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Alena Weitzel hat großes Ziel fest im Blick

Als Straßenmusikerin nach Frankfurt Alena Weitzel hat großes Ziel fest im Blick

Sie will Straßenmusik machen, in Frankfurt, mit ihrer Gitarre. Dafür übt Alena Weitzel jeden Tag und nimmt sogar Gesangsunterricht.

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Alena Weitzel will als Straßenmusikerin in Frankfurt Erfahrungen sammeln. Dafür nimmt sie Gesangsunterricht.

Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. „So come on let it go. Just let it be. Why don‘t you be you. And I‘ll be me…“ Ein Refrain, den jeder kennt. Aber die Stimme ist anders. Sie ist nicht von James Bay, sie ist von Alena Weitzel. Das Mädchen aus Stadtallendorf singt ihn anders. Als wenn es ihr Lied ist, als wenn sie den Song für sich geschrieben hat. Mal weich und leise, mal laut und betont – voller Selbstverständlichkeit. Sie kopiert nicht, sie interpretiert.

Den ganzen Tag hört Alena Musik. Morgens auf dem Weg zur Schule, nachmittags beim Üben in ihrem Zimmer. Kein Wunder also, dass sie die Texte von gut 50 Liedern kennt. Hinzu kommen die Griffe an der Gitarre. Auch die beherrscht sie aus dem Effeff. „Außer bei Peter Maffay. Da brauche ich die Noten“, sagt die 16 Jahre alte Schülerin mit einem Augenzwinkern. Musik ist ihr Leben. Sie spielt zwar auch Basketball in Kirchhain und Fußball in Roßdorf, aber ohne Musik geht es einfach nicht.

Angefangen als Chorsängerin im Kindergarten hatte sie im ersten Schuljahr ihren ersten Auftritt – auf der Kommunion ihrer Schwester. Mit acht Jahren verliebte sie sich dann in die Gitarre. „Das Instrument hat mich sofort angesprochen. Man kann sie überall mit hinnehmen.“ Zu Freunden auf den Geburtstag oder auf Ferienfreizeiten oder zu Auftritten. Von denen hat Alena schon etliche bei Hochzeiten, Gottesdiensten und für die Musikschule absolviert. Aber meist im Hintergrund, als Beiwerk, als Rahmenprogramm.

Das will sie jetzt ändern. „Ich möchte irgendwann meine eigene Musik spielen und damit Geld verdienen.“ Und schon fangen die braunen Augen an zu leuchten. Sie sagt das mit voller Überzeugung. Die ersten eigenen Texte gibt es schon über sehr private Themen. „Ich versuche meine Gedanken in andere Worte zu fassen“, wird Alena nachdenklich. Wenn ihr Ideen kommen, dann singt oder spricht sie diese auf ihr Handy.

Seit Anfang des Jahres nimmt sie professionellen Gesangsunterricht. „Früher habe ich immer irgendwie gesungen und die Gitarre stand im Vordergrund“, erzählt die Stadtallendorferin. Jetzt arbeitet sie daran, dass es ab sofort anders herum wahrgenommen wird. „Sie soll aus dem Liedermachermodus heraus kommen und nicht immer auf Sicherheit singen“, erklärt ihre Gesangslehrerin Ina Lippmann. Alena lacht verlegen. „Ja, ich weiß, ich muss besser mit meiner Stimme umgehen“, kennt sie ihre Schwachpunkte.

"In Frankfurt bin ich ein No-Name"

Die sollen bis nächstes Jahr Sommer nicht mehr da sein. Dann will die Schülerin in der Frankfurter Fußgängerzone singen, mit ihrer Gitarre. Mehr Selbstvertrauen sollen ihr diese Auftritte geben. Sie will Erfahrungen sammeln und Bestätigung bekommen. „Ich will sehen, ob die Leute für mich und meine Musik stehen bleiben und zuhören wollen. Und nicht zuhören, weil ich gerade zufällig auf der Veranstaltung bin“, erklärt Alena.

Doch warum dafür extra nach Frankfurt fahren? „In Stadtallendorf kennt mich jeder. Da werden sicher viele nur deswegen stehen bleiben. In Frankfurt bin ich ein No-Name. Wenn die Leute da stehen bleiben, dann für meine Musik. Das ist für mich viel objektiver“, sagt sie und hofft, dass sie mit ihrer Musik überzeugen kann. Ina Lippmann und deren Bruder Frank unterstützen diese Ziele. Wenn es los geht, dann will die Schülerin sich Alena Vinci nennen. Das ist der Mädchenname ihrer Mutter, die aus Italien stammt.  „Das klingt viel besser“, sagt sie lachend.

Ihr Talent, den bekannten Titeln eine eigene Note zu geben, hat wohl auch Christian Stadtler erkannt. Er veröffentlicht in den sozialen Medien Videoanleitungen fürs Gitarre spielen und hatte einen Wettbewerb ausgelobt. Alena spielte „I see fire“ von Ed Sheeran, übrigens ein ehemaliger Straßenmusiker, und nahm es mit dem Handy auf. Ihr Video wurde etliche Male geteilt. Sie setzte sich gegen mehrere Hundert Mitbewerber durch und gewann eine E-Gitarre im Wert von 1.000 Euro. Eine erste Bestätigung.

Alena will es allein schaffen, ohne Band, ohne Duo-Partner. „Mit Band fühle ich mich so angekettet und bin nicht mehr flexibel.“ Sie nimmt wieder ihre Gitarre, stimmt sie und beginnt zu spielen. Dieses Mal Sean Mendes mit „Stitches“. Es ist rhythmischer, explosiver. Die Spielfreude ist zu spüren. Der Gesang ist speziell, eben wieder nicht nur eine Kopie des Originals. Jeder merkt: Musik ist einfach ihr Leben.

von Katja Peters

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