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Gießerei Winter baut neues Technikzentrum

Millioneninvestition Gießerei Winter baut neues Technikzentrum

Eine gute Nachricht für den Industriestandort Stadtallendorf: Die Eisengießerei Fritz Winter will einen mehrstelligen Millionenbetrag investieren und zugleich mehrere Hundert Arbeitsplätze sichern.

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Die Bearbeitung von Bremsscheiben verlagert die Gießerei komplett in ihr geplantes neues Technologiezentrum.

Quelle: Eisengießerei Fritz Winter

Stadtallendorf. Winter-Geschäftsführung, Betriebsrat und Bürgermeister verkündeten die frohe Kunde am Donnerstagmorgen gemeinsam in einem Pressetermin. Stadtallendorf, Stammsitz der Eisengießerei Fritz Winter, hat sich in einem europaweiten Wettbewerb durchgesetzt. Das Industrieunternehmen baut im Gewerbegebiet Nord-Ost ein „Technologiezentrum Bremsen“.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Stadtallendorf, die Nähe zum Stammwerk und auch die gute Zusammenarbeit mit der neuen Führung des Winter-Betriebsrates hätten am Ende den Ausschlag gegeben. Baubeginn ist noch in diesem Jahr, bereits Mitte nächsten Jahres soll die Produktion im neuen Technologiezentrum anlaufen.

An diesem Standort will Winter die Entwicklung und Produktion von Bremsscheiben konzentrieren. Es entstehen Produktionsstätte und Verwaltungsgebäude, Guss ist am künftigen Standort Daimlerstraße im Gewerbegebiet dabei nicht vorgesehen. Es geht um die mechanische Bearbeitung, die sich derzeit auf das Stammwerk und weitere Winter-Standorte verteilt. Sie wird künftig an der neuen Fertigungsstätte konzentriert.

Jörg Rumikewitz, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Eisengießerei Winter, betont, dass es sich um eine Verlagerung handelt, also durch den Standort Gewerbegebiet zunächst keine zusätzlichen Produktionskapazitäten entstehen. Auf Nachfrage erläuterte Rumikewitz, dass sich das Technologiezentrum auch auf den Lieferverkehr am Stammstandort positiv auswirken wird.

Es wird Verlagerungen und damit Entlastungen geben. Wie wichtig dieses Millionenvorhaben für das Unternehmen und die Region ist, wird aber vor allem auf einen anderen Feld klar: „Ohne dieses Projekt hätte es ein Risiko für mehrere Hundert Arbeitsplätze gegeben“, unterstrich Rumikewitz.

Raum für weitere Expansion

Dementsprechend groß ist die Erleichterung bei der aktuellen Betriebsratsführung. Norbert Genth, stellvertretender Vorsitzender des Gremiums, räumte freimütig ein, dass ihm das Thema vor der Entscheidung manche schlaflose Nacht bereitet habe. „Es war klar, hier steht was auf dem Spiel“, sagt Genth.

Betriebsrats-Vorsitzender Otto Kotke fasst die jetzige Entscheidung und deren Bedeutung so zusammen: „Wir sind Stadtallendorfer und sehr froh darüber, dass wir nach dieser Entscheidung jetzt hier sitzen.“

Im Stammwerk gewinnt Winter durch den Neubau und die Verlagerung Möglichkeiten für weitere Expansion. In welchen Schritten und wie das geschehen wird, ließ Rumikewitz gestern noch offen. Das hänge auch von der Marktentwicklung ab. Die Planungen für das Technologiezentrum sind ein Element der langfristigen Entwicklungsstrategie der Eisengießerei.

Wie diese Zeitung berichtete, hat die Eisengießerei Fritz Winter in Franklin in den USA eine neue Produktionsstätte errichtet und ist auch in China engagiert. „Unsere Internationalisierungsprojekte haben dazu beigetragen, dass das Technologiezentrum möglich wird“, sagt Rumikewitz. Im neuen Werk in Franklin wird die Produktion derzeit hochgefahren.

Winter will sich aber auch auf dem europäischen Markt für die Zukunft positionieren. Die Konzentration der Kompetenzen im Bereich Bremsen an einem neuen Standort mit klarer Struktur und deutlich verbesserten Abläufen sei ein wichtiger Baustein dafür, so Dr. Manuel Stark, Leiter Unternehmensentwicklung bei der Eisengießerei Fritz Winter.

Erweiterung des Gewerbegebiet Nord-Ost?

Die Genehmigungsverfahren für den Neubau seien weit fortgeschritten, so Stark. Nach jetzigem Stand steht dem Baubeginn noch in diesem Jahr nichts mehr entgegen. Das Grundstück liegt im hinteren Bereich des Gewerbegebietes Nord-Ost. Die Stadt stand seit April vergangenen Jahres in Verhandlungen mit der Eisengießerei Winter. Politik und Verwaltung seien sich stets einig gewesen, betonte Stark. „Wir sind sehr froh über das jetzige Ergebnis“, betonte er.

Das Unternehmen hat ein etwa 37000 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbegebiet erworben, etwa ein Viertel der ursprünglichen Gesamtfläche, die die Stadt seinerzeit erschlossen hatte. Damit ist zugleich das Gewerbegebiet bis auf eine Restfläche von rund 12000 Quadratmetern „ausverkauft“. Zwei große Grundstücke sind derzeit fest reserviert, von welchen Unternehmen, ist noch nicht bekannt. Die Stadt führt Verhandlungen.

Bürgermeister Christian Somogyi sieht die Stadt jetzt auch vor der Aufgabe, in naher Zukunft weitere Gewerbeflächen auszuweisen. Ob das Gewerbegebiet Nord-Ost dabei erweitert werden könnte oder nach ganz neuen Flächen gesucht werden muss, ließ Somogyi zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Nach dem Autohof-Neubau ist das neue Technologiezentrum des Industrieunternehmens das zweite Großvorhaben im Gewerbegebiet. Dass sich die Eisengießerei Winter am Ende für diesen Standort entschieden hat, hängt auch mit dem absehbarer gewordenen Weiterbau der A49 zusammen. „Wir bauen schon darauf, dass die Autobahn nun weitergebaut wird. Das wäre ein Wettbewerbsvorteil für unseren neuen Standort“, sagt Jörg Rumikewitz.

von Michael Rinde

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