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Studie soll die „Richtung weisen“

Rüstungsaltlasten Studie soll die „Richtung weisen“

Die Experten für die ­Altlastensanierungen in Stadtallendorf arbeiten an einer Studie über ein belastetes Gebäude. Es gehört zu denen, in denen sich Schadstoffe in der Luft gefunden haben.

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Das Archivfoto aus dem Jahr 2005 zeigt eine Halle, unter der nach ihrer Fertigstellung eine Bodenaltlast saniert wurde.

Stadtallendorf. In insgesamt 33 Gebäuden, verteilt auf zwei Abschnitte oder Messreihen, hatte das Land die Raumluft auf Schadstoffe untersucht (diese Zeitung berichtete zuletzt im Februar). Bei drei bis fünf dieser bewohnten Häuser gibt es klaren Handlungsbedarf aufgrund der gemessenen Schadstoffbelastungen. Sie stammen von Rüstungsaltlasten, konkret von Toluolen, wie sie bei der Produktion des Sprengstoffes TNT verwendet werden.

Zwischenzeitlich hat es weitere Gespräche zwischen der HIM GmbH als Sanierungsträger, dem Regierungspräsidium (RP) Gießen für das Land, dem Kreisgesundheitsamt und dem Kreisbauamt gegeben. Für den Kreis verweist dessen Sprecher Stephan Schienbein auf Nachfrage der OP für Stellungnahmen gleich an das Regierungspräsidium als die federführende Behörde. Er bestätigte lediglich die ständigen engen Abstimmungsgespräche untereinander.

Defacto erstellt die HIM GmbH jetzt eine „Variantenstudie“. Das geschieht bei dem ersten Gebäude, bei dem die Luftbelastungen im Sommer vor einem Jahr festgestellt wurden. Die Studie soll prüfen, welche Möglichkeiten es für den weiteren Umgang mit den Schadstoffen und den ursächlichen Altlasten gibt. Das erläuterten Zrinko Rezic, Projektleiter der HIM für den „Rüstungs-Altstandort Stadtallendorf“ und RP-Sprecherin Gabriele Fischer auf Anfrage. Dabei sollen die Erkenntnisse über die Belastungen im Boden und in der Bausubstanz berücksichtigt werden, die die HIM durch Untersuchungen bereits gewonnen hat. „Alle diese Gebäude stehen nahe oder auf früheren Toluol-Lagern des Sprengstoffwerkes“, sagt Rezic.

Zwar liegt die Studie noch nicht vor. Klar sei aber, dass die Varianten von der Sicherung durch eine fest eingebaute Lüftungsanlage über eine Sanierung bis hin „zu einer Sanierung mittels Gebäudeabriss reichen“, wie das RP mitteilt. Die Studie soll im Laufe des Frühjahrs fertig werden, danach wird es um Entscheidungen gehen. Aus den Antworten des RP auf die OP-Anfrage lässt sich herauslesen, dass man dort wohl in Richtung einer klassischen Altlasten­sanierung denkt.

Jedes Haus muss individuell gesehen werden

Klar ist auch, dass die Ergebnisse für ein Haus nicht zwingend auf jedes andere Objekt übertragen werden können. „Das Ergebnis wird nicht unbedingt vollständig auf die weiteren besonders belasteten Gebäude übertragbar sein, aber zumindest eine Richtung weisen“, erklärt Sprecherin Fischer. Das hieße auch, dass nicht zwingend bei jedem Gebäude am Ende eine Sanierung anstehen müsste. Zu der Situation, dass das Land ein Gebäude kauft, um es abzureißen, ist es in Stadtallendorf erst einmal gekommen, allerdings erst vor kurzer Zeit. Dort finanzieren die bisherigen Bewohner mit dem Verkaufserlös einen Neubau. Nach ihrem Auszug soll dann nach dem Abriss die Sanierung folgen, wie die OP bereits berichtete. Dort hatte sich eine Sanierung des Kellers als unwirtschaftlich herausgestellt.

Wenn es zu einer Sanierung weiterer Gebäude kommt, dann bedarf es wie gewöhnlich einiger intensiver Vorarbeiten, von der Abstimmung mit den Eigentümern über die Erstellung und Genehmigung von Sanierungsplänen bis hin zur Bereitstellung der Gelder durch das Land. In dessen mittelfristiger Planung kamen weitere Sanierungen in Stadtallendorf bisher noch nicht vor. Da bei allen Betroffenen aber Sanierungsvereinbarungen bestehen, ist das Land in jedem Falle in der Pflicht.

Bisher hat das Land nach Angaben des RP einen Betrag im „unteren sechsstelligen Bereich“ in die Untersuchungen wie auch für den Einsatz von Luftwäschern in Gebäuden mit Belastungen bezahlt. Bei der Entscheidung über das Vorgehen dürfte das Thema Geld sicherlich eine größere Rolle spielen. Denn auch eine stationäre Lüftungsanlage, die über Jahrzehnte betrieben werden muss, muss vom Land finanziert werden. Was das kostet, kann das RP noch nicht beziffern. Derzeit laufe die Ausschreibung einer solchen Anlage.

von Michael Rinde

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