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Stadt will Leben auf Marktplatz halten

Veränderungssperre Stadt will Leben auf Marktplatz halten

"Der Marktplatz lebt von der öffentlichen Nutzung und dem Handel. Wenn das verloren geht, müssen wir uns über Tourismus nicht mehr unterhalten", betont Bürgermeister Michael Plettenberg.

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Die Stadt will den Marktplatz für Touristen attraktiv und die Gastronomie am Ort halten.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Die Stadt will in ihrem Bebauungsplan eine Veränderungssperre erlassen, nach der „Bauvorhaben nicht durchgeführt oder bauliche Anlagen nicht beseitigt“ und „erhebliche oder wesentlich wertsteigernde Veränderungen von Grundstücken und baulichen Anlagen, deren Veränderungen nicht genehmigungs-, zustimmungs- oder anzeigepflichtig sind, nicht vorgenommen werden dürfen“.

Ausnahmen von dieser Regel, die zwei Jahre gelten soll, muss die Stadt genehmigen. Ziel ist die „Sicherung der städtebau­lichen Strukturen rund um den Amöneburger Marktplatz“.

Die einfache Übersetzung dieser sperrigen behördlichen Formulierungen: Die Stadt will verhindern, dass weitere gastronomische Einrichtungen aus der Kernstadt verschwinden.

In den vergangenen Jahren habe sie unter anderem den Verlust vom Brücker Wirtshaus, Schlossgaststätte und Café Kliem verkraften müssen, hebt Michael Plettenberg heraus und ergänzt: „Es bahnt sich ein weiteres an“ - nach OP-Informationen wird das China-Restaurant schließen. Zudem stünden weitere Gebäude leer, „und mehrere zum Verkauf im Netz“, so der Bürgermeister.

Marktplatz lebt von öffentlicher Nutzung

Der Marktplatz lebe allerdings von öffentlicher Nutzung und Handel, daher wolle der Magistrat „über den Städtebau den Fuß in die Tür kriegen“. Daher sollen am Marktplatz und in der Deorulf- und der Schlossgasse Nutzungsänderung genehmigungspflichtig werden - sprich: Wer Gewerbe in Wohnraum (oder umgekehrt) verwandeln will, kann dies dann nur mit Erlaubnis der Stadt.

Winfried Nau (SPD), der selbst einst eine Gaststätte schließen musste, gab zu bedenken, dass Eigentümer erhebliche Verpflichtungen hätten. „Wie kann die Stadt die Bürger so unterstützen, dass sie ein vielleicht unren­tables Gewerbe aufrechterhalten?“, fragte er. Der Rathauschef entgegnete, dass Gastronome den Marktplatz kostenlos nutzen und dort Tische aufstellen dürfen: „Das ist absolut unüblich - und das ist Förderung der Gastronomie.“ Der Marktplatz sei ein „Riesenwert für die Anlieger“.

Die Stadt wolle auch niemanden dazu zwingen, eine Gaststätte zu betreiben: „Aber eine Veränderungssperre macht es nicht so leicht, das Handtuch zu werfen und aus einer Gaststätte eine Wohnung zu machen. Wir bauen eine Hürde ein - mehr nicht.“

„Wir müssen die Leute mitnehmen und nicht einschränken“, sagte Winfried Kaul (SPD). Reinhard Franke (CDU) kommentierte: „Es geht um Interessen der Allgemeinheit. Und die stehen einzelnen Interessen manchmal entgegen.“

Plettenberg erinnerte daran, dass auch noch die „Förderrichtlinie Altortslage“ abgelaufen sei: „Wir sollten uns überlegen, was wir nun machen.“

Die Entscheidung über eine mögliche Veränderungssperre treffen die Stadtverordneten am Dienstag in ihrer Sitzung, die ab 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Roßdorf stattfindet.

von Florian Lerchbacher

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