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Straßenbau-Erde füllt alte Abbaufläche

Kieswerk Straßenbau-Erde füllt alte Abbaufläche

Die Stadt Kirchhain und der Betreiber des Kieswerks Herrmann in Niederwald sehen sich nach Unterschrift unter eine neue Vertragsvereinbarung auf gutem, gemeinsamem Weg.

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Bürgermeister Olaf Hausmann (von links), Thilo Orgis vom Betreiber des Kieswerks Herrmann und Bauamtsleiter Volker Dornseif ­stehen am Rand der Baggerseefläche, die ab dem Frühjahr 2017 verfüllt werden soll. Foto: Michael Rinde

Quelle: Michael Rinde

Niederwald. Der städtebauliche Vertrag zwischen dem Kieswerk und der Stadt Kirchhain ist seit wenigen Tagen unterschrieben. Er enthält Verpflichtungen für das Kieswerk gegenüber der Stadt, gerade im Hinblick auf die voraussichtliche neue Auskiesungsfläche 5 nahe Niederwald. Es geht um Verfüllung und Rekultivierung, eine Bürgschaft gegenüber der Stadt Kirchhain und weitere Details.

Über wenige Themen ist in Kirchhain in der jüngeren Vergangenheit derart emotional debattiert worden wie über die Zukunft des Kiesabbaues - und eben den nun geschlossenen Vertrag. Dessen Entwurf hatte das Stadtparlament im September nach einer nochmals intensiven Aussprache einstimmig gebilligt.

Dass das Kieswerk bereit ist, Verpflichtungen entgegen aller öffentlichen Befürchtungen auch einzuhalten, demonstrierten gestern Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD), Bauamtsleiter Volker Dornseif und Thilo Orgis, Projektverantwortlicher für den weiteren Kiesabbau.

Baggersee soll verfüllt werden

Eine Absperrbake verhindert derzeit die Fahrt über einen Wirtschaftsweg, eine Verlängerung dieses Teiles der Obergasse. Das Kieswerk hat eine frühere Verpflichtung eingelöst und weite Teile des Weges wieder hergerichtet. Jener Weg, den mancher Niederwälder auch als „heimliche Ortsumgehung“ bezeichnet, dient ausschließlich der Landwirtschaft.

Wer in ihn von der Obergasse aus hineinfährt, passiert zunächst einige Häuser. Dieser Teil des Weges, eher eine kleine Straße, soll im nächsten Frühjahr „erstmals grundhaft hergestellt werden“, wie Dornseif erläutert. Und zwar einschließlich der noch nicht vorhandenen Bürgersteige und ausschließlich auf Kieswerkkosten.

Es soll aber in naher Zukunft noch mehr geschehen. In der Verlängerung eben jenes Wirtschaftsweges findet sich eine große frühere Abbaufläche, ein Teil des Baggersees. Ab dem nächsten Frühjahr, so Thilo Orgis, wird ein Teil von ihr verfüllt.

„Wir nehmen dafür Bodenaushub vom Bau der Bundesstraße 252“, erläutert Orgis. Zunächst geht es um eine Menge von 60.000 bis 100.000 Tonnen. Reichen wird das noch nicht. Errechnet ist ein Bedarf von mindestens 200.000 Tonnen Material. Auch das will das Kieswerk Zug um Zug aus Straßenbauprojekten heranholen. Die Baufirma, die die Erdarbeiten an der B252 vornimmt, wird den Boden selbst verfüllen, natürlich unter Aufsicht von Kieswerkmitarbeitern.

Hausmanns Fazit zur bisherigen Entwicklung der Zusammenarbeit mit dem Kieswerk nach seinem Amtsantritt: „Die Dinge werden im Sinne beider Partner jetzt Zug um Zug abgearbeitet.“ In einem nächsten Schritt soll ein Rekultivierungsausschuss entstehen. Vorgesehen ist, dass aus der wieder aufgefüllten Fläche Grünland entsteht. Ein besonderes Augenmerk wird dabei dem Naturschutz gelten.

Warten auf Genehmigung

Im Laufe des Januars, so das bisher letzte Signal des Regierungspräsidiums Gießen an das Kieswerk, soll die Entscheidung über die so umkämpfte Abbaufläche 5 fallen. Es werde die definitiv letzte Abbaufläche in Richtung Niederwald werden, versicherte Orgis gestern noch einmal ausdrücklich.

Eine Genehmigung nach dem Jahreswechsel vorausgesetzt, wird es aber noch dauern, bis der Abbau auf der neuen Fläche tatsächlich anlaufen kann. Vorher müssten unter anderem noch archäologische Untersuchungen und Stellungnahmen des Kampfmittelräumdienstes eingeholt werden. Und es sind auch noch Grundstückskäufe erforderlich.

Seit diesem Juli ruht der Kieswerkbetrieb. Die dortigen Mitarbeiter sind an anderen Kieswerkstandorten eingesetzt. Einer kehrt während der Verfüllungsarbeiten zeitweilig zurück.

Der geschlossene Vertrag sieht eine Abbauzeit von fünf bis sieben Jahren vor. Bis 2039 soll dann auch diese etwa 14 Hektar große Fläche verfüllt sein. Das Unternehmen setzt darauf, dass es in der Zwischenzeit gelingt, die Genehmigung für die ursprünglich vorgesehenen Flächen im Ohmrückhaltebecken zu bekommen. Wie die OP berichtete, stoppten Sicherheitsbedenken das Genehmigungsverfahren. Es muss der Nachweis erbracht werden, dass der geplante Kiesabbau die Standsicherheit des Ohmdeiches nicht beeinträchtigt. „Wenn das nicht gelingt, wäre das das Ende des Kiesabbaus an diesem Standort“, sagt Orgis. Derzeit liefen vertiefende Untersuchungen in dem angepeilten Abbaugebiet.

von Michael Rinde

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