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Teich-Zukunft schlägt hohe Wellen

Entscheidung im Stadtparlament Teich-Zukunft schlägt hohe Wellen

Der in die Jahre gekommene "Marli-Teich" im Iglauer Weg soll ganz verschwinden. Allerdings wird bei einem etwaigen Genehmigungsverfahren noch die Naturschutzbehörde gehört werden müssen.

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Ausnahmsweise sprudelte der Springbrunnen im historischen Marli-Teich dieser Tage. Im nächsten Jahr ist damit Schluss.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Die Entscheidung fiel nach der Bauausschuss-Sitzung (die OP berichtete) erwartungsgemäß aus. CDU und SPD blieben bei ihrem gemeinsamen Standpunkt und stimmten in Sachen Teichanlage Iglauer Weg für eine abgespeckte Gestaltungsvariante ohne Wasserfläche. Sprich: Es entsteht im Laufe des nächsten Jahres eine Parkanlage ohne Spielplatz und Mobiliar, allerdings mit einer modellierten Rasenfläche - der „Variante Rasenmulde“.

CDU und SPD votierten aus finanziellen Gründen für diese Gestaltung. Zur Erinnerung: Nach den letzten Einsparvorschlägen der Verwaltung soll die Version Rasenmulde 360.000 Euro kosten, die Variante mit einer 700 Quadratmeter großen neuen Wasserfläche 472.000 Euro. Bei den Folgekosten punktet die Gestaltung ohne Teich auch. Allein die Abschreibungen sind um 15.000 Euro geringer.

Doch es gab auch ganz andere Argumente in der bisher hitzigsten Debatte in dieser Legislatur. FDP, Bürgerunion und Bündnis 90/Die Grünen warfen sich mit einem Änderungsantrag für die Gestaltung mit Teich in die Bresche. Sechs Punkte enthielt dieser Antrag, darunter die Forderung, dass die Verwaltung auch noch einmal prüft, ob eine Übernahme der Arbeiten durch den Bauhof am Ende günstiger sein könnte.

Noch kein formaler Kontakt zur Naturschutzbehörde

Und die Fraktionen forderten die „Offenlegung“ von Informationen, wenn es bereits Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises wegen einer Einebnung des Teiches gegeben haben sollte. Einen formalen Kontakt zur Naturschutzbehörde hat es aber nicht gegeben, wie eine Nachfrage der OP am Freitag bei Stephan Schienbein, Sprecher der Kreisverwaltung ergab. Allerdings gab es ­zumindest eine Mitteilung der Behörde an die Stadt, in der sie „Rat und Hilfe“ bei Bedarf angeboten hat, wie Schienbein erläutert.

Eine naturschutzfachliche Bewertung des Teiches gab es nicht, zumal es bisher auch kein formelles Verfahren gibt. Ob die Behörde zu beteiligen ist, hängt laut Kreisverwaltung von verschiedenen Voraussetzungen ab, die die Stadtverwaltung jetzt prüfen muss, etwa ob eine Baugenehmigung nötig ist. Schienbein betonte dabei die bisher sehr gute Zusammenarbeit der Naturschutzbehörde mit der Stadtverwaltung.

Doch zurück zur Debatte: Manfred Thierau (BUS) wählte gleich scharfe Formulierungen. Er erinnerte an die Informationsveranstaltung im Februar, bei der es eine „Meinungsbildung“ gab. Von 36 Anliegern hatten 19 dafür votiert, den Teich zu sanieren. Die Sanierungsvariante wäre allerdings nicht zuschussfähig.

Wie die OP berichtete, stünden rund 120.000 Euro aus dem Programm Soziale Stadt zur Verfügung - aber nur für eine wie auch immer geartete Neugestaltung. Dieses Geld könnte zeitlich begrenzt aber auch für andere Projekte vorgesehen werden, verfiele also nicht.

Unken, Molche und Bürgerwillen

„Wir wollen dem Bürgerwillen gerecht werden“, betonte Thierau. Er zitierte Facebook-Einträge, in der sich Anlieger über die geplante Einebnung des Teiches beklagten. In Sachen Naturschutz erklärte Thierau, dass bereits „Rotbauchunken und Kammmolche“ gesichtet worden seien und fragte, ob die Einebnung rechtlich überhaupt möglich sei. Das wird sich wohl erst bei der endgültigen Planung klären.

Für die FDP forderte Winand Koch, Finanzierungsfragen bei diesem Punkt zurückzustellen. „Wer Menschen hört, sollte sie auch ernstnehmen“, verlangte er. Auch Koch fragte der Genehmigungsfähigkeit und erinnerte an ein Angebot eines Unternehmens, dass den Teich für 200.000 Euro sanieren könnte.

Bernt Klapper (Bündnis 90/Die Grünen) stellte Fragen, etwa nach Ausgleichsmaßnahmen, nach Natur- und Artenschutz und konstatierte: „Wenn die Stadt den Teich zukippen will, dann wird sie Mittel und Wege finden“.

Jürgen Behler (SPD) erinnerte zunächst an die sachliche und lange Debatte in den zurückliegenden Bauausschuss-Sitzungen. Die SPD entscheide sich allein aufgrund der 30 Prozent geringeren Kosten und der niedrigeren Folgekosten für die „Rasenmulde“. Es werde in jedem Falle eine erhebliche Umgestaltung des Geländes geben.

CDU und SPD wehren sich gegen Attacken

Fabian Gies (CDU) schlug in die gleiche Kerbe. Zum „Meinungsbild aus der Bevölkerung“ merkte er an, dass die gewählten Stadtverordneten sich auf eine wesentlich größere Mehrheit von Bürgern stützen könnten. „Wollen wir wirklich 114.000 Euro mehr aus dem Fenster hauen“, fragte Gies, wobei er die Wortwahl gleich darauf bedauerte.

Auf Nachfrage von Winand Koch machten die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Hans-Georg Lang und Werner Hesse, klar, dass es für sie keinen Grund gibt, die Entscheidung noch einmal zu vertagen. Von einer nötigen Richtungsentscheidung sprach Lang, Hesse wurde in Richtung von FDP und BUS schärfer: „Hier stellen sich Leute hin, die sich geweigert haben, die Stadt vor finanziellem Chaos zu retten“. CDU und SPD stimmten für Rasenfläche und Teicheinebnung, die drei anderen Fraktionen dagegen. Dementsprechend wurde auch der Änderungsantrag abgelehnt.

von Michael Rinde

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