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Stadtallendorfer wollen Teich behalten

Protest Stadtallendorfer wollen Teich behalten

Als „Ortstermin“ war die Zusammenkunft am "Marli-Teich" im Iglauer Weg in Stadtallendorf angekündig. Es wurde eine kleine Kundgebung für den Erhalt der jetzigen Teichanlage, die komplett verschwinden soll.

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Zahlreiche Teilnehmer der Veranstaltung versammelten sich am Ende demonstrativ am Ufer.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Zeitweise waren es zwischen 40 und 50 Stadtallendorfer, darunter vor allem Anlieger, die sich am Samstagvormittag am Teich im Iglauer Weg versammelten. Eingeladen hatte Bündnis 90/Die Grünen, politische Unterstützung gab es aber auch von Vertretern von Bürgerunion Stadtallendorf (BUS) und FDP an diesem Vormittag. Auf Plakaten waren Sätze wie „Hände weg vom Teich“ zu lesen. Die Stimmung unter den Bürgern war ganz eindeutig: Sie wollen, dass der Teich erhalten bleibt.

Zum Hintergrund: Im Sommer hatte das Stadtparlament nach einer intensiven Debatte mit den Stimmen von CDU und SPD beschlossen, den „Marli-Teich“ aufzugeben. Stattdessen, so die augenblickliche Beschlusslage, soll dort ein kleiner Park mit einer „Rasenmulde“ entstehen. Hauptargument für diese Entscheidung waren die Kosten (siehe Kasten).

Jetzt dürfte die Debatte noch einmal neu geführt werden. Zumindest in der Bauausschuss-Sitzung am 8. Dezember und der Stadtparlamentssitzung am 15. Dezember. Grüne, BUS und FDP beantragen die Rücknahme der Entscheidung, den Teich aufzugeben. Sie wollen ihn erhalten und lediglich sicherstellen, dass die Sicherheit der Anlage gewahrt bleibt. Die Kosten dafür sollen geprüft werden.

Die drei Fraktionen argumentieren mit dem Geld, unter anderem mit der „sich abzeichnenden Haushaltslage 2017“. Wie die genau aussieht, ist noch unklar. Entgegen der bisherigen Gepflogenheiten wird der Etatentwurf nicht in der Dezembersitzung eingebracht.

Am Samstag gab es von Bürgern klare Wortmeldungen. „Es ist unser Teich“, formulierte es eine Anwohnerin gegenüber der OP, unter anderem mit Hinweis auf dessen lange Geschichte. Sie reicht bis in die 1950er-Jahre zurück. Michael Feldpausch und Bernt Klapper warben für die Position der Grünen und stießen, gemessen am langen Applaus, zumindest bei den Anwesenden auf offene Ohren. Fehler der Vergangenheit, Wasserflächen und Bäche verschwinden zu lassen, dürften nicht immer wieder wiederholt werden. Eine Anwohnerin sprang ihnen bei: „Hier gibt es sogar Libellen zu sehen, wo, bitte, gibt es das noch in einer Stadt?“, fragte sie.

Auch neue Mieter wollen „Marli-Teich“ erhalten

Es habe viele Reaktionen auf den Stadtparlamentsbeschluss gegeben, sagt Feldpausch. Eine kommt von den Bewohnern der neuen Wohnanlage der Awo. Alle bereits eingezogenen Mieter haben einen Brief an Bürgermeister und Stadtverordnetenvorsteherin geschickt, in dem sie den Erhalt des Teiches fordern. Dass sich die Zuschüttung des Teiches auf dem Weg über eine Unter-Naturschutz-Stellung verhindern ließe, glaubt Feldpausch nicht. Dafür sei das Biotop leider nicht hochwertig genug. „Ein Biotop-Zustand lässt sich aber auch verbessern“, bemerkte ein Anwohner. Um gleich darauf zu ergänzen, dass der Teich seinem Gefühl nach in den vergangenen Jahren bewusst „stiefmütterlich“ behandelt worden sei. Es gebe Chancen auf einen Meinungswechsel bei CDU und SPD, meint Bernt Klapper und bezieht sich dabei nach eigener Aussage auf Gespräche mit einzelnen Parlamentariern.

Für eine reine Sanierung des vorhandenen Teiches müsste die Stadt auf noch verbliebene Fördergelder von 120000 Euro aus dem Programm „Soziale Stadt“ an dieser Stelle verzichten. In der zurückliegenden Debatte war aber auch klargeworden, dass diese Gelder an anderer Stelle einsetzbar wären.

Manfred Thierau (BUS) warb am Samstag bei den anwesenden Bürgern dafür, Ausschuss- und Stadtparlamentssitzung zu besuchen, auch wenn sie dort auf Wortmeldungen verzichten müssten. Das Stadtparlament hat die Zukunft des Teiches auch noch an anderer Stelle auf der Tagesordnung. Eine Große Anfrage der FDP widmet sich einer ersten naturschutzfachlichen Betrachtung aus dem Sommer. Nach Aussagen von Bürgermeister Christian Somogyi in der vorangegangenen Stadtparlamentssitzung wurde dabei festgestellt, dass es keine ökologisch besonders wertvollen Tierarten in dem Teich gibt, lediglich einen großen Goldfischbestand.

Der Bauausschuss tagt am 8. Dezember ab 19.30 Uhr im Besprechungsraum 1 im Rathaus, das Stadtparlament am 15. Dezember zur gleichen Zeit im Sitzungssaal neben der Stadthalle.

KOSTENDEBATTE

Bei der vom Parlament beschlossenen Variante „Rasenmulde“ sollen Kosten von rund 360000 Euro entstehen. Diese Variante hätte auch rund 15000 Euro niedrigere Folgekosten Eine Neugestaltung mit kleinerem Teich wurde mit 470000 Euro beziffert. Eine reine Sanierung der Anlage ohne Verschönerungen müsste noch einmal errechnet werden. Die FDP hatte einen Kostenvoranschlag eines Unternehmens in Höhe von 200000 Euro für eine reine Sanierung in die Debatte eingebracht.

von Michael Rinde

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