Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Die Truppe hat einige Bedenken

Geplantes Baugebiet Die Truppe hat einige Bedenken

Etwa 3,5 Hektar ist die Fläche groß, die ein Investor in ein Baugebiet verwandeln will. Ein- und Mehrfamilienhäuser sind vorgesehen. Die Bundeswehr hat Bedenken wegen möglicher Konflikte rund um Lärm und Sicherheit.

Voriger Artikel
Hilfe beim Gang vor die Haustür
Nächster Artikel
Die "Feuerschweinchen" gehen an den Start

Entsteht in direkter Nachbarschaft zur Herrenwaldkaserne ein Wohngebiet? Das Foto zeigt den ­Kasernenzaun an der Niederrheinischen Straße.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Viel ist über das geplante Baugebiet „Am Schmiedeweg“ noch nicht bekannt. Die Parlamentarier erfuhren von den Überlegungen und Planungen eines Investors eher am Rande in zwei Ausschusssitzungen vor der Sommerpause. Dort hatte die Verwaltung einen Überblick über die Entwicklung der Wohnungssituation und den Baugebieten gegeben.

Die Fläche, um die es geht, ist rund 3,5 Hektar groß. Aktuell stehen dort nur noch zum Teil genutzte Gewerbegebäude. Sie ist begrenzt vom Schmiedeweg und der Straße „Zum Wasag-Bahnhof“. Wer der Investor ist und was er im einzelnen für eine Bebauung vorsehen will, ist noch nicht öffentlich geworden. Klar ist: Es sind in vorderer Reihe Einfamilienhäuser und im hinteren Feld mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser vorgesehen.

Planungen laufen im Stillen

Die Planungen für das Gebiet laufen schon längere Zeit, bisher in aller Stille. Auch in den Ausschusssitzungen gab es keine tiefergehenden Informationen. Offenbar ist ein sogenannter vorhabenbezogener Bebauungsplan vorgesehen.

Die Bundeswehr wäre der direkte Nachbar. Nur wenige Meter Luftlinie lägen zwischen den Zäunen des technischen Bereichs und dem Baugebiet. Wie nahe die ersten Gebäudezeilen an die Herrenwaldkaserne heranreichen werden, ist nach Recherchen dieser Zeitung noch nicht abschließend geklärt.

Bundeswehr hat erhebliche Bedenken

Im Januar bat die Stadtverwaltung die Bundeswehr um eine Einschätzung für die Überlegungen. Und bekam eine klare Antwort zurück.

Die Stellungnahme oblag dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr. Die örtlichen Stellen der Bundeswehr waren eingebunden. Die OP fragte bei der Behörde nach deren Einschätzung. Zu einer Ausweisung als allgemeines Wohngebiet bestünden bei dieser Fläche erhebliche Bedenken, erklärte ein Behördensprecher. Und das offenbar gleich aus mehreren Gründen: Hauptargument ist der Lärm. In der Herrenwaldkaserne sind aktuell mehr als zehn verschiedene Dienststellen untergebracht, darunter der Stab der Division Schnelle Kräfte, einer der wichtigsten Verbände der Bundeswehr mit besonderen Fähigkeiten. Teile jenes Stabes ließen sich im Einsatzfall mitsamt Gerät innerhalb von 24 Stunden verlegen. Fahrzeuge und Material lagern im technischen Bereich der Herrenwaldkaserne. Nicht nur von der Division.

In der Herrenwaldkaserne ist auch eine Kompanie des Versorgungsbataillons 7 aus Unna stationiert. Eine Aufgabe dieser Einheit ist die Reparatur von schweren Bundeswehrfahrzeugen und der Einsatz von Bergepanzern. All das kann Lärm verursachen, auch nachts und an Sonn- und Feiertagen je nach Situation. Auflagen könnten zu nicht hinnehmbaren Nutzungsbeschränkungen führen, betont der Behördensprecher gegenüber dieser Zeitung. Es gibt einen weiteren Gesichtspunkt, der den Bundeswehrverantwortlichen Sorgenfalten beschert. Je nach Bauweise der Mehrfamilienhäuser wäre die Kaserne weiträumig einsehbar. Durch die im Projektentwurf angedachte Bebauung könne eine „Ausspähung der Kaserne“ nicht ausgeschlossen werden, heißt es hierzu aus Bonn vom Bundesamt.

Bürgermeister und Investor wollen keine Konflikte

Zwischenzeitlich hat es offenbar Gespräche gegeben. Ende und Ausgang scheinen offen. Noch befindet sich alles im Projektstadium. Ein formales Verfahren für die Aufstellung eines Bebauungsplans ist noch nicht eingeleitet. Das müsste durch das Parlament geschehen.

Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) verweist auf Nachfrage der OP darauf, dass ein weiterer Gesprächstermin anberaumt sei. Danach werde sich entscheiden, wie sich die Dinge weiterentwickelten. Es seien die Interessenlagen von Investor, Stadt und Bundeswehr übereinanderzubringen. Man habe sich darauf verständigt, einen weiteren Dialog zu führen. Somogyi betont: „Ein gutes Miteinander mit der Bundeswehr ist für mich ein ganz wichtiges Element. Das riskiere ich nicht für ein Baugebiet.“ Auch der Investor wolle keinen Konflikt, sondern setze auf eine gute Nachbarschaft zur Bundeswehr.

Läuft das formale Bebauungsplanverfahren, so bekommt die Bundeswehr als Träger öffentlicher Belange die Möglichkeit zur Stellungnahme. Bisher laufen alle Statements noch als Vorabinformation. Sollte ein Bebauungsplan ohne Berücksichtigung der Bundeswehrbelange in Kraft treten, bliebe der Bundeswehr letztlich noch der Klageweg vor dem Oberverwaltungsgericht, wie der Behördensprecher der OP erläuterte.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr