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Stück hinterlässt tiefen Eindruck

Gedenktag Stück hinterlässt tiefen Eindruck

Rund 100 Besucher kamen zum dritten Gedenktag zum Thema Flucht-, Vertreibung und Deportation in die Stadthalle nach Stadtallendorf.

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Die Schauspielerinnen Jessica Stuckenberg (links) und Barbara Gottwald versetzten die Besucher in immer neue Situationen, mit denen sich Flüchtlinge konfrontiert sahen.

Quelle: Heinz-Dieter Henkel

Stadtallendorf. Höhepunkt des Gedenktages war die etwa einstündige Theateraufführung „Fluchtgedanken 3.0“ der Fuldaer Theatergruppe „Mittendrin“. Die beiden Darstellerinnen Barbara Gottwald und Jessica Stuckenberg hatten im Vorfeld zahlreiche Interviews mit Vertriebenen und Flüchtlingen der Nachkriegszeit geführt, viele heute noch in Deutschland lebende „Gastarbeiter“ der 60er- und 70er-Jahre befragt und sich mit nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen aus Afghanistan, Eritrea, Kongo, Pakistan und Palästina unterhalten. Im Mittelpunkt aller Gespräche standen drei Fragen: Was ist Heimat? Was bedeutet es, seine Heimat zu verlassen? Und ist es möglich, eine neue Heimat zu finden?

Aus all den Antworten stellten die Schauspielerinnen ihr Theaterstück zusammen: Sie ließen viele Zitate aus den Interviews einfließen, ergänzten sie durch Beiträge von Politikern und zitierten schlicht Gesetzestexte.

So erlebten die Besucher eine facettenreiche Inszenierung, die sich mit Einzelschicksalen beschäftigte. Mal war es spannend - wenn es zum Beispiel um die quälende Frage ging, was ein Mensch mitnimmt, wenn er maximal 50 Kilo in zwei Koffern unterbringen und sich quasi panikartig entscheiden muss. Mal war es verwirrend - wenn die Antworten auf Fragen in einer Phantasiesprache gegeben wurden, um deutlich zu machen, welche sprachlichen Probleme Zuwanderer haben. Es war aber auch lustig - wenn die Schauspielerinnen beispielsweise die korrekte deutsche Mülltrennung thematisierten. Und es gab Informationen, bei denen tiefe Eindrücke entstanden: Alle vier Sekunden begibt sich auf dieser Welt ein Mensch auf die Flucht. Immer wieder wurden die Zuschauer mit neuen, kurzen Sequenzen konfrontiert, die allesamt aber keine Patentlösung anboten. So hinterließ das Theaterstück viele Fragen, die nach der Veranstaltung in Gesprächen noch einmal thematisiert wurden.

Die Eröffnung der Veranstaltung hatte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi übernommen, der besonders die Vertreter der am Gedenktag beteiligten Vereine und Verbände herausstellte: den Heimat- und Geschichtsverein, die Georg-Büchner-Schule, der Egerländer Gmoi, das Dokumentations- und Informationszentrum sowie zwei Kinder der Musikschule, die einen musikalischen Beitrag lieferten.

Somogyi: Das Thema ist wieder brandaktuell

Somogyi erinnerte daran, dass Stadtallendorf in der Nachkriegszeit hessenweit die meisten Flüchtlinge aufgenommen hatte und diesen eine neue Heimat gab. Das Thema selbst, so alt es auch sein möge, sei nicht nur durch den Flüchtlingsstrom des vergangenen Jahres wieder brandaktuell, betonte der Rathauschef.

Die Flüchtlingszahlen weltweit seien in den vergangenen Jahren stetig angestiegen, hätten aktuell einen Stand von 65 Millionen Menschen erreicht und wachsen noch weiter. Alle diese Menschen seien aus den unterschiedlichsten Gründen heimatlos geworden und man müsse jede Flucht oder Vertreibung als ein Einzelschicksal betrachten - also ganz so, wie es die Schauspielerinnen taten.

von Heinz-Dieter Henkel

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