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Stadt handelt einen "sanften Übergang" aus

Sparkasse Stadt handelt einen "sanften Übergang" aus

Eine "Forderung fürs Schaufenster" hätte nicht geholfen, sagt Bürgermeister Michael Plettenberg und zeigt Verständnis für die Entscheidung der Sparkasse, ihren Mitarbeiter aus der Kernstadt abzuziehen.

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Die Stadt denkt darüber nach, in der Sparkasse nach deren Umgestaltung das Standesamt einzurichten.
Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. „Es gab kurz die Tendenz, reflexartig dagegen zu sein - aber das hätte keinen Sinn gemacht“, sagt Michael Plettenberg und betont, dass er ein „gewisses Verständnis“ für die Entscheidung der Sparkasse habe, den Mitarbeiter abzuziehen und die Filiale auf dem Berg in eine Selbstbedienungs-­Geschäftsstelle umzuwandeln. Eine Reaktion, mit der die Amöneburger angesichts der vielerorts aufgetretenen Proteste über Schließungen relative Exklusi­vität genießen. Für den Bürgermeister aber trotz Verlustes eines „liebgewonnenen Infrastrukturbausteins“ nur logisch: Das Kundenverhalten habe sich in den vergangenen Jahren eben geändert. Und die Stadt habe nicht umsonst stets mit einem Wunsch hinter dem Berg gehalten: Oft hätten die Berger beklagt, dass es keinen Geldautomaten in der Kernstadt gebe: „Eine Veränderung haben wir aber nie verfolgt, weil wir ahnten: Wenn wir einen Geldautomaten bekommen, ist das der Todesstoß für den Mitarbeiter der Geschäftsstelle.“

Nun, die Sparkasse plant derzeit - viel kritisierte - Veränderungen für zahlreiche Filialen (die OP berichtete). Dabei erwischt es auch die Amöneburger. Dem Mitarbeiter bleibt der befürchtete „Todesstoß“ im wahrsten Sinne des Worte erspart - im übertragenen Sinn allerdings nicht. Zum dritten Quartal 2017 zieht die Sparkasse ihn ab und baut dafür einen Geldautomaten auf. Dieser soll schon im ersten Halbjahr kommen, damit es, so Plettenberg, einen „sanften Übergang“ gibt. Viele ältere Menschen hätten noch nie einen solchen Automaten bedient und bräuchten eine Einweisung in die Technik. Und genau diese Einweisung soll der Sparkassen-Mitarbeiter noch bis zu seinem Abgang geben. Dann kann er den Menschen auch gleich erklären, wie sie den Kontoauszugsdrucker bedienen und was sie beim Einwerfen von Überweisungen in einen Briefkasten, den die Sparkasse aufstellt, beachten müssen. Diese zwei ursprünglich nicht vorgesehenen Serviceangebote haben Stadt und Ortsvorsteher Sefa Elmaci in Gesprächen mit dem Kreditinstitut für Amöneburg ausgehandelt.

Für Mardorfer Filiale stehen räumliche Veränderungen an

Der Ortsvorsteher hat zudem erreicht, dass der bisher in der Schule untergebrachte Defibrillator in die Selbstbedienungs-Geschäftsstelle komme - somit ist gewährleistet, dass er im Notfall rund um die Uhr zugänglich ist.

Die Sparkasse habe zudem zugesagt, in ihrem Hause einen festen Ansprechpartner für die Amöneburger bereitzustellen. Und auch den Bargeldservice werde es weiterhin geben - sprich: ein Mitarbeiter bringt Bürgern, die nicht mobil sind, das Geld nach Hause.

„Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf befindet sich mit den Gemeinden, in denen es Veränderungen des Filialnetzes gibt, in guten Gesprächen und zeigt gerne Lösungen wie zum Beispiel den Bargeld-Bring-Service auf. Dies gilt natürlich auch für die Stadt Amöneburg“, lautet der Kommentar von Michael Frantz, dem Marketingleiter der Sparkasse.

Die Stadt überlegt, die direkt neben dem Rathaus liegenden Räumlichkeiten für ein Standesamt oder als Bürgerbüro zu nutzen und kündigt an, den Umbau der Sparkassenfiliale als Eigentümer und Vermieter „konstruktiv“ zu begleiten. Gleichzeitig stellt sie die Erwartung, dass die Standortentscheidung der Sparkasse pro Mardorf „dauerhaft Bestand haben wird“. „Vor dem Hintergrund anstehender Veränderung bieten wir unsere Unterstützung an“, heißt es weiter in einem Schreiben. Will heißen: Wenn die Sparkasse in Mardorf auf die Suche nach für den Betrieb geeigneteren Geschäftsräumen als den bisherigen geht, will die Stadt helfen.

von Florian Lerchbacher

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