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Teamspielerin will eine offene Schule

Schulleiterin Teamspielerin will eine offene Schule

Petra Theißen übt ihren Traumberuf aus. Sie ist Lehrerin. Seit wenigen Wochen hat sich ihr Aufgabengebiet und ihre Verantwortung an der Astrid-Lindgren-Schule vergrößert. Sie ist nun auch Schulleiterin.

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Petra Theißen steht inmitten einer Gruppe von Schülern der Astrid-Lindgren-Schule. Für sie machen die Schüler die ALS aus. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorv. Mit einem Satz auf einem Plakat in ihrem Büro kann sich Petra Theißen nicht anfreunden: „Alles tanzt nach meiner Pfeife.“ Sie sieht sich als eine Teamspielerin. Ihr Team sind ihre Kolleginnen und Kollegen, die sich um die Schüler der Astrid-Lindgren-Schule kümmern. Petra Theißen ist die Nachfolgerin von Gabriele Rademacher.

Bevor sie sich entschied, sich für die Stelle der Schulleiterin zu bewerben, hatte sie schon einen Eindruck von dem, was auf sie zukommen könnte. Etwa ein Jahr lang hatte sie ein Mitglied des Schulleitungsteams vertreten. Und sie hatte gemerkt, dass ihr auch diese Arbeit Freude macht. Sie hat sich ein einfach klingendes, aber sicherlich nur langfristig erreichbares Ziel gesetzt: Petra Theißen möchte am Image der Schule arbeiten, einer breiten Öffentlichkeit klarmachen, dass die Schüler, die dort hinkommen, aus ihrer Sicht die beste Betreuung und Ausbildung erhalten. Diese Botschaft ist für sie noch nicht überall, wo die ALS bekannt ist, auch angekommen. „Dabei sind wir eine sehr offene Schule“, betont sie gleich im Nachsatz. Was macht die Astrid-Lindgren-Schule aus? „Unsere Schüler“, antwortet Theißen spontan. Die ALS sei eine besondere Schule mit besonderen Schülern, eben eine Förderschule. Alles richtet sich nach den Ansprüchen und Bedürfnissen der Schüler. An Regelschulen ist es meist umgekehrt. Dort müssen sich primär die Schüler an Zielen und Vorgaben orientieren.

Ein anderer Satz auf dem Plakat, das die Rolle eines Schulleiters definiert, trifft bei Petra Theißen unumstritten zu. Sie ist „heiß begehrt.“ Während des Gesprächs klopft es immer wieder an der Tür. Mal hat ein Schüler den Rauchabzug ausgelöst. Einem anderen Schüler geht es nicht gut. Eine Kollegin möchte gerne die Eltern informieren. All das gehört für Petra Theißen jetzt ebenfalls zum Berufsalltag.

Bildungspolitisch ist derzeit die Inklusion in aller Munde, erscheint fast wie ein „Modebegriff“. Gerne wird dieser vieles umfassende Begriff auch bei der Integration von behinderten Schülern verwendet. Petra Theißen weiß, dass der größte Teil der Schüler, die an ihrer Schule unterrichtet werden, kaum an einer Regelschule unterrichtet werden könnte. Sie hat eine generelle Haltung zum Stichwort Inklusion: „Sie funktioniert bedingt. So lange unsere Gesellschaft nicht wirklich bereit dazu ist, kann sie auch in der Schule kaum funktionieren.“

Es gibt aber auch andere Ansätze. Zwischen Schülern der ALS und der Grundschule II hat es erste Kontakte gegeben, Schüler mit Behinderungen kamen mit Schülern der Grundschule zusammen. Für die Schulleiterin ist das der richtige Weg und auch eine Möglichkeit dazu, ihre Vision von einer offenen Förderschule zu realisieren.

Seit dem Jahr 2005 unterrichtet die 39 Jahre alte Sindersfelderin an der ALS. Seinerzeit waren es zunächst nur einige Tage, die sie dort arbeitete, bevor sie in die Elternzeit ging. Zwei Jahre später kehrte sie zurück.

Elternarbeit spielt im pädagogischen Konzept der ALS eine große Rolle, täglich haben Lehrer, Betreuer und Eltern Kontakt miteinander und sei es auch nur am Telefon. „Wenn Eltern möchten, können sie uns auch einfach mal so besuchen“, sagt sie.

Eines will sie nicht lassen, das Unterrichten. „Denn Lehrerin ist ja schließlich mein Traumberuf gewesen“, sagt sie. Sieben Stunden in der Woche und bei Bedarf Vertretungen sind übriggeblieben. „Jetzt bin ich eindeutig mehr unterwegs als früher“, hat sie schon festgestellt. Sie habe aber ein „geordnetes Haus“ von ihrer Vorgängerin übernommen, was ihr den Einstieg erleichtere. Nach dem Tag in der Schule engagiert sich die Sindersfelderin in ihrer Kirchengemeinde, kümmert sich um ihre Familie und um den kleinen landwirtschaftlichen Betrieb.

von Michael Rinde

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