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Bürgermeister glauben nicht an Südlink

Stromtrasse im Landkreis Bürgermeister glauben nicht an Südlink

Führt die 700 Kilometer lange Stromtrasse Südlink zwischen Brunsbüttel und Gartach bei Heilbronn durch den Landkreis Marburg-Biedenkopf? Dazu gibt es jetzt eine Karte.

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In Raesfeld wird eine unterirdische Trasse für Höchstspannungskabel gebaut. Das Foto verdeutlicht, dass der Bau einer solchen Trasse einem Straßenbau nahekommt.

Quelle: Roland Weihrauch

Ostkreis. Wer die nebenstehende Grafik studiert, dem mag der Schreck in die Glieder fahren. Denn die roten Linien, die für Varianten zum Alternativ-Trassenvorschlag des Landes Thüringen stehen, durchqueren die Gemarkungen der Städte und Gemeinden Münchhausen, Wetter, Cölbe, die östlichen Stadtteile Marburgs, Ebsdorfergrund, Neustadt, Wohratal, Rauschenberg, Stadtallendorf, Kirchhain und Amöneburg.

Bevor sich die öffentliche Erregung Bahn bricht, sei gesagt, dass diese als Sturm im Wasserglas enden könnte. Sowohl das Hessische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr als auch die befragten Bürgermeister ließen in Gesprächen mit der OP anklingen, dass das von seinen Gegnern leidenschaftlich bekämpfte Großprojekt zum Gelingen der Energiewende wohl auf dem Territorium des Landkreises Marburg-Biedenkopf stattfinden wird.

Für diese Einschätzung spricht allein der Wille des Freistaats Thüringen, dessen westlicher Landesteil nach den jetzigen Planungen durch Südlink durchschnitten wird. Gut 80 Kilometer weiter westlich soll nach dem Willen des Freistaats die Alternativ-Trasse entstehen, die am östlichsten Zipfel Neustadts am Kreisgebiet vorbeiführt.

Erdkabel

Seit die Bundesnetzagentur die ersten Pläne für die Stromtrasse Südlink vorstellte, laufen Anlieger-Kommunen gegen das einzigartige Stromleitungsbauvorhaben Sturm. Niemand wollte in der Nähe von bis zu 90 Meter hohen Strommasten leben.  Die Trassenführungen für das zentrale Projekt der Energiewende fanden keine Akzeptanz.

Um der Stromautobahn eine Umsetzungschance zu geben, machte der Bundestag im Dezember 2015 den Trassen-Anliegern ein teures Versprechen:  Künftig soll Erdverkabelung beim Bau der Trasse vor Freileitungen Vorrang haben.

Interessanterweise hat Südlink seit dieser von den Anliegern geforderten Entscheidung kaum an Konfliktpotenzial verloren. Dafür gibt es zum Teil nachvollziehbare Gründe. So ist die Verlegung von 380-KV-Höchstspannungskabeln ziemlich aufwändig und ein erheblicher Eingriff in die Landschaft.  Mit Kabel rein, Erde drauf, fertig, ist es nicht getan.

Der Boden über den Erdtrassen muss frei bleiben, damit die Kabel bei Havarien ausgegraben und repariert werden können. Außerdem müssen die Kabelenden im Abstand von etwa 80 Metern miteinander verbunden werden.  Für den Zugang zu den Muffen braucht es überirdisch über ihnen kleine Häuschen, die nicht unbedingt eine Zierde für die Landschaft sind. Das unter der Erde entstehende elektromagnetische Feld erzeugt Wärme und kann zum Problem für die Vegetation werden.

Bürgerinitiativen, die sich in besonders großer Anzahl in Niedersachsen und in Bayern gegen die Stromautobahn wehren, haben sich weitere Gründe gegen das Vorhaben auf ihre Fahnen geschrieben: Einschränkung der Lebensqualität, Wertverlust der Immobilien, Gefährdung des Trinkwassers, Zerstörung der Landschaft, monopolitische Betreiberstrukturen, Gerechtigkeitslücken,  Risiken der Sabotage, Gesundheitsgefährdung und ja, sogar der Verlust an Zukunftsperspektiven finden sich als Beweggründe im Netz.

