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Stadt nutzt touristisches Potenzial nicht aus

Zukunftspläne Stadt nutzt touristisches Potenzial nicht aus

Quo vadis, Tourismusstandort Amöneburg? Mit dieser Frage beschäftigen sich Stadt und Bürgermeister seit Monaten. Ein entsprechendes Gutachten ist Grundlage für ihre ambitionierten Pläne.

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Amöneburg, hier im Nebel, soll sich ein klares Profil schaffen. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Amöneburg. Ab September fungiert die Stadt Amöneburg nicht mehr als Verpächter der Erddeponie am Fuße des Berges, sondern als Betreiber. Dies ist der erste, sichtbare Schritt auf dem Weg zur touristischen Nachnutzung dieser Fläche. Als Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und sein Planer vor einigen Monaten ihren Entwurf für eine Multifunktionshalle auf dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs vorstellten, taten sie dies auf Grundlage eines Gutachtens, das den „Tourismus-Standort“ Amöneburg thematisierte - und das quasi Beweis dafür war, was viele schon geahnt hatten: Die Stadt könnte von diesem Bereich weitaus mehr profitieren als bisher.

Schon die Zahl der Übernachtungen im Ort zeigte dies an: Im Vergleich zum Jahr 2009 waren die Übernachtungen bei den meldepflichtigen Betrieben zwar um rund 5 Prozentpunkte auf 4539 gestiegen - im Vergleich zum Anstieg im Landkreis um 13 Prozentpunkte ist dies allerdings ein unterdurchschnittlicher Wert. Eine Analyse des Freizeitangebotes endet mit dem Fazit: „Die Stadt Amöneburg hat aufgrund ihrer besonderen naturräumlichen Lage, dem historischen Ambiente in der Altstadt und den attraktiven Rad- und Wanderangeboten gute Voraussetzungen für die Weiterentwicklung des Tourismus.“

Positive Effekte in der touristischen Entwicklung ließen sich langfristig allerdings nur dann steigern, „wenn die touristische Angebots- und Infrastrukturentwicklung Hand in Hand mit einer Angebotsoptimierung im Bereich Gastronomie- und Beherbergung verläuft.“ Will heißen: Sowohl qualitativ als auch quantitativ muss in der Stadt etwas geschehen.

Neben dieser Analyse gab es Expertengespräche mit neun Personen wie Bürgermeister oder Ortsvorsteher, an deren Ende im Gutachten Stärken und Schwächen der Stadt stehen: Positive Bewertung erhalten die Lage der Stadt - auch vor dem Hintergrund eines „einwohnerstarken Einzugsgebiets“ -, die hochwertigen Kulturveranstaltungen oder das Vereinswesen. Schwächen sollen beispielsweise sein, dass eine „klare strategische Ausrichtung im Tourismus“, aber auch das Tourismusbewusstsein bei Teilen der Bevölkerung fehle.

Vier Kernthemen

Wie sich dieses Bewusstsein fördern lasse, steht zwar nicht geschrieben, wohl aber gibt es im Gutachten andere Tipps: Freizeit- und Tourismus-trends wiesen daraufhin, dass für Amöneburg relevante Themen Wandern, Rad, Natur und Kultur weiter wachsen würden. Das bedeute aber auch, dass die Stadt ihr Profil in Bezug auf diese Themen schärfen müsse und sich als „Stadt mit Aussicht“ positionieren könne. Dies lasse sich beispielsweise durch die Schaffung von Aussichtsplattformen und -plätzen am Mauerrundweg umsetzen.

Wichtig sei aber auch die „touristische Inwertsetzung“ des ehemaligen Steinbruchs - ein Ansatz, den die Stadt wie erwähnt angeht. Das ambitionierte Ziel des Bürgermeisters umfasst eine in den Berg integrierte Veranstaltungshalle mit Zusatzangeboten wie einem Energiepark, Lern- und Bildungspfaden und vielem mehr (die OP berichtete ausführlich).

Gleichzeitig wird Richter-Plettenberg nimmermüde darauf hinzuweisen, dass es auch „kleinere“ Lösungen gebe. Das Gutachten schließt jedenfalls mit einer auf Amöneburg ausgerichteten Bewertung verschiedener Nutzungsmöglichkeiten des Steinbruchs. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Alleinstellungspotenzial, das für eine Schärfung des Profils ein wichtiges Kriterium ist - nur durch eine Besonderheit lassen sich zusätzliche Besucher, die nicht nur die schöne Aussicht und das bisherige Angebot genießen wollen, anlocken.

Zwei Ansätzen fallen weg

Schlecht kommt dabei ein möglicher Wildpark weg, für den zwar der Standort geeignet wäre, der aber beim „Alleinstellungspotenzial“ mit nur einem von fünf Sternen bewertet wird.

Ähnlich unattraktiv erscheint laut Analyse ein Freizeitpark, der sich für den Standort weder besonders anbiete noch die touristischen Kernthemen Wandern, Rad, Natur und Kultur weiterbringe.

Nur ein Hotel dort anzusiedeln, scheint auch keine Option zu sein - zum einen sei der Standort nur mäßig geeignet. Und auch beim „Alleinstellungspotenzial“ kann dieser Ansatz nicht punkten. Fünf von fünf Sternen gibt es aber natürlich für „Ausbau und Attraktivierung des Beherbergungsangebotes“ -das gleiche gilt für eine angedachte „Lodge“, also eine Resort-Anlage. Grund genug, diese Punkte nicht komplett zu vernachlässigen.

Gut weg kommt derweil auch ein „Familien- und Jugendgästehaus mit Infozentrum Geopark“, das zwar beim Alleinstellungsmerkmal „nur“ drei von fünf Sternen bekommt - sich allerdings aufgrund der Zugehörigkeit der Stadt zum Geopark Vulkanregion Vogelsbergkreis quasi anbietet. Entsprechend findet sich dieser Ansatz in Form eines Infopfades im erwähnten Premium-Konzept von Bürgermeister und Planer wieder.

Fünf von fünf Sternen erhielt in dem Gutachten eine Veranstaltungshalle - versehen mit dem Hinweis, dass sich bei Realisierung des Konzeptes die Ansiedlung eines „Beherbergungsangebotes“ geprüft werden sollte. Womit der Bogen zu Hotel oder Lodge geschlagen wäre.

Stadt und Bürgermeister haben sich das Gutachten jedenfalls zu Herzen genommen und gehen das Thema Steinbruch an. Was genau sich dort umsetzen lässt, hängt nun von möglichen Investoren ab. Einen endgültigen Plan gibt es noch nicht, wohl aber eine ungefähre Ausrichtung - die auf dem Gutachten basiert: „Es kristallisierte sich heraus, dass ein aus mehreren Elementen bestehendes Nutzungskonzept mit den Themen Kultur-, Natur- und Technikerlebnis das größte Spektrum an Geschäftsmodellen ermöglicht“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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