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Stadt reagiert besorgt und enttäuscht

Notunterkunft Stadt reagiert besorgt und enttäuscht

Am Montag unterrichtete der Kreis die drei Kommunen über seine Pläne für neue Notunterkünfte für Flüchtlinge. Dementsprechend groß war die Überraschung im Kirchhainer Rathaus.

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Der alte Rewe in Kirchhain soll zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Kirchhain. „Besorgt“ und „enttäuscht“ reagierte am Dienstag Kirchhains Erster Stadtrat Dietmar Menz (CDU) auf die Entscheidung des Kreises, kurzfristig 400 Flüchtlinge am Standort früherer Rewe-Markt in der Straße Im Riedeboden einzuquartieren. In seinem Konzept plant der Kreis, auf dem Gelände eine Leichtbauhalle als Unterkunft aufzustellen und das frühere Marktgebäude für die Betreuung zu nutzen. Derzeit wartet der Kreis allerdings noch auf grünes Licht der Landesregierung für sein Konzept. Landrätin Kirsten Fründt hatte deshalb gegenüber der OP deutliche Kritik am Verhalten des Landes geübt. Eine Anfrage der OP dazu blieb erwartungsgemäß bis Redaktionsschluss ohne Reaktion. Am Montag hatte Fründt die Verantwortlichen der drei Kommunen über die konkreten Pläne des Kreises unterrichtet.

Dietmar Menz besuchte am Dienstag mit Mitarbeitern des Kreises den Standort alter Rewe-Markt. „Der Platz ist sicher optimal, er liegt aber zwischen Einfamilienhäusern und sozialem Wohnungsbau“, sagt Menz. Er will soziale Spannungen nicht ausschließen, wenn tatsächlich dort eine Notunterkunft entsteht. Zwischenzeitlich habe die Stadt dem Kreis alternativ die Markthalle angeboten, auch um die Zahl von 400 Flüchtlingen möglicherweise auf zwei Orte in Kirchhain zu verteilen. Doch das habe der Kreis abgelehnt. Dies bestätigte auch Kreissprecher Stephan Schienbein gegenüber dieser Zeitung. „Aus unserer Sicht ist die Markthalle völlig ungeeignet“, so Schienbein.

Enttäuscht ist Menz vom Kreis angesichts der bisherigen Leistungen der Stadt Kirchhain und ihrer Ehrenamtlichen bei der Flüchtlingsarbeit. „Das man uns nicht zumindest vertraulich in die Vorplanung involviert hat, trifft uns sehr, wir hatten zum Kreis beim Thema Flüchtlinge ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut“, wird Menz deutlich. Etwa 150 Flüchtlinge sind aktuell in Wohnungen und Zimmern in Kirchhain untergebracht. Laut Menz sollen es bis Jahresende etwa 180 bis 200 sein. Die Stadtverwaltung prüfte gestern rechtliche Schritte gegen das Vorhaben des Kreises. Am Dienstagmittag ging Menz angesichts der Erlasse der Landesregierung aber davon aus, kein Vetorecht zu haben.

Es sei aus zeitlichen Gründen nicht möglich gewesen, mit den Kommunen vorher Gespräche zu führen, sagt Kreissprecher Schienbein. Derzeit rechnet man in der Kreisverwaltung kurzfristig mit einer weiteren Zuweisung des Landes, auf die sich der Kreis vorbereiten will.

„Wir werden mit unserer Verwaltung wie auch mit unseren Ehrenamtlichen Gewehr bei Fuß stehen, wenn diese Menschen zu uns kommen“, versichert Dietmar Menz gleichwohl.

Der Kreis erkenne natürlich das bisherige Engagement der Stadt Kirchhain im Zusammenhang mit der Unterbringung und Betreuung von Asylbewerben an, so Stephan Schienbein. Man sei gerne bereit, mit der Stadt Kirchhain weiterhin über andere Standorte zu diskutieren. Gleichwohl gingen die Vorbereitungen für den früheren Rewe-Markt weiter.

Ehrenamtliche wollen „offensiv“ helfen

Rund 50 Ehrenamtliche engagieren sich auf ganz verschiedene Weise für die in Kirchhain lebenden Flüchtlinge. Helga Sitt vom Arbeitskreis machte gestern gegenüber dieser Zeitung klar, dass es in jedem Falle Unterstützung für die geplante Notunterkunft geben werde. „Wir werden unsererseits offensiv auf die Bevölkerung zugehen und um Unterstützung bitten“, kündigte Helga Sitt bereits an. Ziel sei es, den Menschen, die nach Kirchhain in eine Notunterkunft kämen, das Leben so erträglich wie möglich zu machen. Sitt, die auch Kirchhainer Stadtverordnete ist, hatte bis Dienstagnachmittag noch keine negativen Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten.

Aktuell sind in der Neustädter Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung 967 Flüchtlinge untergebracht, im Stadtallendorfer Zeltcamp sind es, Stand gestern, 540 Menschen. Wenn in Kirchhain wie beabsichtigt weitere 400 Flüchtlinge in einer Notunterkunft untergebracht werden, so lebten im Ostkreis mehr als 1900 Flüchtlinge. Hinzu kommen die Menschen, die bereits in Wohnungen oder größeren Quartieren dauerhaft untergebracht werden konnten. Auch wenn der Kreis weitere etwa 600 Flüchtlinge jetzt in anderen Regionen unterbringt, so bleibt es doch bei einer massiven Konzentration im Ostkreis.

Landrätin Fründt hatte bereits am Montag betont, dass dem Kreis diese Situation sehr wohl bewusst sei. „Allerdings sind dort, in der drittgrößten Stadt in unserem Landkreis, auch gute infrastrukturelle Voraussetzungen gegeben“, erklärte Fründt.

von Michael Rinde

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