Seit die Bundesnetzagentur die ersten Pläne für die Stromtrasse Südlink vorstellte, laufen Anlieger-Kommunen gegen das einzigartige Stromleitungsbauvorhaben Sturm. Niemand wollte in der Nähe von bis zu 90 Meter hohen Strommasten leben.  Die Trassenführungen für das zentrale Projekt der Energiewende fanden keine Akzeptanz.
Um der Stromautobahn eine Umsetzungschance zu geben, machte der Bundestag im Dezember 2015 den Trassen-Anliegern ein teures Versprechen:  Künftig soll Erdverkabelung beim Bau der Trasse vor Freileitungen Vorrang haben.

Interessanterweise hat Südlink seit dieser von den Anliegern geforderten Entscheidung kaum an Konfliktpotenzial verloren. Dafür gibt es zum Teil nachvollziehbare Gründe. So ist die Verlegung von 380-KV-Höchstspannungskabeln ziemlich aufwändig und ein erheblicher Eingriff in die Landschaft.  Mit Kabel rein, Erde drauf, fertig, ist es nicht getan. Der Boden über den Erdtrassen muss frei bleiben, damit die Kabel bei Havarien ausgegraben und repariert werden können. Außerdem müssen die Kabelenden im Abstand von etwa 80 Metern miteinander verbunden werden.  Für den Zugang zu den Muffen braucht es überirdisch über ihnen kleine Häuschen, die nicht unbedingt eine Zierde für die Landschaft sind. Das unter der Erde entstehende elektromagnetische Feld erzeugt Wärme und kann zum Problem für die Vegetation werden.

Bürgerinitiativen, die sich in besonders großer Anzahl in Niedersachsen und in Bayern gegen die Stromautobahn wehren, haben sich weitere Gründe gegen das Vorhaben auf ihre Fahnen geschrieben: Einschränkung der Lebensqualität, Wertverlust der Immobilien, Gefährdung des Trinkwassers, Zerstörung der Landschaft, monopolitische Betreiberstrukturen, Gerechtigkeitslücken,  Risiken der Sabotage, Gesundheitsgefährdung und ja, sogar der Verlust an Zukunftsperspektiven finden sich als Beweggründe im Netz.

„Die Trassenführung wird weder in Thüringen noch in Hessen entschieden. Das macht einzig die Bundesnetzagentur“, stellte Marco Kreuter, Pressesprecher des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft und Verkehr, gegenüber dieser Zeitung klar. Was jetzt im Kreisgebiet geschehe, sei Teil eines üblichen Verfahrens. Der Netzbetreiber TenneT solle sich einen Eindruck von der Thüringer Trasse machen können. Dafür seien die Kommunen angeschrieben worden. „Wir achten sehr genau darauf, dass sich die Festlegung streng an fachlichen Kriterien orientiert“, erklärte der Pressesprecher und sagte dann zwei gewichtige Satz: „TenneT favorisiert einen Trassenbau außerhalb Hessens. Wir halten den Vorschlag für fundiert.“

Die Bürgermeister der Ostkreis-Kommunen betrachten die Situation relativ entspannt - sofern sie von den Trassen-Vorschlägen des Landes Thüringen überhaupt betroffen sind.

„Wir sind dabei“, sagte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi der OP. Die Stadt sei von der Bundesnetzagentur aufgefordert worden, ihre Flächennutzungspläne und die rechtskräftige Bebauung zusammenzustellen und an die Agentur zu schicken. „Wir sind dabei, diese Aufgaben abzuarbeiten“, sagte der Bürgermeister, für den die Wirtschaftlichkeit einer Trasse oberste Priorität hat. Und er macht kein Hehl daraus, dass er die Wirtschaftlichkeit wegen der deutlich kürzeren Streckenlänge bei der durch Thüringen führenden Ursprungstrasse sieht. „Alle wollen die Energiewende, aber längst nicht alle machen mit“, stellte Christian Somogyi lakonisch fest. Falls die Thüringer Alternative in die Nähe einer Rechtskraft rücke, werde sich die Stadt entsprechend positionieren, kündigte der Bürgermeister an.

