Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Sturzbetrunken und zugedröhnt

Gericht Sturzbetrunken und zugedröhnt

Was ein 18-Jähriger am 1. Mai dieses Jahres um 11.33 Uhr am Steuer eines Autos auf dem Kirchhainer Fasanenweg vollführte, bezeichnete Jugendrichter Joachim Filmer als "bodenlosen Leichtsinn" und "krasse Fehlleistung".

Voriger Artikel
Nau und Schalk zeigen die besten Jungtiere
Nächster Artikel
Autofahrer müssen sich umorientieren

Das Foto zeigt sichergestelltes synthetisches Amphetamin. Von dieser aufputschenden Droge muss der Angeklagte in der nach zum 1. Mai erhebliche Mengen konsumiert haben. Foto: dpa

Quelle: Thomas Frey

Kirchhain. Der junge Mann gab auf dem kleinen Anliegersträßchen grundlos Gas, verlor die Kontrolle über sein Auto und mähte 15 Meter Gartenzaun um. Bei dem Unfall wurde glücklicherweise niemand verletzt. Das ist der einzige positive Aspekt der Geschichte.

Denn der Fahrer war zum Unfallzeitpunkt nicht nur sturzbetrunken, sondern auch noch bis oben hin mit Drogen zugedröhnt. Die zwei Stunden nach dem Unfall erfolgte Blutentnahme ergab einen Promillewert von 2,06 - weit über dem Grenzwert zur völligen Fahruntüchtigkeit.

Grenzwert um dasZehnfache überschritten

Zudem wurde er positiv auf den Cannabis-Wirkstoff THC und auf zwei synthetisch hergestellte Amphetamine getestet. Ein Amphetamin-Wert lag knapp über dem Grenzwert und der zweite um das Zehnfache über der Toleranzgrenze. Dabei gilt für Fahranfänger während der Probezeit für Alkohol und Drogen die Null-Toleranz-Linie.

Der Angeklagte äußerte sich wortkarg zu den Vorwürfen der Anklage: „Was soll ich dazu sagen, ich war‘s“, sagte er knapp. Umso gesprächiger zeigte sich ein Augenzeuge des Unfalls im Zeugenstand. Er erzählte, wie das schwarze Auto ins Schleudern geriet und in seinem Gartenzaun landete. Der Fahrer habe nach dem Unfall seiner jungen Beifahrerin aufgetragen: „Wenn die Polizei kommt, dann sagst Du, das Du gefahren bist.“

Dem widersprach der Angeklagte. Der Zeuge sei nicht am Unfallort gewesen. Er habe diesen zum ersten Mal gesehen, als er mit seinem Vater den Gartenzaun repariert habe.

Der Angeklagte brachte zwei Vorstrafen mit in die Verhandlung: Wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit räuberischer Erpressung und wegen Computerbetrugs. Außerdem war er schon einmal unter Alkoholeinfluss am Steuer aufgefallen. Das brachte ihm eine Geldbuße und ein einmonatiges Fahrverbot ein.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe hatte nichts Positives über ihren Klienten zu berichten, da dieser zu den Gesprächen nicht erschienen wat. Sie regte die Anwendung von Jugendrecht an und schlug vor, dem Angeklagten vier Drogenberatungsgespräche aufzutragen. Diesen Vorschlag nahm Oberamtsanwalt Reinhard Hormel in seinen Antrag auf. Zugleich beantragte er, die zwei Monate zurückliegende Verurteilung wegen Computerbetrugs in das Urteil einzubeziehen. Er forderte einen zweiwöchigen Dauerarrest, eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro und einen Fortdauer der Führerscheinsperre um elf Monate. Das Jugendgericht verurteilte den 18-Jährigen wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und bezog die Verurteilung wegen Computerbetrugs ein. Es folgte im Strafmaß fast vollständig dem Antrag der Staatsanwaltschaft, beließ es bei der Geldauflage jedoch bei 800 Euro.

Seinen Führerschein - das machte Joachim Filmer deutlich - wird der junge Angeklagte so schnell nicht wiedersehen. Davor steht die MPU, und die bedingt ein einjähriges Drogen-screening. Das Mitleid des Richters hielt sich in Grenzen: „Wer sich so verhält wie Sie, hat im Straßenverkehr nichts verloren.“ Auch abseits der Straße geht der 18-Jährige fahrlässig mit seiner Zukunft um. Seinen hochqualifizierten Ausbildungsplatz gab er im zweiten Lehrjahr auf, weil er Lohnabzüge für Verspätungen nicht einsah. Jetzt jobbt er als Saisonarbeiter.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr