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Stadthalle brummt, Kosten bleiben

Marketing Stadthalle brummt, Kosten bleiben

Das Management der Stadtallendorfer Stadthalle hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Es liegt in der Hand der Stabsstelle der Verwaltung. Wie sich zeigt, haben die Veränderungen im positiven Sinne gewirkt.

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Der Auftritt des Heeresmusikkorps war ein Höhepunkt unter den Veranstaltungen in der Stadthalle. 

Quelle: Klaus Böttcher (Archiv)

Stadtallendorf. Marburgs Stadthalle ist im vergangenen Jahr wiedereröffnet worden. Mit Spannung hat die Stabsstelle der Stadtverwaltung auf die Entwicklung der Buchungen für die Stadtallendorfer Stadthalle geschaut. Angesichts von 138 Veranstaltungen insgesamt ist der von manchem befürchtete Einbruch gegenüber 2015 nicht nur ausgeblieben. Im vergangenen Jahr gab es sogar 30 Veranstaltungen mehr.

Die Hallenvermarktung wie auch die Kundenbetreuung ruht in den Händen von Christoph Grimmel und Reiner Bremer. Beide verfügen inzwischen über einige Erfahrungswerte. Vor diesem Hintergrund peilen sie für das laufende Jahr auch eine etwas geringere Gesamtzahl bei den Veranstaltungen an. „Vielleicht war es im ein oder anderen Segment schon wieder etwas zu viel“, resümiert Bremer.

Bürgermeister Christian Somogyi ist mit der Entwicklung unter dem Strich jedoch hochzufrieden. Auch wenn sich an einem zentralen Punkt trotz der positiven Belegungszahlen­ nichts verändert: bei den Kosten. Das Stadthallen-Defizit liegt Jahr für Jahr bei rund 1,2 Millionen Euro. Dickster und alles entscheidender Brocken sind dabei die Abschreibungen, die bei rund einer Million Euro Jahr für Jahr liegen. Somogyi hat im Gespräch mit der OP eine einfache Rechnung parat: „Wir müssten täglich 3080 Euro einnehmen, um die Halle rentabel zu machen, das ist nicht zu schaffen“, macht er klar.

Stadthalle bleibt Zuschussgeschäft

Es habe eine klare Entscheidung der Politik für den Bau und die ­Bewirtschaftung der Halle gegeben, daran lasse sich nunmehr auch nichts mehr ändern. Die Stadthalle wird in Stadtallendorfs Haushaltsplänen also wie der Bäderbetrieb oder die Kinderbetreuung ein Zuschussgeschäft bleiben.

Was hat die positive Entwicklung bei der Stadtallendorfer Stadthalle ausgelöst? „Das offensivere und aggressivere Anbieten der Halle“, meint Somogyi, seine beiden Verwaltungsmitarbeiter Grimmel und Bremer unterstreichen das. Hinzu kommt, dass Stadtallendorf auch im Umland bis hinein in die Schwalm für die Halle und die Veranstaltungen dort wirbt. Das ist ein weiterer Faktor, der sich ausgezahlt hat, auch bei den Besucherzahlen.

Die Praxis, dass die Stadt selbst Veranstaltungen finanziert, um die Halle zu beleben, ist dabei längst Geschichte, weil nicht mehr notwendig. Ab 2010 habe die durch den Hessentag gewachsene Bekanntheit der Vermarktung Impulse gegeben, sagt Bremer.

Lange Zeit spielte das Thema Bestuhlung eine Rolle bei der Hallenbewirtschaftung. Das hat sich aus Sicht der Verwaltung relativiert, seit es keinen Zwang zur aufsteigenden Bestuhlung mit einer Kapazität von rund 700 Plätzen mehr gibt. Inzwischen ist eine ebenerdige Bestuhlung mit bis zu 1000 Plätzen möglich und zulässig. „Wobei wir Veranstalter schon beraten, ob eine ebenerdige Bestuhlung Sinn macht oder nicht“, schränkt Grimmel ein. Zusätzliches Gewicht bei der Hallenbelegung haben auch Tagungen und Kongresse erhalten. Dafür hatte die Stadtverwaltung noch einmal aufgerüstet und zum Beispiel Hochleistungsbeamer für Präsentationen angeschafft - damit der HD-Standard auch gewahrt werden kann.

Rat: Keine Ballung von Veranstaltungsarten

Bleibt ein Argument, das die Stadt bei ihrer weiteren Vermarktung der „guten Stube Stadthalle“ eher noch mehr hervorheben will: die Parkplatzsituation. Anders als in Marburg gibt es rund um die Anfang 2000 eingeweihte Stadthalle davon reichlich. In unmittelbarer Nähe der Halle sind es über 200, davon 69 in der Tiefgarage darunter. Wer einige Minuten Fußweg in Kauf nimmt, hat die Auswahl unter mehr als 700 weitere öffentliche und private Parkplätze.

Jemand, der die Stadthalle in Stadtallendorf wie auch die Situation in Marburg vor und nach der Sanierung gut kennt, ist Michael Deuker. Er ist Geschäftsführer des Veranstalters Depro Concert in Gemünden (Wohra). Deuker verteilt im Gespräch mit der OP zunächst Lob für die Stadtallendorfer Halle, deren Technik und deren aktuelle Vermarktung. „Das derzeitige Konzept ist zukunftsfähig“, sagt Deuker. Allerdings rät er der Verwaltung dazu, bei der Planung der Hallenbelegung noch deutlich mehr darauf zu achten, dass es keine Ballung von Veranstaltungsarten - Schlager zum Beispiel - geben sollte. „Eine schlecht besuchte Veranstaltung ist für den Veranstalter schlecht, aber auch für die Halle selbst“, sagt Deuker. Das nutze keinem. Er meint damit eine Marktsättigung ohne Not.

Deuker greift auch das Thema Parken und den Vergleich von Marburg und Stadtallendorf auf. Zum einen sieht er es kritisch, dass es nach der Sanierung in Marburg für Veranstalter selbst schwieriger geworden ist, mit großen Fahrzeugen an der Halle zu parken. Für ein Publikum jenseits der 50 Jahre sei der Parkplatzmangel rund um das Erwin-Piscator-Haus ein Manko. „Gerade wenn sie aus dem Umland kommen und auf das Auto angewiesen sind“, sagt Deuker. Depro habe bisher drei Veranstaltungen in der Stadthalle Marburg organisiert, dabei habe es von Besuchern vor allem Kritik an der Parksituation gegeben.

von Michael Rinde

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