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Strom für 30.000 Menschen

Windpark Strom für 30.000 Menschen

Seit September liegt die Baugenehmigung für den Rauschenberger Windpark vor. Inzwischen hat sich im Stadtwald auf dem Roteküppel einiges getan. Die OP sah sich dort um.

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Um die Last des 207 Meter hohen Windrads tragen zu können, erhält die ­Bodenplatte noch einen 3,6 Meter hohen Stahlbeton-Aufbau.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Der Hauptweg, der von der Kreisstraße zwischen Sindersfeld und Zettrichhausen rechts ab in den Stadtwald führt und gleichzeitig die Gemarkungsgrenze zwischen Rauschenberg und dem Kirchhainer Stadtteil markiert, bringt den Besucher zu allen fünf Windradstandorten.Die Beschilderung macht ein Verlaufen unmöglich. Die Nutzungsbreite des Weges ist insbesondere in den Kurvenbereichen mit Trassierband markiert.

Die Schwertransporte müssen mit ihren zum Teil mehr als 50 Meter langen Bauteilen auf dem verbreiterten Weg die Kurve kriegen. Schilder weisen auf unterirdisch verlegte Stromkabel hin. Akustisch weist nichts auf die Großbaustelle hin. Wegen des Frosts herrscht Bauruhe.

Was ist geplant?

Die Firma Windpark Rauschenberg GmbH baut auf dem Roteküppel fünf Windenergieanlagen vom Typ Enercon 115. Die Maschinen haben eine Nennleistung von je 3 Megawatt. Die Nabenhöhe liegt bei 149 Metern. Zusammen mit dem Rotor (Durchmesser 115,71 Meter) ergibt dies eine Gesamthöhe von 206,8 Metern. Die Windpark Rauschenberg GmbH, die ein Tochterunternehmen des zur Breidenbacher Krug-Gruppe gehörenden Krug-Energie mit Sitz in Münchhausen ist, plant auf dem windsicheren Standort mit 2500 Volllast-Stunden pro Jahr und einem Jahresertrag in Höhe von 37,5 Millionen Kilowattstunden.

Diese Strommenge reicht aus, um 10.000 Drei-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen. Sie kann den Bedarf aller Einwohner der Städte Rauschenberg, Kirchhain und Neustadt decken. Zugleich sparen die fünf Windräder jährliche 20.000 Tonnen CO2-Ausstoß ein. Die Fertigstellung ist für März/April 2017 vorgesehen.

Was ist besonders?

Der Windpark entsteht auf dem Territorium von zwei Städten: Rauschenberg und Kirchhain. Und er hat zwei Projektierer. Die Windpark Rauschenberg GmbH hat als Vertragspartner der Stadt Rauschenberg vier Windräder auf dem Rauschenberger Gebiet geplant. Das fünfte Windrad in der Gemarkung Kirchhain-Sindersfeld hat das Wiesbadener Unternehmen AboWind geplant und das Baurecht an die mittelständige Krug-Energie verkauft.

Die wird an dem Standort Sindersfeld statt der von AboWind geplanten Nordex 117 eine umweltfreundlichere, weil deutlich leisere, Anlage vom Typ Enercon 115 bauen. Das Regierungspräsidium Gießen hat als Genehmigungsbehörde jetzt festgestellt, dass in diesem Fall der Wechsel von einem auf ein anderes Fabrikat keine Verpflichtung zur Durchführung einer neuerlichen Umweltverträglichkeitsprüfung besteht.

Das bedeutet: Für das fünfte Windrad besteht jetzt auch vorbehaltloses Baurecht. Der Windpark hat zwei weitere Besonderheiten aufzuweisen, von denen eine besonders kostspielig ist: Für den Anschluss an das öffentliche Stromnetz ist der Bau einer zehn Kilometer langen Stromtrasse bis zum Kirchhainer Umspannwerk erforderlich. Zudem ermöglicht der Vertrag zwischen Stadt und Betreiber eine echte Form der Bürgerbeteiligung an dem Windpark.

Was ist bisher geschehen?

Die Arbeiten begannen am 4. Oktober mit der Kennzeichnung der genehmigten Flächen. Ab dem 10. Oktober begannen die Baumfäll- und Rodungsarbeiten. Zugleich wurden Ameisenhaufen und historische Grenzsteine zwischen dem kurhessischen und Mainzer Gebiet mit Schutzzäunen versehen. Ab dem 17. Oktober folgten Vermessungsarbeiten und die ersten Erdarbeiten.

Ende Oktober wurden die Baumfäll- und Rodungsarbeiten abgeschlossen. Am Standort 4 wurde der Verlauf der Wasserschutzzone markiert, am Standort 1 folgten die Erdarbeiten. In der ersten Novemberhälfte hoben die Bauleute die Baugruben für die Fundamente der Standorte 1, 2 und 3 aus und stellten dort auch das Planum für die Kran-Aufstell­flächen her. Ende November/Anfang Dezember erfolgten die Verlegung der Kabeltrassen zwischen den vier Standorten und das Ausheben der Baugruben für die Fundamente an den Standorten 3 und 4.

Noch vor Weihnachten gelang es, an den Standorten 3 und 4 die Bodenplatten zu gießen. Nach dem Bauzeitenplan sollten Bautrupps des Herstellers Enercon zu diesem Zeitpunkt schon die Schalungsarbeiten für die 3,6 Meter tiefen Fundamente abgeschlossen haben. Dieses Ziel wurde nicht erreicht.

von Matthias Mayer

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