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Ministerium sieht keinen Bedarf mehr

Hessen-Kaserne Ministerium sieht keinen Bedarf mehr

Die Erstaufnahmeeinrichtung ist nur noch im Bereitschaftsmodus vorhanden. Ansonsten braucht die Bundeswehr noch vier Gebäude in der traditionsreichen Stadtallendorfer Hessen-Kaserne.

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Das Gebäude 8 in der Hessen-Kaserne ist eine von drei noch genutzten Unterkünften. Dort übernachten Soldaten der Stabskompanie der Division. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Die wechselvolle jüngere Geschichte der Stadtallendorfer Hessen-Kaserne könnte im Laufe des nächsten Jahres endgültig zu Ende gehen - zumindest, was die Bundeswehrnutzung anbelangt.

Das Land Hessen hatte zuletzt im April klargemacht, dass es die stillgelegten Gebäude der Erstaufnahmeeinrichtung bis auf Weiteres in Reserve halten will (die OP berichtete). Der Mietvertrag mit dem Bund läuft noch bis Ende nächsten Jahres.Eine Anfrage dieser Zeitung beim Bundesverteidigungsministerium bekam eine klare Antwort: Für die Bundeswehr besteht keinerlei Bedarf mehr für die Kaserne über das Jahr 2018 hinaus. Das machte ein Sprecher deutlich.

Aktuell nutzt die Bundeswehr noch drei Unterkunftsgebäude und die zahnärztliche Station. Für letztere soll seit Jahren ein Ersatz in der Herrenwaldkaserne entstehen. Das Bundesverteidigungsministerium sieht keinen Grund, vom 2011 verkündeten Standortkonzept abzuweichen. Und das sieht die Aufgabe der Hessen-Kaserne im nächsten Jahr vor. Daran ändert offenbar auch die Tatsache nichts, dass es dank Erstaufnahmeeinrichtung sanierte Unterkünfte dort gibt (für die das Land Millionen Euro investierte). Auch die angekündigte Aufstockung der Bundeswehr „rettet“ die Hessen-Kaserne aus Ministeriumssicht nicht. Es gibt keinen Bedarf. „Eine Weiternutzung der Hessen-Kaserne stellt für die Bundeswehr wegen ihres baulichen Zustandes keine wirtschaftliche Option dar“, heißt es seitens des Sprechers eindeutig und mit Nachdruck.

Sobald die Bundeswehr einmal ausgezogen sein wird, kommt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (kurz Bima) zum Zuge. Sie übernimmt die Liegenschaft für die weitere Vermarktung. Wobei es zunächst offen bliebe, was mit den vom Land genutzten Gebäuden geschähe. Der Bund überlässt die Unterkünfte dem Land im Übrigen mietfrei. Etwa 300000 Quadratmeter umfasst der gesamte Komplex der Hessen-Kaserne. Sollte die Bundeswehr sie dieses Mal tatsächlich aufgeben, so stünde die Stadt in absehbarer Zeit „vor einer Riesen-Herausforderung“, wie es Bürgermeister Christian Somogyi formuliert. Er erwartet, dass die Stadt bei allen Schritten auf dem Weg zur Aufgabe der Kaserne einbezogen werde. Bisher sei das stets geschehen.

Seitens der Division Schnelle Kräfte, die Hauptnutzerin der Kaserne aufseiten der Bundeswehr, gibt es keine Rückmeldung zu den klaren Worten aus Berlin. In der Vergangenheit hatte die Division immer wieder betont, dass sie auch langfristig Bedarf für die Liegenschaft sehe. Nach Recherchen dieser Zeitung hatte sich die Division zuletzt dafür eingesetzt, die Nutzungsdauer der Hessen-Kaserne noch einmal bis 2023 zu verlängern. Offenbar ohne den gewünschten Erfolg. Anfang Mai hat es ein Gespräch zwischen der Bima, der Stadt und der Bundeswehr gegeben. Dabei sei es aber nicht primär um die Hessen-Kaserne, sondern um andere Liegenschaften wie das Betriebsstoff-Außenlager oder die frühere Munitionslager gegangen.

Altlasten und Autobahn berücksichtigen

Bei der Vermarktung werde die A49, die Erschließung des Areals über eine öffentliche Straße wie auch die Altlastensituation eine Rolle spielen, fasst es ein Sprecher der Bundesanstalt gegenüber der OP zusammen. Die Trasse der Autobahn ist in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kaserne geplant.

Es ist kein Geheimnis, dass rund um die Hessen-Kaserne Rüstungsaltlasten des Wasag-Werkes bestehen. 2004 wurde das gesamte Gelände erkundet. Auch die Bima will eng mit der Stadt Stadtallendorf zusammenarbeiten - zumal bei ihr schließlich auch die Planungshoheit für die gesamte Fläche liegt. Letzter Großverband in der Hessen-Kaserne war seinerzeit das Panzerbataillon 143, das im Jahr 2003 aufgelöst wurde.

von Michael Rinde

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