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Tagsüber planen, abends radeln

Stadtallendorf Tagsüber planen, abends radeln

Der niederländische Brigadegeneral Jack van Maaswaal hat große Erfahrung bei der internationalen Zusammenarbeit von Streitkräften, was ihm jetzt zugutekommt.

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Brigadegeneral Jack van Maaswaal sitzt an seinem Schreibtisch, im Hintergrund hängt das Porträt des niederländischen Königspaares an der Wand. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. In seinem Büro in der Stadtallendorfer Herrenwald-Kaserne hängt das Porträt des niederländischen Königspaares. König Willem Alexander und Königin Maxima schauen in den Raum. „Wir haben eine so hübsche Königin“, sagt Brigadegeneral Jack van Maaswaal. Seit Januar ist er einer von zwei stellvertretenden Kommandeuren der Division Schnelle Kräfte. Seine Aufgabe: Er ist auf niederländischer Seite für die Integration der 11. Luchtmobielen Brigade in die Bundeswehr-Division verantwortlich. Die rund 2100 niederländischen Soldaten unterstehen seit dem Jahreswechsel der Bundeswehr, ein Novum. Das hatte zuletzt der Divisions-Appell im Herrenwald-Stadion im Juni unterstrichen.

Doch der Prozess bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft der niederländischen Soldaten innerhalb der DSK braucht Zeit. Im Jahr 2018 soll dieses entscheidende Ziel erreicht sein. Bis dahin gilt es, vorzubereiten, zu planen, gemeinsam auszubilden und zu üben. Aktuell steht der 54-jährige van Maaswaal an der Spitze einer Gruppe von 14 niederländischen Soldaten im Divisionsstab. „Wir sind Mitglied des ganzen Teams und sämtlicher Arbeitsprozesse. Machen wir unsere Arbeit nicht ordentlich, läuft es nicht rund“, sagt van Maaswaal.

Der Niederländer hat sich in Stadtallendorf gut eingelebt. Deutschland kennt er sehr gut und auch schon lange, was ihn zusätzlich für seine Aufgabe qualifiziert hat. Er hat umfassende Erfahrung beim Deutsch-Niederländischen Korps gesammelt. Dort war er unter anderem von 1995 bis 1997 und im Jahr 2004 stationiert. Er gehörte auch zum Stab des früheren Divisionskommandeurs Jörg Vollmer während dessen Zeit als Regionalkommandeur Nord in Afghanistan.

Seine Wohnung in Stadtallendorf hat der 54-Jährige in den zurückliegenden Monaten nicht sehr häufig gesehen. Er war viel unterwegs, hat die über ganz Deutschland verstreut stationierten Einheiten der Division kennengelernt. Überall sei er sehr gut aufgenommen worden.

Ansonsten hat er sich schnell darauf eingestellt, dass bei der Bundeswehr der Dienst früher beginnt als bei der königlich-niederländischen Armee. Während der Dienstbeginn bei den Niederländern gegen 7.30 Uhr liegt, „sitzen die Bundeswehr-Soldaten dann meistens schon eine Stunde am Schreibtisch“.

Der Brigadegeneral ist in der Regel bis 18 Uhr täglich im Dienst. Häufig setzt er sich danach auf sein Rennrad, um mit Gleichgesinnten noch schnell 50 bis 60 Kilometer zurückzulegen. Als Pendler beschränkt sich seine Freizeit mit der Familie auf das Wochenende. Seit 1997 leben die van Maaswaals im niederländischen Roermond. „48 Stunden daheim sind nicht viel Zeit. Aber man gewöhnt sich schnell daran“, sagt er rückblickend. Die Gegend, in der er stationiert ist, hat es ihm angetan. „Wenn ich das erste Mal in Dillenburg von der Autobahn abgebogen bin, dachte ich gleich, wie schön das hier ist“, so sein Kompliment. Die Niederlande seien ja eher flach. Am Standort Stadtallendorf fühlt er sich wohl. Van Maaswaal macht der Stadt ein großes Kompliment: „Wir haben das Gefühl, dass wir hier zuhause sind.“

Im Augenblick ist van Maaswaal vor allem mit Planungsarbeit befasst. Zwar sind die niederländischen Streitkräfte und die Bundeswehr seit Jahrzehnten Nato-Partner. Jetzt wird aber eine niederländische Einheit in einen deutschen Verband „eingebaut“. „Die Prozeduren müssen aufeinander abgestimmt werden“, verdeutlicht der niederländische Brigadegeneral. Es geht um gemeinsame Kommunikation, ein gemeinsames Sanitätswesen, gemeinsame Logistik.

Dabei bleibt die nationale Identität der Luchtmobielen Brigade natürlich erhalten. Nationale Einsätze wird sie wie in der Vergangenheit eigenständig übernehmen. „Es wird nicht so sein, dass deutsche Soldaten zwangsläufig in einen Einsatz gehen, den die Niederländer beschlossen haben“, macht van Maaswaal klar. Immer wieder, wenn er von den bevorstehenden Aufgaben berichtet, benutzt er den Satz: „Das kriegen wir hin.“ Eine Herausforderung sieht er aber darin, alle Verbände der Division Schnelle Kräfte bei Bedarf mit ausreichend Hubschraubern zu versorgen, vor allem eine organisatorische Aufgabe. Dass eine niederländische Einheit jetzt der Bundeswehr untersteht, hält er für einen Gewinn für alle Beteiligten: „Internationale Zusammenarbeit ist die Zukunft“, lautet sein Credo. Unter Nato-Partnern gebe es den Slogan „Train as you fight“, zu deutsch „Trainiere, wie du kämpfst“. Dass das jetzt gemeinsam geschehe, sei ein Fortschritt.

von Michael Rinde

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