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Strafe für Kinderporno-Nutzer bleibt

Gerichtsurteil Strafe für Kinderporno-Nutzer bleibt

„Ich kann nicht mehr“, sagte der Angeklagte zu seinem Anwalt, während Schöffen und Richter über seine Berufung berieten – und schien zu ahnen, dass er mit seinem Anliegen erfolglos bleiben werde.

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Ein ehemaliger Mitarbeiter des Internetcafés im Jugendzentrum Stadtallendorf hoffte vergeblich, dass seine Haftstrafe, die er für den Konsum von Kinderpornos erhalten hatte, in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wird.

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. „Wollen Sie meine Zukunft auch noch kaputt machen?“, fragte der 54 Jahre alte ehemalige Mitarbeiter des Internetcafés im Jugendzentrum Stadtallendorf, der zum wiederholten Mal wegen der Nutzung von Kinderpornos zu einer Haftstrafe verurteilt worden war und nun hoffte, dass das Landgericht seine Strafe in eine Bewährungsstrafe umwandelt. Der Mann verwies unter Tränen darauf, dass er 56 Jahre alt sein und wieder ohne Job dastehen werde, wenn er aus dem Gefängnis kommt – das Amtsgericht Kirchhain hatte ihn im vergangenen Jahr zu 13 Monaten Haft verurteilt, nachdem er im offenen Vollzug unerlaubter Weise einen Computer für die Suche nach einer Arbeitsstelle genutzt und bei zwei dieser Gelegenheiten erneut Kinderpornos konsumiert hatte.

„Ich hab‘s endlich kapiert“, sagte der ehemalige Stadtallendorfer und betonte, dass er sich in Therapie befinde. Sein Bewährungshelfer hatte schriftlich Stellung zu dem Fall genommen: Hinsichtlich seiner Delikte habe der 54-Jährige die Realität verzerrt und eine Therapie bis Anfang August des vergangenen Jahres abgelehnt. Seit Mitte des Monats sei er indes offen für die Aufnahme einer Sexualtherapie – zu diesem Zeitpunkt fand allerdings auch die dritte Verhandlung vor dem Kirchhainer Amtsgericht statt.

Der Bewährungshelfer empfahl – falls das Gericht die Haft- in eine Bewährungsstrafe ändern sollte – eine Gruppentherapie. Diese hatte der Angeklagte abgelehnt, weil er keinen Kontakt zu anderen Sexualstraftätern haben wollte. Er bagatellisiere sein Problem, daher sei ein Erfolg nur in der Gruppe erreichbar, weil er dort mit ähnlichen Vergehen konfrontiert werde, teilte der Bewährungshelfer mit und betonte, dass es keine Hinweise auf erneut begangene Straftaten gebe.

Darauf bezog sich auch der Anwalt, der ergänzte, dass sein Mandant keinen Computer oder Internetzugang mehr habe. Zudem sei seine Existenz bürgerlich und gefestigt, da der 54-Jährige inzwischen einen Job als Produktionshelfer hat und auch Einsicht zeige. „Ich will nichts schönreden“, sagte der Anwalt und ergänzte, man müsse den Fall differenziert sehen: Sein Mandant habe „nicht zuhause gechattet oder kinderpornografische Schriften verschickt, viel eher habe er in einem öffentlichen Raum ein frei zugängliches Forum genutzt – schon am ersten Verhandlungstag hatte er sich erzürnt, dass die Seiten mit den kinderpornografischen Bildern überhaupt zugänglich seien. Schon da forderte er strengere Kontrollen.

Der Staatsanwalt stellte indes heraus, dass dem Angeklagten die dritte einschlägige Verurteilung bevorstehe: „Er wusste, dass er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen darf. Das hielt ihn aber nicht davon ab, erneut straffällig zu werden.“ Noch dazu seien seine Bemühungen um eine Therapie „nicht ernsthaft gewesen“, sonst hätte er unmittelbar nach seiner ersten Verurteilung damit begonnen. „Das Problem ist nicht aufgearbeitet“, kommentierte er und ergänzte, er könne dem Angeklagten daher keine günstige Sozialprognose stellen, die notwendig für eine Bewährungsstrafe ist.

Richter Dr. Carsten Paul und seine Schöffen lehnten den Antrag auf eine Umwandlung der Haft- in eine Bewährungsstrafe ab. „Ihre Krankheit oder Persönlichkeitsstörung ist untherapiert“, sagte er. Die Aufnahme einer Behandlung reiche nicht aus, um eine günstige Sozialprognose zu stellen. Der Anwalt des 54-Jährigen kündigte an, in Revision beim Oberlandesgericht gehen zu wollen.

von Florian Lerchbacher

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