Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeschauer

Navigation:
Kleines Feuer, hoher Schaden

Gerichtsurteil zur Brandstiftung Kleines Feuer, hoher Schaden

In nichtöffentlicher Sitzung hat das Marburger Jugendschöffengericht über die Anklage gegen einen 18-Jährigen wegen eines Brandes an der Stadtallendorfer Georg-Büchner-Schule verhandelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Voriger Artikel
"Neutralitätspflicht verletzt"
Nächster Artikel
Briefwahl erreicht einen Rekordstand

An der Georg-Büchner-Schule entstand seinerzeit beträchtlicher Schaden, die Aula wurde nach dem Feuer gesperrt.

Quelle: Archivfotos

Stadtallendorf. Der 18-Jährige saß seit Ende April in Untersuchungshaft. Angeklagt war er wegen des Einbruchs in Gebäuden der Georg-Büchner-Schule, versuchter Brandstiftung und Hausfriedensbruchs. Angesichts des Alters des Angeklagten war es eine Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Solche Verhandlungen werden in der Regel auch im Vorfeld nicht angekündigt.

Die OP erfuhr auf Nachfrage von der Verurteilung, das Verfahren hatte mehrere Verhandlungstage gedauert. Laut Nicolai Wolf, Sprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, verurteilte ihn das Jugendschöffengericht zu einem Jahr und drei Monaten Haft und verhängte zunächst eine sogenannte Vorbewährung.

Die Vorbewährung ist eine Besonderheit des Jugendstrafrechts. Wird sie vom Gericht verhängt, so kommt es darauf an, dass der Betreffende über einen Zeitraum hinweg strafrechtlich nicht in Erscheinung tritt. Erst nach Ablauf der Vorbewährung entscheidet das Gericht endgültig über die Aussetzung der Haftstrafe zur Bewährung, den Bewährungszeitraum wie auch eventuelle Auflagen.

Haftbefehl wurde zwischenzeitlich aufgehoben

Im konkreten Fall hat das Jugendschöffengericht Marburg eine Vorbewährungsfrist von sechs Monaten festgelegt - das gilt immer unter der Voraussetzung, dass das Urteil rechtskräftig wird. Zwischenzeitlich wurde der bisherige Haftbefehl gegen den Mann aufgehoben.

Der Brand in der Georg-Büchner-Schule ereignete sich in den Morgenstunden des 10. März. Er war einer von sechs Bränden in jener fraglichen Nacht und galt bisher als Teil der unheimlichen Brandserie in Stadtallendorf. 35 Brandeinsätze gab es zwischen August 2016 und April 2017. Überwiegend hatte es sich dabei um angezündete Mülltonnen gehandelt. Es gab jedoch auch ein Feuer in einem Wohnhaus in der Schillerstraße - auch in jener Nacht auf den 10. März - und den Brand der Tennishalle im April.

Rund 75.000 Euro Schaden

Staatsanwalt Wolf betont gegenüber der OP, dass der 18-Jährige ausschließlich wegen der Straftaten an der Georg-Büchner-Schule angeklagt wurde. Die Ermittlungsbehörden waren dem 18-Jährigen seinerzeit durch DNA-Spuren in der Schule auf die Spur gekommen, ein Richter hatte Untersuchungshaft verhängt. Wegen der übrigen 34 Brände jener Serie laufen weitere Ermittlungen.

Seinerzeit hatte die Polizei an der Georg-Büchner-Schule in einer ersten Stellungnahme von eher geringen Schäden durch Einbruch und Brände gesprochen. Doch wie sich im Nachhinein herausstellte, war die Schadenshöhe beträchtlich. Kreissprecher Sascha Hörmann spricht von rund 75.000 Euro Schaden, der entstanden sei. Knapp 72.000 Euro entfallen auf Gebäudeschäden, weitere rund 3.000 Euro auf das Inventar. Betroffen waren das Haus 10, ein Teil der Mensa, die Aula, ein Computerraum und das ­Bistro im Haus 1 und 2.

Versicherung hat Kreis die Schäden erstattet

Ein Grund war die immense Rauchentwicklung, auch wenn die an zwei Stellen entstandenen Feuer schnell wieder erloschen. Neben Reinigungs- und Anstricharbeiten kamen auch Schäden an der Lüftungs- und Klimatechnik in der Aula und an Teilen der Brandmelde­anlage.

Die Versicherung hat dem Kreis mittlerweile sämtliche Schäden erstattet, einschließlich der entwendeten Laptops und anderer Einrichtungsgegenstände. „Dementsprechend muss der Landkreis nicht mehr auf den Schadensverursacher zurückgreifen. Das wird der Versicherer nun für sich entscheiden müssen“, erläutert Kreissprecher Sascha Hörmann.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr