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Hundehalterin kritisiert die Stadtverwaltung

Rattengift Hundehalterin kritisiert die Stadtverwaltung

Mischling Sambo starb bereits im September an einer Vergiftung, um Border Collie Smokey sorgt sich die Familie Dietrich noch immer. Sie glaubt, dass ein Hundehasser Köder mit Rattengift auslegt.

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Mischling Sambo (links) kostete das Rattengift das Leben. Border Collie Smokey leidet weiterhin unter der Vergiftung. Seine Darmschleimhaut hat sich noch immer nicht erholt.Privatfoto

Stadtallendorf. Noch immer ist die Frage offen: Legt ein Unbekannter im Wasag-Gebiet und bei Erksdorf vergiftete Köder aus oder ist jemand schlicht und ergreifend beim Auslegen von Rattengift nicht vorsichtig genug? Für Hundehalterin Heike Dietrich ist der Fall klar: Es muss ein Tierhasser am Werk sein. Marco Sommer, Fachdienstleiter von der Stadt, betont, dass es noch zu früh sei, sich ein Urteil zu bilden. Er nimmt weiterhin Hinweise zu vergifteten Hunden entgegen, forscht aber auch selber nach, da Bürger erst zwei Fälle gemeldet haben: Einer ereignete sich im Mai im Wasag-Gebiet, zudem gab es Vorfälle im Frühling in Burgholz und im Februar in Speckswinkel. Dort allerdings auf dem Grundstück, auf dem das Tier lebt: „Ob ein Zusammenhang besteht, kann ich nicht sagen. Wir behalten den Fall aber im Auge, weil Stadtallendorf-Erksdorf-Speckswinkel ja eine Art Dreieck ist“, betont Sommer, der derzeit auch die Tierarztpraxen abklappert und Fälle sammelt.

Auf rund zehn vergiftete Hunde kommt er bisher - steht aber auch selber in der Kritik, zumindest bei Heike Dietrich. Sie moniert, dass die Stadt erst weit über einen Monat, nachdem ihr Hund Sambo an einer Intoxikation mit Rattengift gestorben war, die Öffentlichkeit informierte: „Die Stadt hat nicht zu spät gehandelt, sie hat gar nicht gehandelt.“

„Noch am selben Tag, an dem mich Frau Dietrich kontaktiert hatte, wandte ich mich ans Veterinäramt. Dort erhielt ich die Auskunft, dass man als Behörde wenig Möglichkeiten hat, etwas zu tun: Wir hatten einfach keinen bestätigten Fall - sonst hätten wir früher etwas unternommen“, begründet Sommer sein Handeln. Inzwischen hat er erfahren, dass bereits im September im Wasag-Gebiet Schilder aufgehängt wurden, mit denen ein Bürger die Hundehalter vor vergifteten Ködern warnte.

Anfang September war Heike Dietrich mit Sambo beim Gewerbegebiet Nordost auf Gassi-Tour. Dort habe sie gesehen, dass er etwas frisst: „Später hatte er etwas dünnen Stuhlgang und weniger Appetit. Aber im ersten Moment habe ich mir keine Sorgen gemacht, weil das bei Hunden ja auch mal vorkommt.“

Sechs Tage später verweigerte Sambo morgens dann die Nahrungsaufnahme, fraß dann abends aber wieder normal. Tags darauf wurde Dietrich unruhig, als der Magen ihres Tieres laut gluggerte und der Mischling sich erbrach. Die Tierärztin konnte äußerlich nichts feststellen und behandelte ihn auf Magen-Darm-Infekt, berichtet Dietrich. Abends sei ihr Hund dann gestorben.

Als sei das der Tragödie nicht genug, zeigte zwei Tage später ihr Collie Smokey die gleichen Symptome. Die Tierärztin nahm Blut ab, untersuchte den zu diesem Zeitpunkt grünlich-schwarzen Stuhl und konnte das Tier retten. „Sein Magen-Darm-Trakt ist aber immer noch nicht in Ordnung. Seine Magenschleimhaut hat sich noch nicht erholt“, berichtet Dietrich.

Tierärztin Dr. Ute Vogel weist darauf hin, dass es bei einer Vergiftung mit Rattengift verschiedene Symptome geben könne: Neben Durchfall und Erbrechen seien dies durch Blut in der Lunge ausgelöste Hustenreize, scheinbar grundlose Blutungen der Schleimhäute oder plötzlich auftretende Hämatome. Es könne aber auch dazu kommen, dass Wunden nicht aufhören zu bluten. Grob zusammengefasst verhindert Rattengift im Körper eines Hundes die Neubildung von Gerinnungsfaktoren - das allerdings erst frühestens drei Tage, nachdem das Gift in den Körper gekommen ist. „Wo sich die Vergiftung als erstes zeigt, weiß man nicht. Manchmal gibt es auch gar keine Symptome“, resümiert Vogel.

Dietrich jedenfalls geht mit Smokey nur noch in Großseelheim spazieren. Der Verlust Sambos schmerzt weiterhin, da der Hund quasi ein Teil der Familie war. Und so appellierte sie an ihre Mitmenschen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und mehr miteinander zu reden. Hundehalter sollten beispielsweise stets die Haufen ihrer Tiere entfernen - und Menschen, die Hunde nicht mögen, sollten lieber den Dialog suchen, als sich so lange zu ärgern, bis sie zum Giftköder greifen.

von Florian Lerchbacher

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