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Stadt startet einen Versuchsballon

Idee Stadt startet einen Versuchsballon

Noch bis Ende dieses Monats könnten sich Interessenten, die die 13 Jahre alte Stadtallendorfer Stadthalle betreiben wollen, bei der Stadtverwaltung melden.

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Das hessische Komikerduo gastierte beim Hessentag 2010 in Stadtallendorf, im nächsten Jahr werden sie wieder in der Stadthalle sein. Marburgs Halle wird saniert. Archivfoto: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Aus Sicht der Stadt ist es ein Versuch, zunächst noch nicht mehr: Mit einem öffentlichen Interessensbekundungsverfahren soll ausgelotet werden, ob sich Interessenten fänden, die bereit wären, bereits zum 1. Oktober den Stadthallenbetrieb zu übernehmen. Das Stadtallendorfer Stadtparlament hatte dieses Verfahren, das rechtlich unverbindlich ist, in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause auf den Weg gebracht.

Den Anstoß gab die Tatsache, dass die Stadt zumindest vor einer Neuorganisation des Stadthallenbetriebs stehen wird. Denn im Herbst geht Stadthallen-Manager Berthold Littich in den Ruhestand (die OP berichtete). Auf der Internetseite der Stadt sind die Einzelheiten des „Auslotungsverfahrens“ nachzulesen. Die Stadt hat einem Interessenten bereits einige Eckpunkte vorgegeben: So bliebe die Stadt Halleneigentümer, ein Betreiber müsste auf die bestehende Vereinbarung mit einem Caterer Rücksicht nehmen, Veranstaltungen von Vereinen und Institutionen wären zu berücksichtigen, außerdem behielte sich die Stadt ein Mitspracherecht bei Angeboten und eigene Veranstaltungen ausdrücklich vor.

Sollte sich tatsächlich ein Interessent am Stadthallen-Betrieb finden, so müsste ein Kooperationsmodell entwickelt werden. Am Ende hätte dann das Stadtparlament das letzte Wort dazu. Politisch ist das eingeleitete Interessensbekundungsverfahren nicht unumstritten. Michael Goetz (B 90/Die Grünen) glaubt nicht daran, dass es bis zum 1. Oktober gelingt, entsprechende Verträge auszuhandeln. Außerdem befürchtet Goetz, dass „ein privater Betreiber Geld verdienen will. Das geht nur zu Lasten der Bürger und Kunden.“ Mit einem Änderungsantrag hatten die Bündnisgrünen versucht, der Entwicklung eine andere Richtung zu geben. Unter anderem sollte der Termin 1. Oktober gestrichen werden, zugleich hätte der Magistrat parallel ein Konzept entwickeln sollen, das wie bisher nur auf ein Management durch die Verwaltung setzt. Doch für diesen Vorstoß gab es keine Mehrheit. Redner der übrigen Fraktionen bekannten sich deutlich zu der Idee des Magistrats, das Interesse privater Betreiber zumindest zu erkunden. Stephan Klenner (CDU) sprach von einem „innovativen Verfahren“, Werner Hesse (SPD) betonte, dass es derzeit noch nicht um eine Hallenprivatisierung gehe und Winand Koch (FDP) forderte dazu auf, eine „Win-win-Situation“ zu schaffen, bei der ein Hallenbetreiber und die Stadt gleichermaßen profitieren könnten. Ob es bisher bereits Interessenten gibt, wollte Freddy Greib, Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung mit Hinweis auf das laufende Verfahren gestern nicht sagen.

Derzeit profitiert die 13 Jahre alte Stadtallendorfer Stadthalle davon, dass Marburgs Erwin-Piscator-Haus bis Oktober 2015 ausfällt. Die Halle wird für 28,5 Millionen Euro saniert. Stadthallen-Manager Berthold Littich spricht von „sehr großem Zuwachs bei Konzertveranstaltungen“ und nennt auf OP-Anfrage einige Zahlen: So sind für das nächste Jahr bereits 10 Konzertveranstaltungen fest gebucht, eine weitere ist in der Planung. Unter den Vorbuchungen befinden sich Hochkaräter, die bisher ausschließlich in Marburg aufgetreten sind. So wird „Badesalz“ im nächsten Jahr in Stadtallendorf zu sehen sein. Im Jahr 2012 gab es 5 Konzertveranstaltungen, in diesem Jahr sind bisher 7 geplant.

Die Zahl der Veranstaltungen, die in diesem Jahr in Stadtallendorf „guter Stube“ stattfinden sollen, hat sich gegenüber dem Vorjahr aber kaum verändert. Sie liegt bei 102 bei insgesamt 125 Veranstaltungstagen.

Fakt ist aber auch, dass die Stadthalle weiterhin ein erheblicher Zuschussbetrieb für Stadtallendorf bleibt. Aktuell liegt das Hallendefizit einschließlich Abschreibungen und Personalkosten bei 1,17 Millionen Euro. An Erträgen erwartet die Verwaltung ganze 67000 Euro. Diese im Haushalt enthaltenen Zahlen nannte Greib gegenüber der OP.

von Michael Rinde

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