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Stadt will Bürger mobil machen

Umfrage Stadt will Bürger mobil machen

Seniorenbeirat und Stadt Amöneburg möchten vor allem die älteren Menschen dabei unterstützen, von A nach B zu kommen - allerdings nur, wenn die Bürger überhaupt Bedarf sehen und Interesse haben.

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Hildegard Kräling, Michael Richter-Plettenberg (Mitte) und Burkhard Wachtel hoffen beim Frage­bogen zum Bürgerbus auf möglichst viele Rückmeldungen.Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Selten bis nie stellen sich Amöneburger an die „Haltestellen für Tramper“ und greifen so auf das Konzept „Bürger nehmen Bürger mit“ zurück, das die Siedlung und die Altstadt näher aneinanderbringen sollte. Das Interesse am ersten Versuch, die Menschen mobiler zu machen, ist also gering. Entsprechend sind Stadt und Seniorenbeirat vorsichtig geworden: Mithilfe eines Fragebogens wollen sie prüfen, ob die Bürger einen ehrenamtlich organisierten „Bürgerbus“ nutzen und ob es Freiwillige gibt, die sich als Fahrer zur Verfügung stellen würden. Im Landkreis gibt es jedenfalls einige Befürworter des Konzeptes: An der Spitze der Bewegung steht der Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Eine Gemeinde, die das Projekt bereits umsetzt, ist das Lahntal.

„Das Thema haben wir seit Jahren im Kopf“, sagt Amöneburgs Stadtoberhaupt Michael Richter-Plettenberg. Er und Burkhard Wachtel, der Seniorenbeauftragte, hätten sich intensiv informiert. „Aber es gab nie den Zeitpunkt, an dem wir sagten: Jetzt passt es“, ergänzt der Bürgermeister.

Nun scheint der Zeitpunkt indes gekommen. Der Kreis hatte im vergangenen Jahr zahlreiche Veranstaltungen rund um Mobilität im ländlichen Raum organisiert. Eine begeisterte Zuhörerin war Hildegard Kräling, die Vorsitzende des Amöneburger Seniorenbeirats - die als Stadtverordnete natürlich auch die Finanzen im Blick hat und voller Freude die Fördermittel zur Kenntnis genommen hat, die Lahntal über die Region Burgwald für den Bürgerbus abgreift.

„Wenn man will, kann man ein solches Projekt umsetzen“, hebt Richter-Plettenberg hervor. Entsprechend seien die zentralen Fragen: Haben die Amöneburger Interesse an einem Bürgerbus? Der Bürgermeister jedenfalls geht davon aus, schließlich sei die Mobilität in der Großgemeinde „nicht optimal“. Die Stadtteile Erfurtshausen, Mardorf und Roßdorf lägen an einer Nahverkehrsachse mit Anbindung nach Marburg, die Kernstadt Amöneburg und der Stadtteil Rüdigheim an einer Achse mit Anschluss nach Homberg und Kirchhain. Eine Verbindung zwischen den zwei Achsen sei nur durch ein Anrufsammeltaxi möglich: „Aber das ist vielen zu kompliziert, deswegen wird das kaum genutzt.“ Es sei also schwierig, beispielsweise von Mardorf nach Amöneburg zu kommen.

Für Kräling ist daher klar: Die Stadt braucht einen Bürgerbus. Ob die Bürger das genauso sehen, soll die Umfrage ergeben. Bisher gab es erst 20 Rücksendungen des ausgefüllten Fragebogens. Ein erstes Fazit will Wachtel nicht ziehen - wohl aber die Menschen auffordern, sich zu engagieren. Es sei zwar schön, dass einige, die geantwortet haben, bereit seien, sich als Fahrer des Busses zur Verfügung zu stellen - diese hätten allerdings keine Kontaktdaten hinterlassen, bedauert er.

Stadt und Seniorenbeirat fragen nicht nur, ob die Bürger ein generelles Interesse an einem Bürgerbus hätten. Sie wollen auch wissen, für das Erreichen welcher Ziele die Menschen auf das Fahrzeug zurückgreifen würden. Entsprechend konkret sind mögliche Ziele aufgeführt (zum Beispiel Ärzte, Apotheken und Einkaufsläden). „So ist es einfacher, den Bogen auszufüllen“, glaubt Wachtel.

Mögliche Routen und einen Fahrplan müsste ein Arbeitskreis Bürgerbus erstellen - wenn sich zum einen genug Amöneburger finden, die den Bürgerbus nutzen würden, und zum anderen ausreichend Freiwillige finden, die als Fahrer fungieren. „Es tut gut, seinen Mitmenschen zu helfen“, hebt Kräling hervor und sieht vornehmlich Männer ab 60 Jahren, die nach Beendigung des Arbeitslebens oftmals in ein Loch fallen würden - und durch ehrenamtliches Engagement eine Möglichkeit hätten, aus eben diesem Loch wieder herauszukommen. Ein Personenbeförderungsschein sei inzwischen nicht mehr nötig, weiß die Vorsitzende des Seniorenbeirats. Noch dazu gebe es für potenzielle Fahrer kostenlose Fortbildungen und Fahrertrainings.

Die Stadt kann sich auch vorstellen, einen „Versuchsballon“ starten zu lassen: Dafür würde sie einen alten Kindergartenbus reaktivieren - der, im Gegensatz zu einer möglichen, rund 45000 Euro teuren Neuanschaffung, ­allerdings nicht behinderten­gerecht ausgestattet ist.

Ein möglicher positiver Nebeneffekt: Vereine könnten einen eventuellen Bürgerbus an Wochenenden zur Verfügung gestellt bekommen, betont Richter-Plettenberg - der im übrigen mit gutem Beispiel vorangehen und sich als möglicher Fahrer (natürlich nur in seinen Pausen!) zur Verfügung stellen würde. Er appelliert auch an den Jugendbeirat, bei den jungen Amöneburgern für das Ausfüllen des Fragebogens zu werben, schließlich könnte ein Bürgerbus auch den Nachwuchs mobiler machen.

Alle Amöneburger Haushalte sollten den Fragebogen bekommen haben. Ansonsten gibt es ihn bei der Stadtverwaltung oder im Internet unter www.amoeneburg.de (in einer am Computer ausfüllbaren Version).

von Florian Lerchbacher

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