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Tassen hoch für den "Teeologen"

Serie: Ich sammle... Tassen hoch für den "Teeologen"

"Ich glaube, die meisten halten mein Hobby für ein bisschen verrückt - aber gleichzeitig stören sie sich nicht daran, denn ich schade ja niemandem damit", sagt Martin Klenner, ein Teesorten-Sammler.

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Schwarztee von Lipton wecken bei Martin Klenner Urlaubserinnerungen, der Entspannungstee Hopfen-Melisse hat ebenfalls eine ganz besondere Bedeutung.Foto: Florian Lerchbacher

Stadtallendorf. Viele Hundert Teesorten hat Martin Klenner bereits gekostet. Je ausgefallener, desto besser, lautet sein Motto. Umso überraschender ist, dass eine der gewöhnlichsten Sorten ihm besonders am Herzen liegt.

Zwischen zahlreichen unterschiedlichen, teilweise kunstvoll verzierten Teepackungen steht eine Eiscreme-Dose voll mit Schwarztee von der Firma Lipton. Eine Sorte, die es eigentlich in nahezu jedem Supermarkt in Deutschland gibt. Die Teebeutel von Martin Klenner jedoch haben eine lange Reise hinter sich und wecken bei dem Stadtallendorfer, der in Gießen Erziehungswissenschaften und Tee-, pardon, Theologie studiert, Urlaubserinnerungen. „Ich war im vergangenen Jahr in Israel auf Pilgerreise. Dort gab es an jeder Ecke genau diesen schwarzen Tee zu trinken“, berichtet der 23-Jährige. Entsprechend habe er an einem Kiosk ein paar Teebeutel kaufen wollen: „Der Verkäufer war ein ganz alter Mann, der erst in den Keller krabbeln musste, dann aber eine riesige Packung zu Tage förderte. Das war mir eigentlich viel zu viel.“

Nein sagen, habe er aber aufgrund des großen Aufwandes, den der Verkäufer betrieben hatte, auch nicht sagen können: „Ich musste also diesen ganzen Tee kaufen“, erklärt Klenner, gewinnt dem aber auch Positives ab: „Naja, der reicht jetzt wenigstens bis zum nächsten Urlaub.“

200 Sorten stehen im Schrank

Mehr als 200 Sorten hat er in seiner Studentenbude stehen: von Salad-Tee mit Zitronenmelisse, Sauerampfer und Gänseblümchen über Rotbuschtee mit Lübecker Marzipan oder Tiramisu-Mascarpone-Aroma bishin zu Aprikosen-Champagner-Tee, „der zwar kein bisschen nach Champagner schmeckt - aber egal!“

Die Idee, Tee zu sammeln, war Klenner vor einigen Jahren gekommen, nachdem er einem Geschenk nicht die angemessene Aufmerksamkeit geschenkt hatte: „Mir war ein Adventskalender mit unterschiedlichen Teesorten geschenkt worden, die ich einfach so wegtrank und die Verpackungen wegwarf. Ich merkte, dass mir eigentlich alle schmeckten und wurde so auf die Vielfalt, die es bei Tee gibt, aufmerksam.“ Inzwischen kann er keine Stadt mehr besuchen, ohne den dortigen Teeladen nach Besonderheiten zu durchstöbern. Auf Facebook stellt er täglich ein andere Sorte vor, und auch die Geschenk-Idee hat er übernommen: Seit zwei Jahren verschenkt Klenner am liebsten selbst zusammengestellte Adventskalender, die er natürlich mit Informationen über die jeweiligen Sorten bereichert.

Seine Freunde akzeptierten sein Hobby und hätten sich inzwischen auch damit abgefunden, dass er in Kneipen oder beim Essen zumeist Tee trinke, erklärt Klenner. Einige hätten es sich sogar zum Ziel gemacht, ihm aus Urlauben Teesorten mitzubringen, die er noch nicht kennt. Und anstoßen darf er nach einem seiner neuesten Funde auch wieder mit den meisten: Als er noch an der katholischen Hochschule in Karlsruhe war, verweigerten ihm seine Kommilitonen das gemeinsame Heben des Glases. Erst, wenn er einen Tee mit Hopfen finden würde, dürfte seine Tasse ihre Gläser berühren, erklärten sie ihm. Entsprechend gehört der neu entdeckte Entspannungs-Tee mit Hopfen und Melisse zu den wichtigsten Sorten in Klenners Sammlung. Na dann Tasse hoch und prost!

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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