecht Freiherr Schenck zu Schweinsberg für seinen Festvortrag. Er widmete sich dem Verhältnis der Schencken zu Schweinsberg. Dass das Interesse der Schenckenfamilie in der Gegenwart nach wie vor sehr groß ist, dokumentierte die Präsenz vieler Familienmitglieder an diesem Abend, vereint auf ihren Stammplätzen rechts neben dem Altar der Kirche. „Sie müssen hinsichtlich ihrer Bindungen an die Familie der Schencken oft ähnlich empfunden haben wie ein siamesischer Zwilling, der vom anderen nicht loskommen kann, ohne dabei zugrunde zu gehen“, skizzierte Schenck zu Schweinsberg das Verhältnis zwischen der Familie und den Bewohnern des Ortes im Mittelalter. Und in der Gegenwart? Aus der wechsel­seitigen Abhängigkeit sei längst ein Miteinander, eine Symbiose geworden.

Es blieb nicht bei Reden an diesem Abend. Hervorragende Musik unterbrach die Beiträge, dargebracht von Marion Bieneck auf der Flöte und Johann Lieberknecht, Organist der Marburger Elisabethkirche. Sie spielten Sätze aus Werken von Bach und Händel. Am Ende wurde im Pfarrhof gefeiert, ungezwungen und fröhlich, untermalt von Flötenspiel, moderiert von Josef Becker vom Arbeitskreis. Becker moderierte auch während des Festaktes.

Wer sich über künftige Veranstaltungen rund um 800 Jahre Ersterwähnung informieren möchte, kann dies auch im Internet unter www.schweinsberg-ohm.de. Außerdem werden Veranstaltungen in der OP angekündigt.

von Michael Rinde

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