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Erstaufnahmeeinrichtung

Streit unter 30 Flüchtlingen

Während einer Schlägerei in der Neustädter Erstaufnahmeeinrichtung wurde ein 22-Jähriger verletzt. Außerdem wurden vier Handys und Bargeld gestohlen. Es war der erste große Zwischenfall in der Neustädter Einrichtung.
Die Auseinandersetzung am Donnerstagabend spielte sich in einem Zimmer der Erstaufnahmeeinrichtung ab.Archivfoto: Hirsch

Die Auseinandersetzung am Donnerstagabend spielte sich in einem Zimmer der Erstaufnahmeeinrichtung ab.

© Tobias Hirsch

Neustadt. Am späten Donnerstagabend kam es in der Neustädter Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zur ersten massiven Auseinandersetzung seit der Eröffnung der Unterkunft am 21. Mai. Nach den Angaben der Polizei waren etwa 30 Bewohner an dem Streit in einem Zimmer beteiligt. Ein 22-jähriger Asylbewerber erlitt Verletzungen und musste in der Marburger Uniklinik behandelt werden.

Wie es zu der massiven Auseinandersetzung in der Neustädter Erstaufnahmeeinrichtung kam, muss die Polizei im einzelnen noch ermitteln, unter anderem durch Zeugenbefragungen. Wie Polizeisprecher Jürgen Schlick auf Anfrage am Freitag erläuterte, war es der erste größere Zwischenfall in der früheren Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne.

Bisher lediglich kleinere Konflikte

Die Zahl der an der Schlägerei beteiligten Bewohner machte einen größeren Polizeieinsatz erforderlich. Welche Straftatbestände letztlich im Raum stehen, müssen die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft ergeben.

Sieben Streifenwagen, nach Recherchen der OP unter anderem aus Stadtallendorf, Marburg, dem Schwalmstädter Raum und Alsfeld waren in Neustadt vor Ort. Es war schon lange vor Eröffnung der Erstaufnahmeeinrichtung klar, dass Einsätze wie dieser nur mit Verstärkung aus anderen Polizeidirektionen zu bewältigen sind. Im Ostkreis sind im Regelfalle abends und in der Nacht lediglich zwei Streifenwagen-Besatzungen verfügbar.

Seit der Ankunft der ersten Asylbewerber am 21. Mai hatte es lediglich kleinere Konflikte in den bisher drei Unterkunftsgebäuden gegeben. Vor einer Woche hatte die OP entsprechend darüber berichtet.

Regierungspräsidium warnt vor „Aktionismus“

Mit den Zuständen in der zentralen hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen bleibt die Lage in Neustadt nach den ersten Erfahrungen nicht vergleichbar. In Gießen wurde nach Zwischenfällen in beinahe jeder Nacht das Sicherheitspersonal immer wieder massiv verstärkt.

„Wir haben immer offen kommuniziert, dass man solche Ereignisse wie am Donnerstagabend in Neustadt nicht ausschließen kann“, sagte Gabriele Fischer, Sprecherin des Regierungspräsidiums (RP) Gießen, am Freitag gegenüber dieser Zeitung.

Natürlich werde die Situation in der Unterkunft genau beobachtet. „Aktionismus“ sei aber nicht sinnvoll. Angesichts der weiter steigenden Flüchtlingszahlen ist das Regierungspräsidium auf jeden freien Platz in einer Unterkunft angewiesen. Aktuell sind rund 1000 Flüchtlinge bereits in Zelten untergebracht, unter anderem in Wetzlar. Bis zum Herbst soll es in der Neustädter Erstaufnahmeeinrichtung 800 Plätze geben. 486 Menschen leben, Stand Freitag, bisher dort. Damit kommt die Einrichtung langsam an ihre vorläufige Kapazitätsgrenze, so lange noch nicht alle Gebäude bereitstehen. „Es gibt aber auch Übergrifflichkeiten, die passieren unabhängig von der Zahl der dort untergebrachten Menschen“, sagt RP-Sprecherin Fischer unter Bezug auf den Vorfall von Donnerstagabend, allerdings ohne weitere Einzelheiten nennen zu wollen.

Groll sieht Befürchtungen bestätigt

Neustadts Bürgermeister Thomas Groll erfuhr am Freitagmorgen ebenfalls von dem Vorfall. Die Polizei habe ja angekündigt, die Situation sorgfältig zu beobachten. „Dieser Vorfall wird sicherlich in die Zwischenbilanz einfließen müssen“, sagt Groll.

Er verweist aber auch darauf, dass es bisher in Neustadt ruhig zugegangen ist, seit die Erstaufnahmeeinrichtung besteht, abgesehen von einzelnen Beschwerden über Ruhestörungen und Problemen im Bürgerpark.

Gleichwohl hatte Neustadts Bürgermeister weit im Vorfeld ein Sicherheitskonzept gefordert, das auch eine Verstärkung der Polizeistation Stadtallendorf umfasst.

Dieser Ansicht sei er natürlich nach wie vor. Über Grolls klaren Forderungen war es im Mai sogar zum Konflikt mit Polizeipräsident Manfred Schweizer gekommen. „Es ist auch die Frage, was wir unseren Polizeibeamten auf Dauer zumuten können“, betonte Groll am Freitag gegenüber der OP.

von Michael Rinde


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