Zur Karte in hoher Auflösung als PDF hier klicken:

Suedlink 2,30 MB

Sein Neustädter Kollege Thomas Groll hat noch keine Aufforderung bekommen. Ebenso wenig der Rauschenberger Bürgermeister Michael Emmerich. „Noch sehe ich den Thüringer Vorstoß ganz entspannt, weil es keinen offiziellen Weg gibt. Wenn es eine entsprechende Anforderung gibt, werden wir reagieren und alles tun, um die Interessen der Stadt Neustadt zu wahren“, erklärte der Bürgermeister. Dass der eigentliche Hauptvorschlag für eine Alternativ-Trasse am östlichsten Zipfel Neustadts das Kreisgebiet nur tangiert, hat er zur Kenntnis genommen. Diese dunkelrote Linie sei nach seiner Kenntnis die favorisierte Alternativ-Variante.

Amöneburgs Bürgermeister Michael Plettenberg, der sich derzeit im Urlaub befindet, hatte sich während der jüngste Stadtverordnetenversammlung zum Thema Südlink geäußert. Theoretisch sei Amöneburg durch irgendeine Untervariante betroffen. Auf der Karte könne er aber überhaupt nichts erkennen. Ohne konkrete Informationen werde er der Anforderung der Bundesnetzagentur nicht nachkommen, kündigte Michael Plettenberg an.

Eine Trassen-Untervariante verläuft offenbar zwischen Wohratal und Rauschenberg entlang der B3. Deshalb hat die Bundesnetzagentur auch von der Gemeinde Wohratal die Bauleitplanung angefordert. Er werde für die nächste Sitzung der Gemeindevertretung zu dem Thema eine Präsentation vorbereiten, sagte Bürgermeister Peter Hartmann der OP. „So richtig ernst nehmen kann man den Thüringer Vorstoß aus meiner Sicht nicht“, erklärte Peter Hartmann und begründete diese Einschätzung mit mehreren Fakten:

  • Der Umweg ist gegenüber der Ursprungstrasse viel zu groß.
  • Der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist im Netzentwicklungsplan vom 4. August 2017 nicht als Gebiet für eine mögliche Südlink-Trasse aufgeführt.
  • Die Thüringer Varianten sind ohne jede Ortskenntnisse an Schreibtischen entstanden und führen im Landkreis zum Teil durch Schutzgebiete wie Auenlandschaften. TenneT werde eine grobe Prüfung der Unterlagen vornehmen und das Ergebnis zur Beurteilung bei der Bundesnetzagentur einreichen“, skizzierte Peter Hartmann die nächsten Schritte.Was bei den Prüfungen für den Landkreis Marburg-Biedenkopf herauskommt, lässt sich trotz gewichtiger Feststellungen und für den Kreis sprechender Indizien nicht mit letzter Sicherheit sagen. Sicher ist nur, dass das auf der Karte gezeigte rote Labyrinth nicht verwirklicht wird. Es wird entweder eine Nord-Süd-Trasse oder eine Ost-Süd-Trasse jeweils ohne Abzweige geben. Viel Zeit können sich die Prüfer nicht lassen, denn die läuft den Projektierern inzwischen davon. Spätestens 2025 muss die Stromautobahn Windstrom von der Nordsee nach Baden-Württemberg und Bayern liefern. Beide Bundesländer beziehen noch immer einen Großteil ihres Stroms aus Atomkraftwerken. Das Bundeskabinett hat am 6. Juni 2011 unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe den Atomausstieg beschlossen und die sofortige Stilllegung von acht Atomkraftwerken beschlossen. Der vollständige Ausstieg aus der Kernenergie soll bis 2022 stufenweise erfolgt sein. Dieser Termin lässt sich schon nicht mehr halten. Umso zügiger muss das 10 Milliarden Euro teure Projekt vorangebracht werden.

von Matthias Mayer

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