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Gipfelteilnehmer peilen einen Campus-Bau an

Schulentwicklung Gipfelteilnehmer peilen einen Campus-Bau an

Der Kreis als Schulträger schlägt bei der Zukunftsplanung für die Stadtallendorfer Kernstadt ­einen neuen Weg ein. Er sucht die moderierte Diskussion mit allen Beteiligten.

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Rund um die Georg-Büchner-Schule sieht der Kreis zusätzlichen Bedarf für Unterrichtsräume und Betreuungsangebote bis hin zu ­einer Gemeinschaftsmensa.

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Noch ist es Zukunftsmusik, noch steht der Diskussionsprozess ganz am Anfang. Aber Ende Mai gab es in Stadtallendorf den ersten „Schulgipfel“ für die Kernstadt. Ein neuer Weg aus Sicht des Landkreises. Es geht um die Frage, wie sich Schulangebote räumlich aber zugleich auch pädagogisch in Stadtallendorf weiterentwickeln. Hintergrund sind steigende Schülerzahlen und die Tatsache, dass der künftige Schulentwicklungsplan im Entstehen ist. Er bildet ab, was sich kreisweit in Sachen Schulgebäude tun soll oder tun muss.

Die Zeiten sinkender Schülerzahlen sind zu Ende, so Dezernent Marian Zachow, ein Umdenken ist erforderlich. Die aktuelle Bertelsmann-Studie hält die Schulen in Deutschland für unvorbereitet auf den sich abzeichnenden Schülerboom.

Am „Schulgipfel“ waren neben dem verantwortlichen Landkreis vier Schulen, das Staatliche Schulamt Marburg, die Stadt Stadtallendorf, aber auch die Jugendpflege und beide Kirchengemeinden beteiligt. Schon das zeigt den Blick „über den Tellerrand“. Moderator ist ein unabhängiger Experte, Schulbauberater Sascha Buurman, Architekt und Pädagoge mit entsprechender Zusatzqualifika­tion. Eines ist aus Sicht des Schuldezernenten gesichert: „Kein Grundschulstandort in Stadtallendorf wird aufgegeben“, wie Zachow zusagte.

Damit erneuerte er zugleich eine frühere Aussage, dass auch der Standort Nordschule im alten Dorf erhalten bleiben wird (die OP berichtete). „Wir würden das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn wir jetzt einen Standort aufgäben“, so der Dezernent.

Schulformübergreifende Zusammenkommen hat besonderen pädagogischen Reiz

Neu war ein anderes Diskussionsergebnis dieses ersten Gipfels: Möglicherweise entsteht im Umfeld der Georg-Büchner-Schule ein Funktionsgebäude, das mehrere Schulen nutzen könnten. Es enthielte eine Mensa, interessant vor allem für die Grundschule I, die Astrid-Lindgren- wie auch die Landgräfin-Elisabeth-Schule. Hinzu kämen Lern- und Gruppenräume. Solche Räume wären dann außerhalb des Unterrichts auch für andere Institutionen (zum Beispiel die Jugendpflege) nutzbar. Das schulformübergreifende Zusammenkommen von Schülern, auch mit Behinderungen und aus verschiedenen Jahrgangsstufen, hat aus Sicht der Gipfelteilnehmer besonderen pädagogischen Reiz.

„Es gibt rund um die Georg-Büchner-Schule Raumbedarf, bei den Schulen gibt es den Wunsch nach besserer Verpflegung aber auch nach Fachräumen“, fasst Schuldezernent Zachow die ersten Rückmeldungen aus den Schulen zusammen. ­Etwas außen vor steht dabei die Grundschule II mit ihren beiden weiter entfernt liegenden Standorten. Dort investiert der Kreis allerdings ganz aktuell im großen Stil an der Waldschule.

Zachow stellte ausdrücklich heraus, dass es mit dem denkbaren Gemeinschaftsgebäude nicht um eine „Sparlösung“ ­gehe. Vielmehr sieht er es als ­Ergänzung. Investitionen in die vorhandenen Schulgebäude sollen deshalb nicht gestreckt oder gestrichen werden. Denkbar ist es vielmehr, dass Schüler einen Teil ihres Tages in ihrer Schule verbringen, um dann anschließend für Zusatzangebote bis hin zum Mittagstisch in das Campusgebäude umzuziehen.

Schulbauberater Buurman machte gestern klar, dass es darum gehe, sehr langfristig zu denken und zu planen, etwa bis in das Jahr 2040 hinein. „Und dabei geht es auch um pädagogische Konzepte, die erst noch entstehen müssen“, verdeutlichte er. Schule müsse anders werden, lautete die Überschrift von Marian Zachow für den Schulgipfel, der in den nächsten Monaten fortgeführt wird.

"Den Schulen wird nichts aufgepropft"

Ganz wichtig ist allen Beteiligten dabei, dass es keinerlei Festlegungen gibt. Der gesamte Diskussionsprozess wird ergebnisoffen verlaufen. „Den Schulen wird nichts aufgepropft“, betont Thilo Traub vom Schulamt.

Den erstmals eingeschlagenen Weg über „Schulgipfel“ und anschließende Arbeitsgruppen sowie die Diskussionen innerhalb der Schulen hält Schulamtsleiter Arno Bernhardt für „enorm wichtig“. Er nannte gestern Beispiele für die anstehenden Herausforderungen, vor denen Schulen stünden. Die Schülerschaft werde immer heterogener, der Bedarf nach Betreuung und familiären Strukturen veränderten sich, das Wissen und dessen Vermittlung über das Internet wachse. „Es geht um die Sicherung und den Ausbau eines hochwertigen Angebots“, so sein Fazit.

Bürgermeister Christian Somogyi begrüßt den begonnenen und von der Stadt mitinitiierten Diskussionsprozess nachdrücklich. „Ich glaube, das ist der richtige Weg, die ersten Ideen gefallen mir“, betont er. Angesichts wachsender Neubaugebiete hält er es für unabdingbar, dass alle Grundschulstandorte erhalten bleiben.

Was davon umgesetzt wird, hängt nicht nur vom Ergebnis der Diskussion ab. Am Ende geht es wieder einmal um die Finanzierung und darum, ob der Kreistag als Entscheidungsgremium den Vorschlägen auch folgt.

Mindestens ein Jahr, eher länger, soll die Diskussion mit allen Beteiligten nun dauern, bis es konkrete Vorstellungen und Vorschläge gibt.

von Michael Rinde

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