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Burgfrieden sicherte das unteilbare Eigentum

Rundgang durch den Samtbau Burgfrieden sicherte das unteilbare Eigentum

Zum Tag des offenen Denkmals öffnete die Familie Schenck zu Schweinsberg die Türen des Samtbaus.

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Im Festsaal des Samtbaus findet immer im Juni ein Familienfest statt. Gefeiert wird, bis die Kerzen der Kronleuchter abgebrannt sind.

Quelle: Stefanie Wellner

Schweinsberg. „Der Name kommt nicht, wie man denken könnte, von dem Stoff Samt, sondern leitet sich von dem Wort Gesamtbau ab“, erklärte Curt-Ekkehard Freiherr Schenck zu Schweinsberg gleich zu Beginn. Der Hausherr und sein Vetter Helmut Freiherr Schenk zu Schweinsberg führten die Besucher durch den Festsaal, das Damenzimmer, das Konferenzzimmer im Obergeschoss und erzählten aus der Familiengeschichte.

Der Samtbau wurde 1868 nach den Plänen des Architekten Georg Gottlob Ungewitter erbaut, der auch die Pläne für die Kirche in Amöneburg lieferte. Das Bauwerk ist im Stile der Neogotik und mit Elementen der Neorenaissance errichtet worden. Seit seiner Erbauung dient das Gebäude der Familie als Verwaltungssitz und für Zusammenkünfte.

Die Stadt und das Denkmalamt unterstützten

Noch heute beherbergt der Samtbau im Erdgeschoss das Schenck‘sche Forstamt. Die Räume im Obergeschoss beeindrucken durch ihre Originalausstattung und Möblierung aus dem 19. Jahrhundert. Die Leuchter im Festsaal, die erst im vergangenen Jahr erneuert wurden, werden immer noch mit Kerzen bestückt. Früher konnte man die Leuchter absenken, der Mechanismus wurde aber aus ökonomischen Gründen nicht mehr repariert. Heute muss man mit Leitern hochsteigen, um die Leuchter zu bestücken.

„Immer im Juni gibt es einen festlichen Abend, zu dem die Familie zusammenkommt. Dann wird so lange gefeiert bis die Kerzen heruntergebrannt sind und es draußen wieder hell wird“, erzählte der Freiherr. Ein kleines Fenster im Festsaal verbindet ihn mit einem dahinter liegenden Raum für die Musiker. „Wenn man das Fenster öffnete, hatte die Musik genau die richtige Lautstärke, um sich noch unterhalten zu können. Heute haben wir allerdings Lautsprecher“, erläuterte der Hausherr.

In den vergangenen Jahren wurden auch die bunten Fenster renoviert und die Bestuhlung im Damenzimmer neu gepolstert. „Das Gebäude - und vor allem das Obergeschoss - im Originalzustand zu erhalten war auch dank der Unterstützung der Stadt Stadtallendorf und des Denkmalamtes möglich“, sagte Schenck.

Stiftung soll Gebäude erhalten

In einem Vertrag, dem sogenannten Burgfrieden, regelte die Familie wichtige Angelegenheiten, wie die Verwaltung der Ländereien, die Erbregelung oder Streitigkeiten innerhalb der Familie. „Der älteste erhaltene Burgfrieden stammt aus dem Jahr 1447“, berichtete Freiherr Schenck zu Schweinsberg, der derzeit zweiter Baumeister ist. In diesem Vertrag war auch geregelt, dass vom Gesamteigentum jeweils nur die Nutzung vererbt werden kann. Eine Veräußerung der Stammgüter wurde untersagt. Damit konnte die Familie ihren Besitz bis ins 19. Jahrhundert erhalten.

Der erste und zweite Baumeister, der jeweils älteste der beiden Familienlinien, Schweinsberg und Hermannstein, verwalteten die Familienbesitz­tümer. Bis ins 18. Jahrhundert waren die Schencken weder den Landgrafen von Hessen noch den Erzbischöfen des Bistums Mainz unterstellt und konnten sich eine gewisse Sonderstellung erhalten.

Jeder männliche Schenck musste mit 21 Jahren „aufschwören“ und bekundete damit, den Vertrag einzuhalten. Diese Tradition wurde bis Mitte der 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts weitergeführt. Nach 1952 verlor der Burgfrieden seine Gültigkeit und bei Erbschaften wurde real geteilt. Heute hat die Familienstiftung Samtbau, die nach wie vor von den beiden Baumeistern geführt wird, die Aufgabe, die Gebäude zu erhalten.

von Stefanie Wellner

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