Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Stadtallendorf bleibt in Reserve

Erstaufnahmeeinrichtung Stadtallendorf bleibt in Reserve

Stadtallendorfs leerstehende Erstaufnahmeeinrichtung in der Hessen-­Kaserne behält den „Passiv“-Status bei. Bis Ende 2018 laufen die Verträge zwischen Land und Bund noch.

Voriger Artikel
Großprojekte warten auf Ortsbeirat
Nächster Artikel
Sandro stören nur noch die Brüste

Dies ist eines der Wohngebäude der aktuell leerstehenden Stadtallendorfer Erstaufnahme. Archivfoto

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Im September 2016 war Schluss: Das Land verlegte die letzten Bewohner der „Außenstelle Stadtallendorf der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung“, so die offizielle Bezeichnung, in andere Standorte.

Seitdem stehen die Gebäude und Einrichtungen leer, müssen aber innerhalb von 24 Stunden wieder betriebsbereit sein. So sieht es der „Passiv“-Status der Erstaufnahmeeinrichtung vor.

Vorerst bleibt es auch bei diesem Reserve-Dasein der Gebäude in der Hessen-Kaserne. Dies teilte die Landesregierung im vergangenen Monat nach einer abermaligen Überprüfung ihres „Standortorganisationskonzeptes“ für Erstaufnahmeeinrichtungen mit. Neustadt wird wie gehabt genutzt. In den vergangenen Monaten war die Erstaufnahme in der früheren Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne mit durchschnittlich 230 Flüchtlingen belegt, wie das hessische Sozialministerium auf OP-Anfrage mitteilte. Dass Stadtallendorfs Erstaufnahme noch einmal in Betrieb gehen könnte, ist mehr als ungewiss angesichts der laufenden Entwicklung der Flüchtlingszahlen. In der Neustädter Einrichtung gibt es Platz für mehr als 1100 Flüchtlinge bei Bedarf. „Eine Aktivierung von Stadtallendorf ist derzeit nicht angedacht“, erklärt der stellvertretende Sprecher des Sozialministeriums, Marcus Büttner, auf Nachfrage dieser Zeitung.

Der Betrieb der Erstaufnahme hatte für die Stadt Stadtallendorf einen positiven Zusatzeffekt: Da die Bewohner der Einwohnerzahl der Stadt hinzugerechnet wurden, ergab sich für Stadtallendorf eine geringere Solidaritätsabgabe an das Land. Diese Abgabe, gegen die Stadtallendorf aktuell vor dem Staatsgerichtshof klagt, berechnet sich unter anderem nach der Einwohnerzahl. Im Jahr 2018 wird dieser Effekt dann weggefallen sein. Rund fünf Millionen Euro hatte das Land nach OP-Informationen seinerzeit in die Gebäude der Stadtallendorfer Erstaufnahme investiert.

Ursprünglich war ein weiterer Bauabschnitt geplant, der aber angesichts des Versiegens des Flüchtlingsstroms vom Land schon relativ frühzeitig wieder abgesagt wurde. Die früheren Kasernengebäude sind technisch wieder auf dem neuesten Stand. Lediglich die Toilettenanlagen waren seinerzeit aus Zeitgründen nicht saniert worden. Vor den Gebäuden stehen Sanitärcontainer. Land und Bund haben laut Sozialministerium einen Mietvertrag für die Gebäude bis Ende 2018. Der Bund überlässt dem Land Hessen die Liegenschaften mietfrei. Wie es mit der Zukunft des anderen Teils der Hessen-Kaserne aussieht, ist nach wie vor ungewiss.

Division hätte Bedarf

Wie bisher auch nutzt die in der Herrenwaldkaserne angesiedelte Division Schnelle Kräfte drei Unterkunftsgebäude im abgetrennten Teil der Hessen-Kaserne. Außerdem befindet sich in einem weiteren Gebäude nach wie vor die Zahnarztstation für den Standort Stadtallendorf. Es ist ein offenes Geheimnis am Bundeswehrstandort, dass die Division weiterhin Bedarf für Teile der Hessen-Kaserne hat, allein schon, weil es in der Herrenwaldkaserne immer wieder an Soldatenunterkünften fehlt, wenn Gebäude umgebaut oder saniert werden (die OP berichtete).

Das Standortkonzept des Bundes sieht jedoch nach wie vor die Abgabe der Hessen-Kaserne Ende nächsten Jahres vor. Ob es angesichts von Überlegungen, die Zahl der Soldaten beim Heer wieder zu erhöhen, dabei bleibt, ist unklar.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr