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Syrische Zucchini und afghanische Beete

Gemeinwesenarbeit Syrische Zucchini und afghanische Beete

"Über gemeinsames Tun kommt man in Kontakt - und dabei muss man nicht einmal reden", sagt Annika Schlüter von der Gemeinwesenarbeit und lädt Geflüchtete und Neustädter zur Gartenarbeit ein.

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Dienstags ab 16 Uhr können Geflüchtete und Neustädter mit der Gemeinwesenarbeit einen Garten beackern. Privatfoto

Neustadt. Auf dem Gelände hinter dem alten Kühlhaus, in Sichtweite des Junker-Hansen-Turms, beackert Annika Schlüter ein Beet. Mal mit einem Helfer, mal mit vielen. Mal mit Deutschen, mal mit Geflüchteten, im Optimalfall mit beiden.

Die junge Frau von der Gemeinwesenarbeit hat im vergangenen Jahr ein Garten-Projekt aus der Taufe gehoben. Die Idee dahinter: Die Geflüchteten, die mitten im Asylverfahren stecken, haben in der Gartenarbeit eine sinnvolle Beschäftigung - bei der am Ende auch noch etwas Leckeres bei rauskommt. „Außerdem kommen Menschen aus unterschiedlichen Nationen in Kontakt. Sie müssen nicht einmal reden, es reichen auch Gesten und Blicke“, betont Schlüter und ergänzt: „Außerdem muss das Thema Garten wieder in die Köpfe der Menschen kommen. Wir sind gewohnt, dass es zu jeder Zeit im Supermarkt fast jedes Gemüse in Plastik eingeschweißt zu kaufen gibt. Aber die Jugend sollte doch wissen, wo ihr Essen herkommt. Wie aus dem Samen Gemüse wird. Oder wie eine frische Tomate direkt vom Strauch schmeckt.“

Für Geflüchtete sei das Projekt zudem eine Möglichkeit zu sehen, was für Gemüse in Deutschland wächst und wo die Unterschiede zur Heimat sind. Die Erntezeit sei in warmen Regionen viel länger und das vermeintlich gleiche Gemüse unter Umständen komplett anders, sagt Schlüter und berichtet von einer Syrerin, die Zuccinisamen aus der Heimat bei sich hatte und im Garten einpflanzte: „Sie waren kleiner, dünner und viel schmackhafter“, berichtet die Mitarbeiterin der Gemeinwesenarbeit und freut sich schon jetzt auf die Ernte des Jahres - denn derzeit steht vornehmlich umgraben, hacken und pflanzen auf dem Programm.

Und schon da gibt es Unterschiede: Afghanen legen Beete zum Beispiel tiefer als Deutsche an - damit das Wasser ­hineinläuft und nicht so schnell verdunstet. „Das hat in den trockenen Zeiten auch hier sehr gut funktioniert. Ich habe also auch etwas für die Gartenarbeit gelernt“, freut sich Schlüter und ruft dazu auf, an dem Projekt mitzuarbeiten, das immer dienstags ab 16 Uhr stattfindet (im Hochsommer ab 17 Uhr).

Der Garten befindet sich neben neben dem Edeka-Markt in der Hindenburgstraße - beziehungsweise schlicht hinter dem alten Kühlhaus.

von Florian Lerchbacher

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