Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
48-Jähriger erleidet Rauchvergiftung

Brandserie 48-Jähriger erleidet Rauchvergiftung

Höchstbelastung für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute Stadtallendorfs: In der Nacht auf Freitag mussten sie wegen Bränden zu sechs Einsatzorten ausrücken.

Voriger Artikel
Sechs Feuer in einer Nacht
Nächster Artikel
"Das Feldhemd" soll an die Heimat erinnern

Rund 40 Brandschützer aus Stadtallendorf, Erksdorf und Hatzbach waren in der Schillerstraße im Einsatz.

Quelle: Michael Hoffsteter

Stadtallendorf. „Das ist eine Katastrophe. Ich kann nur den Hut ziehen vor den ehrenamtlichen Einsatzkräften, die extrem belastet werden“, kommentierte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi die Geschehnisse in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Stadtallendorf-Mitte, Hatzbach, Erksdorf und Schweinsberg hatten zu sechs Brandherden ausrücken müssen - bei vier Feuern geht Pressesprecher Dirk Mann davon aus, dass sie auf das Konto des oder der Täter gehen, die seit August 2016 in der Stadt ihr Unwesen treiben und Mülltonnen beziehungsweise -container anstecken.

Die Horrornacht für die Brandschützer begann gegen 3.40 Uhr in der Niederkleiner Straße: Dort musste die Rufbereitschaft zu einem brennenden Altpapiercontainer ausrücken. „Noch während das erste Fahrzeug ausrückte, wurden uns zwei weitere Einsatzstellen gemeldet, an denen Mülltonnen brannten“, berichtet Mann. Entsprechend sei Vollalarm ausgelöst und auch der Rest der Einsatzkräfte aktiviert worden, die sich um brennende Müll- beziehungsweise Grüne Tonnen in der Schulstraße und der Straße des 17. Juni - wie schon vor einigen Wochen - kümmern mussten.

Die Einsätze dauerten rund 30 Minuten. „Noch während die Kameraden im Gerätehaus waren, sprangen die Melder schon wieder an“, fügt Mann hinzu. Polizisten hätten aus dem Keller eines Wohn- und Geschäftsgebäudes in der Schillerstraße Rauch aufsteigen sehen. Wie Polizeisprecher Jürgen Schlick berichtet, hatten Unbekannte im Flur abgelegten Müll angezündet. Das Feuer sei aber nicht das Problem gewesen, so Mann: Die eigentliche Gefahr sei von der starken Rauchentwicklung ausgegangen: „Das Feuer hatten wir relativ schnell gelöscht, aber der Qualm machte uns zu schaffen.“

Unbekannte stiegen in Schule ein

Zunächst hätten die Feuerwehrmitglieder einen Mann aus dem Haus, dessen Treppenhaus völlig zugequalmt gewesen sei, befreit. Die anderen Bewohner seien zunächst im sicheren Bereich gewesen. Im Laufe des Einsatzes holten die Kameraden dann aber doch einen nach dem anderen aus dem Haus raus. Am Ende hatten sie 15 Personen gerettet - ein 48 Jahre alter Mann musste allerdings mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.

„Bis auf die Rußanhaftungen im Inneren entstand an dem Gebäude kein Schaden“, resümiert Schlick den Hausbrand. Dieser Einsatz dauerte von 4.15 bis ungefähr 6 Uhr. Doch auch dieses Mal kamen die Ehrenamtler nicht zur Ruhe, denn während sie noch in der Schillerstraße Menschenleben retteten, wurde bereits der nächste Brand gemeldet: Diesmal stand im Stadionweg vor dem Freibad ein Altpapiercontainer in Flammen. Auch dort (wie schon in der Straße des 17. Juni) griff das Feuer auf zwei weitere Mülltonnen sowie abgelegten Sperrmüll über.

Beim Hausbrand in der Schillerstraße hatten die Stadtallendorfer Unterstützung von Einsatzkräften aus Hatzbach und Erksdorf erhalten. Letztere kümmerten sich dann auch um das Feuer im Stadionweg.

Doch die Horrornacht war noch nicht vorüber: Am frühen Morgen mussten sich die Stadtallendorfer mit Unterstützung aus Schweinsberg erneut an die Arbeit machen, denn an der Georg-Büchner-Schule hatte ein Hausmeister Einbruchsspuren entdeckt und Rauchgeruch wahrgenommen. Auch dort habe es ein Feuer gegeben, berichtet Mann: Dies sei aber zum Glück von selbst ausgegangen - wie auch ein weiteres Feuer, das in einem anderen Gebäude kurz gelodert hatte.

Zu zwei Schulgebäuden hatten sich die Unbekannten also gewaltsam Zutritt verschafft und dort Papier in Brand gesetzt. Dabei entstand geringer Sachschaden. „Die Polizei ermittelt derzeit in alle Richtungen und sucht dringend nach Zeugen. Die Ermittler prüfen auch, ob ein Tatzusammenhang mit zurückliegenden Mülltonnenbränden in Stadtallendorf besteht“, sagt Schlick.

"Die Stimmung bei uns ist mäßig"

Mann möchte nicht über einen möglichen Zusammenhang spekulieren, ist sich bei den Mülltonnenbränden aber relativ sicher, dass diese auf das Konto des oder der Serientäter geht - oder eines Nachahmers. „Es sind immer die gleichen Stellen. Los ging es im Musikerviertel, dann haben sich die Täter Richtung Feuerwehr ausgebreitet“, erläutert er seine Ansichten und betont: „Scheinbar werden sie mutiger, denn dieses Mal zündelten sie sogar, während wir noch im Einsatz waren.“

„Die Stimmung bei uns ist mäßig. So langsam schlägt sie in Frust um“, gibt Mann zu und ärgert sich über die Brandserie: „Wir opfern unsere Freizeit und natürlich leidet auch das Privatleben darunter, wenn man alle zwei oder drei Wochen nachts ausrücken muss.“ Die Flinte ins Korn werfen stehe allerdings außer Frage, schließlich hätten sich die Ehrenamtler bewusst dazu entschieden, ihren Mitmenschen in Notsituationen zu helfen. Und so zieht er nicht nur den Hut vor allen Einsatzkräften, sondern auch vor ihren Arbeitgebern, die Rücksicht nähmen und auf ihre Angestellten verzichteten.

Die Kriminalpolizei richtet folgende Fragen an die Bürger: Wem sind in der Nacht auf Freitag im Umfeld der beschriebenen Örtlichkeiten (vor oder nach dem Geschehen) Personen oder Fahrzeuge aufgefallen? Wer hat im Bereich der Schule bis etwa gegen 7 Uhr verdächtige Beobachtungen gemacht?

Hinweise nimmt das Fachkommissariat der ­Kriminalpolizei in Marburg entgegen unter ­Telefon 06421/4060.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sechs Feuer in einer Nacht

Sechs Brände registrierte die Polizei im Stadtgebiet von Stadtallendorf in der Nacht zu Freitag. Diese ereignete sich zwischen 3.40 Uhr und 6 Uhr. Eine Person wurde verletzt, den Schaden beziffert die Polizei auf mehrere tausend Euro.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr