Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Stadt sucht noch drei Mäzene

Nach dem Bildhauersymposium Stadt sucht noch drei Mäzene

Die Mitglieder des Kirchhainer Haupt- und Finanzausschusses verbringen ihre ehrenamtliche Arbeit hauptsächlich mit hässlichen Zahlen. Am Dienstagabend standen dagegen die schönen Künste auf der Tagesordnung.

Voriger Artikel
Hatzbacher Markt ist feste Größe über das Dorf hinaus
Nächster Artikel
Ausweichversuch endet tödlich

Der Buntstifte-Skulptur der Berliner Künstlerin Irene Anton war im Kirchhainer Annapark nur eine kurze Halbwertzeit beschieden. Wenige Wochen nach Fertigstellung der hier noch nicht bemalten Arbeit rissen Unbekannte einen Großteil der überdimensionalen Stifte aus dem Boden und verstreuten sie im Park. Archivfoto: Matthias Mayer

Kirchhain. Zugrunde lag dem eine Große Anfrage der SPD-Fraktion, die unter anderem wissen wollte, wie es um den Zustand und die Zukunft der beim Kirchhainer Bildhauer-Symposium im September 2013 in der Stadt und vor Publikum entstandenen Kunstwerke bestellt ist. Ganz ohne Zahlen ging das nicht ab, denn auch der Künstler lebt nicht allein von Applaus und Komplimenten, mit dem die Kirchhainer Bürgerinnen und Bürger in jenen sonnigen Tagen nicht gespart hatten.

Nur ein Sponsor hieltseine Zusage ein

Bürgermeister Jochen Kircher berichtete dem Ausschuss, dass ursprünglich alle fünf Skulpturen in Kirchhain bleiben und in den Skulpturenpfad integriert werden sollten. Dazu habe es vor dem Wettbewerb auch fünf mündliche Sponsoren-Zusagen gegeben. Allerdings habe sich nur ein Sponsor nach dem Wettbewerb an seine Zusage gehalten. Diese gelte der Arbeit von Ortrud Sturm, erklärte der Bürgermeister.

Die Südhessin hatte mithilfe einer Motorsäge aus einem Stamm eine zweieinhalb Meter hohe Würfel-Skulptur herausgeschnitten, die ihren Platz am Eingang der Fußgängerzone gefunden hat. Ihr direkt gegenüber steht die Sieger-Skulptur von Heiko Börner - genauer gesagt: stand sie. Seit einigen Monaten ist das Podest der Skulptur am Bahnhofsvorplatz verwaist. Die Standsicherheit der Skulptur sei nicht mehr gewährleistet gewesen. Sie werde derzeit statisch ertüchtigt. Danach kehre die Skulptur an ihren Platz zurück, erklärte Jochen Kirchner.

Schon nach den ersten Schnitten an dem vier Meter langen Stamm war Heiko Börner auf ein strukturelles Problem gestoßen. Ausgerechnet im Fußbereich der werdenden Skulptur zeigte sich eine große Fäulnisstelle im Inneren des Stammes, die den aus Thüringen stammenden Wahl-Münchner zwangen, von seinem ursprünglichen Entwurf deutlich abzuweichen.

Die Stadt Kirchhain hat die von den Bürgerinnen und Bürgern mit deutlichem Abstand auf Platz eins gewählte Skulptur vereinbarungsgemäß für 4500 Euro angekauft. Außerdem erhielten Börner sowie Irene Anton, Mihaela Kamenova, Ortrud Sturm und Christian Heß jeweils 1500 Euro Antrittsgeld von der Stadt.

Weitergehende Ansprüche gegenüber den Künstlern bestünden nicht, sagte der Bürgermeister vor dem Ausschuss. Er bezifferte die Gesamtkosten des herausragenden Kunstereignisses mit 12240,84 Euro. Von dieser Summe sind 5892 Euro abzuziehen, die die Stadt an Fördergeldern erhielt.

Er habe Mihaela Kamenova, Irene Anton und Christian Heß darüber informiert, dass die Stadt derzeit den Verbleib ihrer Arbeiten in Kirchhain nicht finanzieren könne. Bisher habe niemand aus diesem Kreis erklärt, dass er sein Kunstwerk abholen werde.

„Wir haben also noch Zeit, uns um Mäzene für diese Arbeiten zu kümmern“, stellte Jochen Kirchner fest. So könne er sich nicht vorstellen, dass Mihaela Kamenova aus Sofia komme, um ihre Groß-Skulptur abzuholen.

Die „Tanzenden Blätter“benötigen reichlich Platz

Deren „Tanzende Blätter“ sind derzeit mehr schlecht als recht am „Schotterparkplatz“ neben dem Bahnhof aufgebaut, wo die stählernen Blätter ihre Wirkung in keinster Weise entfalten können. „Wir haben für diese Skulptur keine entsprechend großen Flächen in der Innenstadt, weil wir diese für die Märkte brauchen“, sagte Kirchner. Er könne sich vorstellen, diese Arbeit im Feld zwischen Annapark und Erlensee zu präsentieren. Die Idee, die Bunststifte-Skulptur der Berlinerin Irene Anton der Grundschule zum Schuljubiläum zu schenken, habe sich aus finanziellen Gründen nicht umsetzen lassen. Der Betonring des Bayern Christian Heß könne, wenn sich dafür ein Mäzen finde, im Annapark bleiben, der sonst nicht überfrachtet werden solle.

Dass die Stadt es ernst meint mit der optischen Aufwertung ihrer Stadteingänge, zeigt sich am Amöneburger Tor. Zwei Groß-Skulpturen von Heiko Börner sollen am Stadteingang zu beiden Seiten des neuen Fahrbahnteilers das alte Amöneburger Tor und damit das Tor zur Stadt symbolisieren.

Bei den schlanken Skulpturen handelt es sich um zwei Fachwerk-Konstruktionen, die mit milchglasähnlichen Scheiben verschlossen sind. Diese Skulpturen lassen sich von innen beleuchten.

Die Gesamtkosten für dieses Vorhaben gab der Bürgermeister mit 34153,80 Euro an. Davon entfallen 7153,80 Euro Honorarkosten für Heiko Börner an, der für die Stadt mehrere Entwürfe zur Auswahl gefertigt hatte.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr