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Land zieht jetzt einen Schlussstrich

Erstaufnahme Stadtallendorf Land zieht jetzt einen Schlussstrich

Wann genau das Land die von ihm genutzten Kasernengebäude an die Bundeswehr zurückgibt, hängt von Gesprächen ab. Schließlich besteht ein Mietvertrag, wenn auch keine Miete fließt.

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Am 16. September 2016 verließen die letzten Flüchtlinge die Erstaufnahme Stadtallendorf, um an einen anderen Standort gebracht zu werden.

Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Theoretisch hätte das Land innerhalb von 24 Stunden die Erstaufnahmeeinrichtung in Stadtallendorf wieder in Betrieb nehmen können. So war es vorgesehen. Doch angesichts weiter zurückgegangener Flüchtlingszahlen verzichtet das Sozialministerium auf die Gebäude in der Hessen-Kaserne endgültig. Bürgermeister Christian Somogyi und der Landkreis haben entsprechende Schreiben aus Wiesbaden erhalten.

Ende 2015 bezogen rund 600 Bewohner des damaligen Zeltcamps am Bundeswehr-Sportplatz die in rekordverdächtiger Zeit sanierten fünf Gebäude in der ehemaligen Kaserne. Es geht um Unterkünfte, ein früheres Hörsaal- und ein Verpflegungsgebäude. Angesichts der sinkenden Flüchtlingszahlen verzichtete das Land aber schon frühzeitig auf zwei weitere Sanierungsabschnitte.

Zahlen

Nach Aufgabe der Reserve-Standorte in Stadtallendorf und Friedberg hat das Land Hessen noch acht Erstaufnahmeeinrichtungen einschließlich der in Neustadt. Drei Einrichtungen stehen in Reserve. Etwa 1.000 Flüchtlinge kamen monatlich in der Zeit von Januar bis Oktober nach Hessen. 

Ganz ursprünglich hatte das Land für Stadtallendorf, ähnlich wie für die Neustädter Erstaufnahmeeinrichtung, mit rund 1 .100 Bewohnern kalkuliert. Wie viel das Land genau in die Stadtallendorfer Einrichtung investiert hat, hat die Landesregierung nie veröffentlicht. Frühere Kalkulationen für den ersten Bauabschnitt lagen bei rund 2,5 Millionen Euro.

Auch nach der „Stilllegung“ der Erstaufnahmeeinrichtung blieb Personal vor Ort, schließlich sollten die Gebäude bei Bedarf innerhalb von Tagesfrist wieder bereitstehen. Doch dieser Bedarf ist nicht mehr eingetreten. Neben der Erstaufnahme Stadtallendorf gibt das Land auch den Reservestandort in Friedberg auf. Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) hält die Entscheidung des Landes für wenig überraschend. Für die Stadt ergäben sich dadurch keine Änderungen. Das Land wird jetzt erst einmal Gespräche mit dem Bund über die Rückgabe der Gebäude führen.

Sanierte Gebäude in leerer Kaserne

Spannend bleibt die Frage, ob die Aufgabe der Einrichtung Folgen für die weitere Nutzung der Hessen-Kaserne haben könnte. Schließlich stehen dort demnächst sanierte Unterkunftsgebäude leer. Wobei die Toiletten und Duschräume dort nach wie vor nicht mehr genutzt werden könnten. Aus Zeit- und Kostengründen hatte das Land bei der Sanierung stattdessen auf das Aufstellen von Containern vor den Gebäuden gesetzt.

Die Bundeswehr nahm für die Erstaufnahmeeinrichtung sogar ihr Heizwerk neben dem Bundeswehr-Hallenbad wieder in Betrieb. Auch das wäre in naher Zukunft entbehrlich. Im Durchschnitt lebten rund 240 Flüchtlinge in der Stadtallendorfer Erstaufnahme, zu Spitzenzeiten waren es mehr als 600 Menschen, betreut vom beauftragten Betreiber, dem DRK.

Der Bund hatte Mitte dieses Jahres erneut unterstrichen, dass er die Hessen-Kaserne wie ursprünglich vorgesehen im Laufe des nächsten Jahres aufgeben wird. Das wäre dann der größte Leerstand im Stadtallendorfer Stadtgebiet. „Ich gehe davon aus, dass uns die Bundeswehr weiterhin über jede Entwicklung unterrichtet“, sagt dazu Bürgermeister Somogyi.

In der Vergangenheit war bereits darüber spekuliert worden, dass Teile der Kasernenfläche als Gewerbegebiet interessant sein könnte. Aktuell nutzt die Bundeswehr ihrerseits noch drei Unterkunftsgebäude für Soldaten der Division Schnelle Kräfte, für die es in der Herrenwaldkaserne keinen Platz gibt. Außerdem befindet sich in der Hessen-Kaserne auch die zahnärztliche Station des Bundeswehrstandortes, die schon seit Jahren in die Herrenwald-Kaserne verlegt werden sollte.

von Michael Rinde

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