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Stadtjubiläum in alten Mauern

Urige Schauplätze Stadtjubiläum in alten Mauern

Die OP stellt in einer Artikelreihe die Vorarbeiten zur 750-Jahr-Feier der Stadt Rauschenberg. Heute geht es um die Gewölbekeller in der Altstadt.

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Wo gibt es noch was zu tun? Herbert Schein, Harry Moll, Monika Friedrich und Bernd Dörbecker (von links) verschaffen sich im Keller unter der alten Oberförsterei einen Überblick. Fotos: Matthias Mayer

Rauschenberg. Es ist kühl im Keller der alten Oberförsterei. Und doch strömt von irgendwoher warme Luft in das Gelass. Auf der linken Seite des Gewölbes zeigt sich ein schräg eingebauter Lüftungsschacht. Wer den richtigen Standort wählt, kann durch diesen ins Freie schauen. Und er bekommt einen Eindruck von der Mächtigkeit der Gewölbemauer. Diese ist an dieser Stelle wohl drei Meter stark.

Monika Friedrich ist inzwischen eine routinierte Keller-Besucherin. Deshalb hat sie sich für den Ortstermin mit der OP einen dicken Schal umgelegt. „Die Temperatur ist in allen Kellern gleich: 8 Grad“, spricht sie aus Erfahrung. Monika Friedrich leitet die beim Festausschuss 750 Jahre Rauschenberg angesiedelten Arbeitsgemeinschaft Gewölbekeller. Die hat sich zur Aufgabe gemacht, dieses unterirdische Stück Rauschenberger Geschichte während des Altstadtfestes am Donnerstag, 26. Mai, für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Wir sind mit unserem Anliegen bei den Hausbewohnern auf große Aufgeschlossenheit gestoßen“, erzählt Monika Friedrich und verweist auf die wertvolle Vorarbeit von Ludwig Pigulla, der schon vor Jahren Kellerbegehungen gemacht hat. Das Ergebnis: Neun Keller und ein Garten stehen im Herzen der Altstadt bereit. „Alle tragen ein eigenes Motto und das wird auch mit Leben erfüllt“, sagt Monika Friedrich mit Blick auf die vielfältigen Programm-Angebote in den Kellern, die am Fronleichnamstag nach dem Festkommers gegen 11.15 Uhr öffnen werden.

Dienstbare Geistererledigen die Arbeiten

Davor wartet viel Arbeit auf das Team, wie Monika Friedrich berichtet. Die Keller mussten ausgeräumt werden, was zum Teil die Eigentümer erledigten. Die Keller wurden vermessen und auf ihre Verkehrssicherheit hin überprüft. Stromleitungen und sogar Wasserleitungen wurden verlegt, Geländer angebracht und Stolperfallen auf den unebenen Böden beseitigt.

Während sie das sagt, dringt der Bohrkopf einer Bohrmaschine geräuschvoll in den Buntsandstein an der Treppenröhre. Die dienstbaren Geister von der Männer-Arbeitsgruppe des Kultur- und Verschönerungsvereins sind da. Harry Moll, Bernd Dörbecker und Herbert Schein montieren ein Treppengeländer.

Die Arbeit ist schnell geschehen, aber die Männer entdecken sogleich eine neue Aufgabe. Der Kellerboden unter der alten Oberförsterei ist mit grob behauenen und unregelmäßig geschnittenen Steinplatten bedeckt. Einige dieser Steine wurden aus dem Sandbett entnommen und liegen verstreut umher. Die Männer beginnen das schwergewichtigste Puzzle der Welt. Sie können jedoch nicht alle Löcher schließen, weil einige Steine fehlen. „Das muss noch unterfüttert und ausgegossen werden“, stellt Bernd Dörbecker fest. Das Projekt muss ­vertagt werden.

Derweil gibt Monika Friedrich einen Überblick zum Geschehen in den Kellern. Zwei Keller sind ganz für die Musik reserviert. Im größten Keller treten sieben Gruppen auf, unter diesen der Frauenchor, der Chor der Burschenschaft, das Brachtett und die Flötentöne. Im Wein-Keller geht es gediegen zu. Die Besucher können edle Weine zu passender Musik genießen. Ein Pianist, für den eigens ein Klavier in den Keller geschafft wird und ein Gitarrist spielen.

Die härteren Sachen gibt es im Whisky-Keller. Verschiedene Whisky-Sorten können zu ­irischer Live-Musik probiert werden. Wer sich Mut angetrunken hat, wagt sich auch in den Seyboldschen Keller, wo den Besuchern das Gruseln gelehrt werden soll. Von dort aus starten auch zwei Kirchenführungen, und der Förderverein Stadtkirche stellt seine Arbeit vor. Ein wenig gruselig geht es auch im Pfarrhaus-Keller zu, wo es um Geräusche und Krimis geht.

Im Keller Pfaffengasse zeigen die Fotografen Armin Köhler und Hans-Jörg Hellwig ihre Fotos. Seine märchenhafte Seite zeigt Rauschenberg im Rathaus-Keller. Brass und Petry gibt‘s unter der alten Oberförsterei. Zwei Slammer treten auf, Karin Kirchhain liest aus ihren Geschichten. Zwischendurch gibt es Musik mit Saxophon, Geige und Gitarre. Und der Partykeller wird seinem Namen alle Ehre machen - bis tief in die Nacht.

von Matthias Mayer

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