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Stadt geht auf Konfrontationskurs zum Landkreis

Fragen und Antworten zur Flüchtlingsunterkunft Stadt geht auf Konfrontationskurs zum Landkreis

Um die Unterbringung von 400 Flüchtlingen in einer Notunterkunft zeichnet sich ein Großkonflikt zwischen der Stadt Kirchhain und dem Landkreis ab. Das wurde gestern schon vor dem Ortstermin deutlich.

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Nicht das Ob, sondern das Wo entzweit Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner und Landrätin Kirsten Fründt beim Thema Flüchtlingsunterkunft in Kirchhain. Die Stadt fühlt sich vom Landkreis übergangen.

Quelle: Nadine Weigel

Kirchhain. Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) ließ dieser Zeitung eine von ihm erarbeitete Projektskizze zur Flüchtlingsunterbringung in der Stadt zukommen. Darin favorisiert er eine Unterbringung in der umzubauenden Markthalle sowie in Holzbaracken in deren Umgebung.

Am vom Landkreis ohne vorherige Absprache mit der Stadt ausgewählten Standort des ehemaligen Rewe-Marktes Im Riedeboden inmitten eines Wohngebiets lässt er dagegen kein gutes Haar.

Nach seiner Überzeugung ist das 4000 Quadratmeter große Areal für die Unterbringung von 400 Menschen in der leeren Markthalle und der aufzubauenden Zeltstadt viel zu klein. „Die Menschen werden keine Intimsphäre und keine Ausweichmöglichkeiten auf dem Gelände haben.

Kirchner fürchtet "unmögliche Zustände"

Wenn die Menschen das Lager verlassen müssen, um sich nicht gegenseitig auf den Füßen zu stehen, werden sie in den Vorgärten der Anwohner oder zwischen den dort stehenden Wohnblocks Zuflucht suchen müssen. So wird die Situation nicht nur für die Menschen des Lagers, sondern auch für die Anlieger zur schweren Belastung“, mutmaßt der Bürgermeister.

Und Jochen Kirchner geht noch einen Schritt weiter: „Das Gebäude sowie das gesamte Gelände ist lediglich mit einem kleinen Hausanschluss versorgt, der bisher von einer Hand voll Mitarbeiter des Marktes genutzt wurde. Er ist nicht für Toiletten sowie Dusch- und Waschmöglichkeiten und eine Großküche für die Nutzung durch 400 Menschen ausgelegt.

Standort Markthalle wäre Alternativkonzept

Es wird zwangsläufig dazu führen, dass in diesen Bereichen unmögliche Zustände entstehen werden. Die Bewohner des Lagers werden zwangsläufig ihre Notdurft in die Nachbarschaft tragen“, schreibt der Bürgermeister, nach dessen Überzeugung „der nach privatem Zugewinn strebende“ Betreiber daran und an dem maroden Zustand des Gebäudes nur das notwendigste verbessern wird.“

Sein Alternativkonzept sieht im Interesse einer besseren Unterbringung der Flüchtlinge und einer höheren Akzeptanz der Bevölkerung den Standort Markthalle. Dieser biete mit der Markthalle und dem vom TSV Kirchhain zur Verfügung gestellten 8000 Quadratmeter großen Rasenplatz nebenan ausreichend Raum, führe die Flüchtlinge wegen der Zentrumsnähe nicht in die Isolation und sorge dafür, dass die Wertschöpfung in der Stadt bleibe.

Bürgermeister: Stadt muss Folgen ausbaden

Zudem seien alle für die Flüchtlinge wichtigen Anlaufstellen direkt nebenan: Ärztehaus, Supermarkt, AWO-Kleiderladen und das städtische Jukuz, Schauplatz des Begegnungscafés und zentrale Koordinierungsstelle der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in der Stadt.

„Das ist aus meiner Sicht eine Katastrophenplanung, deren Folgen die Stadt ausbaden muss“, sagte Jochen Kirchner gestern beim Ortstermin an die Adresse von Landrätin Kirsten Fründt.

Die entgegnete, dass Kirchhains Erster Stadtrat Dietmar Menz bei einem Treffen des Verwaltungsstabs mit der Kirchhainer Stadtverwaltung in Abwesenheit des Bürgermeisters der Lösung alter Rewe-Markt zugestimmt habe. Dem widersprach Jochen Kirchner vehement und verwies auf eine einstimmige Ablehnung des Standorts im Magistrat - mit der Stimme von Dietmar Menz.

Bauherr will Leichtbauhalle erreichten lassen

Auf Nachfrage dieser Zeitung begründete die Landrätin ihre Ablehnung gegenüber dem Alternativstandort Markthalle mit den Notwendigkeit, den Rasenplatz für den Aufbau einer Zelthalle zu schottern. Der Rückbau der Fläche zu einem Rasenplatz sei Sache des Landes Hessen. Es sei fraglich, ob das Land diesen bezahlen werde.

Das Konzept des Bauherren sieht vor, dass auf dem Parkplatz eine 20 mal 40 Meter große „Leichtbauhalle“ (Messezelt­halle mit wärmegedämmten Seitenteilen) aufgebaut wird. In dieser sollen 240 Flüchtlinge wohnen. Ferner sollen Dusch- und WC-Container in die Halle integriert werden. Im Marktgebäude werden 160 Flüchtlinge wohnen. Dort sollen Sanitärtrakte und Essensausgabe entstehen.

von Matthias Mayer

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