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Schwangere sind dankbar für jede Hilfe

Müttercafé Schwangere sind dankbar für jede Hilfe

Seit anderthalb Jahren ist das Schwangeren- und Müttercafé einmal im Monat Begegnungsort für Schwangere und junge Mütter aller Nationalitäten.

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Das Schwangeren- und Müttercafé hat sich in Stadtallendorf etabliert. Foto: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. Im Müttercafé finden die Frauen Rat bei Fragen rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt, die Gesellschaft anderer Frauen und die Hilfe von Diplom-Psychologin Heike Hanusch, den Pädagoginnen Iris Gräser und Maria Madert von der Schwangerenberatungsstelle LOK und von Asifa Haidari. Die Hebamme kommt aus Afghanistan, arbeitet am Uniklinikum Marburg, spricht perfekt Deutsch und die afghanische Amtssprache Dari und ist Brückenbauerin zwischen dem LOK-Beraterteam und den jungen Müttern. Zudem unterstützt eine arabisch sprechende Dolmetscherin das Projekt.

Durchschnittlich sind zehn junge Frauen da. Oft geht es um sozialrechtliche Fragen, um Kinder- und Elterngeld, oder um Fragen rund ums Stillen, wie man eine Hebamme findet, aber auch darum, wer wo helfen kann.

Einige der Frauen sind gerade erst nach Deutschland gekommen und müssen sich in einer völlig neuen Kultur und Gesellschaft zurechtfinden, andere leben schon zwei bis drei Jahre hier und suchen Austausch und Unterstützung im oft nicht leichten Alltag als junge Mutter. Viele der Frauen, die Hilfe suchen, sind traumatisiert und öffnen sich während der Gespräche. „Schwanger auf der Flucht zu sein, Hunger zu erleben, vielleicht von der Familie getrennt zu sein, oder vielleicht eine Traumatisierung im Herkunftsland erlebt zu haben, sind schwierige Situationen in einer Zeit, wo der Nestbau im Vordergrund stehen sollte“, beschreibt Diplom-Psychologin Heike Hanusch die Situation der Frauen.

Die Teilnehmerinnen kommen nicht nur aus Stadtallendorf, sondern auch aus Kirchhain und der näheren Umgebung. Fatema Alabdallah ist heute zum zweiten Mal ins Café gekommen. Erst vor wenigen Monaten hat die 30-jährige Psychologin ihre Heimat Syrien verlassen. Sie lebt in Kirchhain und erwartet Anfang November ihr Baby. „Das Café bietet eine schöne Umgebung, ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt und bin glücklich, dass ich davon erfahren habe“, sagt Fatema Alabdallah, die sich wünscht, möglichst schnell eine Hebamme zu finden. Den gleichen Wunsch hat Jelena Nad. Sie kommt ursprünglich aus Kroatien und erwartet in vier Wochen ihr Baby. Unterstützung erhält sie heute auch beim Ausfüllen des Antrags auf Kindergeld, damit alles fertig ist, wenn das Baby kommt. „Ich freue mich über die Hilfe“, sagt sie dankbar.

Als es die Erstaufnahmeeinrichtung in Stadtallendorf noch gab, sind viele Frauen von dort aus in das Café gekommen. In Verbindung steht man heute­ auch mit dem Camp in Neustadt.

Allerdings gibt es das Problem, dass der Weg für die schwangeren Frauen zum Bahnhof relativ weit ist. Beim Schwangeren- und Müttercafé verfolgt die Beratungsstelle mit der Suche nach „Sprachpatinnen“ derzeit ein neues Konzept.

Gesucht werden Frauen, die Lust haben, Schwangere und junge Mütter darin zu unterstützen, Deutsch zu lernen. Das kann im Einzelkontakt stattfinden oder während des Schwangeren- und Müttercafés.

Denkbar wäre auch, einzelne­ Frauen bei Behördengängen oder Arztbesuchen zu unterstützen. Nach anderthalb Jahren hat sich das Schwangeren- und Müttercafé gut etabliert und die Finanzierung, die über das Programm „Misch mit! Miteinander Vielfalt erleben“ läuft, ist bis zum Ende des Jahres sichergestellt. Interessierte „Sprachpatinnen“ können entweder einfach bei einem Café­termin vorbeikommen oder sich unter der Telefonnummer 06428/1035 melden.

Das nächste Schwangeren- und Müttercafé findet am morgigen Mittwoch, 19. Juli, von 10 bis 11.30 Uhr in der Schwangerenberatungsstelle LOK, Teichwiesenstraße 1 statt. Weitere Termine sind am 23. August, 20. September, 25. Oktober und 22 November geplant, jeweils zur selben Uhrzeit.

von Karin Waldhüter

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