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Stadt will Energie-Unternehmer werden

Windpark Stadt will Energie-Unternehmer werden

Das Projekt Bürger-Windpark Stadtallendorf geht in eine neue Phase. Allerdings drängt die Zeit sehr, will die Stadt die Anlagen auf Dauer wirtschaftlich mitbetreiben.

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Der geplante Windpark in Stadtallendorf.

Quelle: Gafik: Sven Geske

Stadtallendorf. Der „Bürger-Windpark“ in der Gemarkung Hopfenberg wird konkreter. Erwartungsgemäß ist das in Frage kommende Gebiet als Vorrangfläche im Regionalplanentwurfs enthalten. Jetzt geht es an die Umsetzung, zumal inzwischen klar ist, mit welchen Einspeisevergütungen zu rechnen wäre - zumindest, wenn die Windkraftanlagen bis 31. Dezember 2016 Strom ins Netz lieferten.

Hier die Grafik:

Bürger-Windpark 138,32 kB

Ein Partner, so zeichnet es sich dabei klar ab, wäre die Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf. Das Stadtparlament soll in seiner Sitzung am 5. Februar zunächst einmal 50000 Euro genehmigen, um die nächsten Schritte vorbereiten zu können. Unmittelbar gebraucht werden dabei zunächst nur 25000 Euro für Fachberater. Im Sommer könnte es dann ernst werden. Dann wird das Stadtparlament das letzte Wort zu einem wirtschaftlichen Engagement der Stadt haben.

Am Donnerstagabend stellte Norbert Mai von der beauftragten JPLH Consult zunächst eine Wirtschaftlichkeitsprognose vor. Er machte dabei ebenso wie Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) klar, welche Hürden in den nächsten Monaten zu nehmen sind. Alle Berechnungen von Norbert Mai und seinen Kollegen gehen von zunächst vier Windkraftanlagen aus. Möglich wären in dem Gebiet bis zu acht Anlagen. „Doch es kommt uns nicht auf die Zahl der Anlagen an. Uns geht es darum, dass die Anlagen, die wir bauen, auch allesamt Ertrag abwerfen“, erklärte hierzu Christian Somogyi.

Die Annahmen beruhen bisher auf dem vorliegenden Windgutachten. Es war auch Grundlage für die Entscheidung des Regierungspräsidiums, das Gebiet Hopfenberg als Vorrangfläche vorzusehen.

Kommunalaufsichtmuss genehmigen

Damit die Stadt sich wirtschaftlich mit allen Chancen und Risiken betätigen darf, muss sie noch einige Nachweise bringen. Die Kommunalaufsicht wird diese zu prüfen haben. So schreibt es die Hessische Städte- und Gemeindeordnung in ihren gerade novellierten Paragrafen 121 und 122 vor. Bei allen Betrachtungen müsste die Stadt auch an steuerrechtliche Gesichtspunkte denken. Deshalb empfehlen die Berater auch eine gemeinsame GmbH, in der alle Ausgaben aber auch Erträge „gepoolt“, sprich gebündelt werden.

Bürger könnten sich etwa über einen Beitritt zur Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf finanziell einbringen. Das wäre eine von mehreren denkbaren Beteiligungsvarianten, so, wie vom Stadtparlament gefordert.

Mais Berechnungen gehen derzeit von einer Investitionssumme von knapp 17 Millionen Euro aus. Wobei er am Donnerstagabend immer wieder betonte, dass diese Zahlen noch vorläufigen Charakter haben. Denn noch liegen beispielsweise keine konkreten Angebote für Windkraftanlagen vor. Doch: „Mr. Spocks Schätzungen auf der Enterprise lagen am Ende auch immer sehr nahe an der Realität“, meinte Mai mit einem Augenzwinkern.

Bei einem wirtschaftlichen Engagement müsste die Stadt als Partner in der GmbH neben dem obligaten Stammkapital auch einen siebenstelligen Kredit einbringen, um das Vorhaben zu finanzieren. Auch das müsste die Kommunalaufsicht genehmigen.

Millionen-Ertragwäre denkbar

Mit regionalen Banken habe es bereits erste Gespräche gegeben, erklärte Somogyi. Unter dem Strich - so die vorläufigen Prognosen - wäre ein Gesamterlös von etwa zwei Millionen Euro denkbar, ausgehend von einer Anlagen-Laufzeit von 20 Jahren.

Das gesamte Projekt ist sehr ambitioniert. Nur bis zum 31. Dezember nächsten Jahres sind die derzeitigen Einspeisevergütungen garantiert, was danach passiert und ob ein solches Projekt dann noch wirtschaftlich wäre, ist offen. Auch bis zur „BiMsch“-Genehmigung wäre es noch ein weiter Weg. Ein Stolperstein ist die Nähe des Gebiets zur baurechtlich abgesicherten A-49-Trasse. Deshalb gibt es Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium.

Den jetzt anstehenden Schritt, das zeichnete sich im Bauausschuss ab, wollen die Stadtverordneten aber mitgehen und Geld bereitstellen. Der Ausschuss gab einstimmig eine entsprechende Empfehlung ab. ­Eine endgültige Entscheidung soll dann spätestens in der letzten Sitzung vor der Sommerpause fallen.

Das Stadtparlament tagt Donnerstag, 5. Februar, ab 19.30 Uhr im Stadtverordneten-Sitzungssaal neben der Stadthalle.

von Michael Rinde

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