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Tiefe Furchen ärgern die Spaziergänger

Waldwege Tiefe Furchen ärgern die Spaziergänger

Nach der Trockenheit der vergangenen Tage hat sich die angespannte Situation bei der heimischen Forstwirtschaft leicht entspannt. Für eine Entwarnung ist es aber aus Expertensicht zu früh.

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Den Wolferoder Horst Schmitt ärgert der Zustand mancher Gassen im Wald.

Quelle: Privat

Stadtallendorf. Auch im Gebiet des Forstamtes Kirchhain hat die Feuchtigkeit der zurückliegenden Monate die Waldbewirtschaftung dramatisch erschwert. Zwar sind Baumfällungen möglich. Der Abtransport bereitet aber angesichts des Zustands vieler aufgeweichter Waldwege größte Schwierigkeiten. Der Leiter des Forstamtes Kirchhain, Lutz Hofheinz, schätzt, dass derzeit etwa 4000 Kubikmeter Holz auf ihren Abtransport warten.

Die Revierförster müssten derzeit die Standorte, von denen Stämme abtransportiert werden sollen, sorgsam auswählen. Ansonsten drohten zu hohe Schäden an den Wegen. Das hat Folgen: Wie Hofheinz berichtet, hat das Forstamt teilweise bereits Schwierigkeiten, seine Liefervereinbarungen mit holzverarbeitenden Unternehmen zu erfüllen. Im Forstamtsbezirk Kirchhain werden jährlich zwischen 250000 und 300000 Euro für die Waldpflege und Instandsetzung ausgebegen. „Wir werden in diesem Jahr möglicherweise geringfügig mehr ausgeben und andere Schwerpunkte setzen müssen“, sagt der Kirchhainer Forstamtsleiter.

Nimmt die Maschinenarbeit im Wald Überhand?

Bei Horst Schmitt aus Wolferode geht es beim Blick auf den Zustand der heimischen Waldwege eher um Grundsätzliches. Nein, der Wald biete ihm keine Erholung mehr. „Jetzt rege ich mich nur auf“, beklagt Horst Schmitt aus Wolferode beim Gespräch mit der OP. Was ihn aufregt, ist der Zustand mancher Waldwege - und das nicht erst seit diesem Winter. Jetzt ist es allerdings besonders schlimm, wie Schmitt mit Fotos dokumentiert, die er mitgebracht hat.

Er hat Fragen: Müssen die Wege so zugerichtet werden? Nimmt die Maschinenarbeit im Wald nicht aus wirtschaftlichen Gründen Überhand. Ist es nötig, dass schwere Maschinen auch junge, schmale Bäume aus dem Wald herausziehen? Für den Wolferoder sind diese Bäume von geringem Stammumfang „dünne Bohnenstangen“. Er beklagt, dass sich an Wegesrändern momentan besonders viele geschlagene Bäume auftürmen.

Die OP fragte bei Lutz Hofheinz, dem Leiter des Forstamtes Kirchhain nach. Eigentlich hätte das Forstamt in den Wintermonaten sowohl beim Fällen wie auch beim Holztransport Hochkonjunktur. Fällen ist auch nach wie vor bis auf wenige Ausnahmen weniger das Problem. Aber für die hohen Stapeln geschlagener Bäume gibt es aus Forstamtssicht einen Grund: das allzu milde Winter wetter und das Ausbleiben der Frostperiode.

Auch Sicherheit spricht für Maschinen

Denn auch das Forstamt Kirchhain muss sich angesichts des vom Regen durchgeweichten Waldbodens mit dem Holzrücken sehr zurückhalten. „Wir suchen uns die trockensten Standorte heraus, bei denen wir dann Holz aus dem Wald herausholen“. sagt Hofheinz.

Schäden lassen sich dabei aber nicht immer vermeiden. Mitunter präsentiert sich der Boden an einzelnen Stellen schlechter als zunächst erwartet. Momentan entspannt sich die Situation angesichts der trockeneren Tage leicht. Doch damit der Boden richtig abtrocknen kann und befahrbar wird, wären etwa 14 Tage trockenes Wetter nötig, so schätzt es Hofheinz derzeit ein.

Die Kritik und die Fragen von Horst Schmitt sind allerdings eher grundsätzlicher Natur. Den hohen Maschineneinsatz im Forst bestätigt Hofheinz, auch, dass wirtschaftliche Gründe dabei durchaus eine Rolle spielen. „Aber es geht auch um Arbeitssicherheit für die Forstarbeiter, die beim Einsatz von Harvester deutlich größer ist als früher“, erläutert Hofheinz. Harvester sind große Maschinen, die gerade jüngere und noch nicht so dicke Bäume fällen, von Astwerk befreien und zuschneiden. Waren Harvester vor fünf bis zehn Jahren noch eher die Ausnahme, so ist ihr Einsatz in jungen Beständen eher die Regel. Bei alten Baumbeständen ist der Einsatz von Forstarbeitern aber nach wie vor nötig und üblich.

Dass Kritik am Zustand von Holzabfuhrwegen nicht grundsätzlich falsch ist, bestreitet aber Lutz Hofheinz keineswegs. „In einzelnen Fällen ist sie gerechtfertigt“, sagt er. Das Forstamt Kirchhain habe aber strenge Regeln für den Umgang mit Waldwegen. „Wege sind auch Vermögen für ihre Eigentümer, egal ob es Staats- oder Privatforst ist“, unterstreicht Hofheinz. Deshalb habe Hessen Forst auch eine Spezialabteilung, die die Wegearbeiten übernehme, da dafür besondere Anforderungen gelten. Und es sind auch Spezialmaschinen dafür nötig. Unternehmen, die Holz aus dem Wald herausholten, unterlägen Vorschriften. Bei Verstößen ist es sogar möglich, dass Unternehmen von weiteren Aufträgen ausgeschlossen werden. „Auch das kommt vor“, betont der Forstamtsleiter.

Im Zentrum von Pflege und Instandhaltung stehen eher die großen Waldwege, weniger die Rückegassen, über deren Zustand sich der Wolferoder gegenüber der OP besonders beklagte. Dort werde bei besonders großen Furchen lediglich in extremen Einzelfällen wieder gradegeschoben. Schließlich müssen sie immer wieder genutzt werden, wenn Stämme aus dem Bestand geholt werden.

von Michael Rinde

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