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Stadt soll "demenzfreundlich" werden

Projektförderung Stadt soll "demenzfreundlich" werden

Viele Menschen wissen nicht, wie sie mit Demenzkranken umgehen sollen. Der Bürgerverein Mardorf will mit einem dreiteiligen Projekt dazu beitragen, dies zu ändern.

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Der Umgang mit Demenzkranken will gelernt sein. Der Bürgerverein Mardorf will sich dieser Problematik widmen.Archivfoto

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Mardorf. Die Mitarbeiter der vom Bürgerverein initiierten Bürgerhilfe greifen Menschen unter die Arme, die Unterstützung benötigen. 38 Helfer sind im Stadtgebiet unterwegs und kümmern sich um fast 30 „Kunden“. Seit Anfang des Jahres sind in dem jungen Projekt rund 1300 Betreuungsstunden zusammengekommen - einen erheblichen Teil ihrer Zeit investieren die Bürgerhelfer dabei für Menschen mit Demenz.

Entsprechend hatten die Organisatoren für die Fortbildung der Bürgerhelfer einen Schwerpunkt auf den Umgang mit Demenzkranken gelegt. Ansonsten wüssten jedoch die wenigsten Menschen, wie sie im Alltag auf Demenzkranke reagieren sollten, betont Christina Stettin, Koordinationskraft der Mardorfer Bürgerhilfe und Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf. Was könne zum Beispiel die Verkäuferin in einer Bäckerei tun, wenn eine Frau mehrfach gleich zweimal an einem Tag vorbeikomme, um Brot zu kaufen? Oder was solle der Busfahrer machen, wenn sich ein Fahrgast nicht erinnern kann, wo er aussteigen muss? „Ins Gespräch kommen, unterschwellig Erinnerungen wecken, die Person ablenken und Verständnis zeigen - aber bloß nicht mit dem Finger auf den Menschen zeigen“, gibt Stettin als Ansatzpunkte aus. Doch zum richtigen Umgang mit Demenzkranken gehört natürlich viel mehr, als sich in wenige Worten zusammenfassen lässt. „Demenz als Thema wird in Zukunft verstärkt auftreten“, wirft Hildegard Krähling ein, die maßgeblich am Aufbau der Bürgerhilfe mitgewirkt hat.

Will man Senioren ermöglichen, möglichst lange in ihrer Heimat zu bleiben - was das Hauptziel der Mardorfer Initiative ist - dann müssen sich auch ihre Mitbürger darauf einstellen, verstärkt mit Demenzkranken in Kontakt zu kommen. „Unser Ziel ist es, dass Amöneburg eine demenzfreundliche Kommune wird“, gibt Krähling für die Zukunft aus. Den ersten Schritt auf dem Weg dorthin will der Bürgerverein nun gehen.

Ein Fundament ist bereits geschaffen: Aus dem Programm „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben erhält der Bürgerverein über zwei Jahre Fördermittel von insgesamt 10000 Euro.

Damit wollen die Mardorfer eine nebenamtliche Kraft finanzieren, die sich um das Projekt kümmert. Zunächst soll diese einen Runden Tisch ins Leben rufen, an dem alle Akteure zusammenkommen, die sich in der Region mit dem Thema Demenz befassen. Ziel ist es, diese zu vernetzen, Versorgungslücken offenzulegen, Bedürfnisse zu klären und die Zusammenarbeit zu fördern.

In einem zweiten Schritt sollen Infoveranstaltungen für Bürger, Vereine und Firmen organisiert werden, um die Teilnehmer auf den Umgang mit Demenzkranken vorzubereiten. „Wir müssen die Menschen sensibilisieren“, sagt Stettin. Sie müssten lernen, wie sie richtig mit Demenzkranken umgehen und auf deren Anliegen und Probleme reagieren.

Dritter Schritt ist die Schaffung eines lokalen Wegweisers zum Thema Demenz. Darin sollen zum Beispiel die verschiedenen Angebote stehen, die es für Demenzkranke und ihre Angehörigen gibt - aber zum Beispiel auch, welche Restaurants oder Geschäfte ihre Mitarbeiter in den in Schritt zwei genannten Veranstaltungen schulen ließen. „Dann wissen Angehörige, wo ihre erkrankten Verwandten gut aufgehoben sind“, erläutert Stettin. Eine Idee sei zudem, für eben solche Unternehmen auch einen Aufkleber oder eine andere Markierung zu entwickeln, die sie als „demenzfreundlich“ ausweist. „Wenn wir diese Ziele innerhalb von zwei Jahren erreichen, wäre das schon mal ein riesiger Erfolg“, sagt Stettin und betont, dass Nachhaltigkeit natürlich wichtig sei. Das heißt, die Teilnehmer des Runden Tisches sollten regelmäßig zusammenkommen, die Infoveranstaltungen immer wieder und in allen Stadtteilen stattfinden und der lokale Wegweiser stets aktualisiert werden. Nur so wird der Weg zur demenzfreundlichen Kommune frei.

Derzeit läuft im ehemaligen Schwesternhaus in Mardorf die dritte Schulung zu Bürgerhelfern. Die Initiative sucht weiterhin neue potenzielle Helfer. Der Bürgerverein benötigt aber auch ehrenamtliche Helfer, die sich in der Organisation engagieren. Kontakt: Christina Stettin, Telefon 06429/8291541.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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